Indien: Armutsbekämpfung und Förderung der indigenen Bevölkerung
Situation vor Ort
In Indien leben rund 75 Millionen Ureinwohner, die mit dem Hindi-Begriff Adivasi bezeichnet werden. Das sind fast so viele Menschen wie die Gesamtbevölkerung Deutschlands. Damit ist Indien das Land mit der weltweit höchsten Zahl an indigenen Einwohnern ( ca. acht Prozent der Gesamtbevölkerung). Die Adivasi sind keine homogene Gruppe, sondern bestehen aus schätzungsweise 420 verschiedenen Stämmen mit jeweils eigener Sprache und Kultur.
Die Adivasi leben bis heute zum Großteil als Selbstversorger von Ackerbau und Viehhaltung in meist sehr abgelegenen ländlichen Regionen. Durch Industrieprojekte oder den Bau von Staudämmen werden Sie auch heute immer wieder von ihren traditionellen Siedlungsgebieten vertrieben, verlieren ihre Lebensgrundlage und müssen sich in noch abgelegenere Regionen zurückziehen.
Die Adivasi sind nicht Teil des Kastensystems und werden auch nicht als Kastenlose im strengen Sinne angesehen. In vielen Teilen Indiens gibt es Bestrebungen seitens fundamentalistischer Hindus, die Stammesangehörigen zumindest vordergründig in die Hindukultur zu integrieren und zum Hinduismus zu "bekehren".
Nach Schätzungen leben 85 Prozent der Adivasi unter der Armutsgrenze. Sie sind im Vergleich zu anderen indischen Bevölkerungsgruppen in weit höherem Maß von Armut betroffen.
Die Adivasi sind in allen Lebensbereichen Opfer von Benachteiligung und Marginalisierung. Die meisten Regierungsvertreter ignorieren die Stämme, so dass nur wenige der vorgesehenen Förderprogramm der Regierung für diese Bevölkerungsgruppen tatsächlich durchgeführt werden.
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| Adivasikinder besuchen selten die Schule |
Schulen liegen oft weit entfernt, Lehrkräfte sind rar. Nur acht Prozent der Adivasi- Kinder werden überhaupt eingeschult.
Zwar ist der Unterricht in Indien kostenlos, doch es fehlt meist das Geld für Schuluniform und Lehrbücher.
Aufgrund der Schwierigkeiten brechen viele Adivasi-Kinder die Schule vorzeitig ab. Die Analphabetenrate unter den Stammesangehörigen
ist nach wie vor hoch. Bei der letzten detaillierten Schätzung 1991 wurde sie mit 59 Prozent der Männer und 82 Prozent der
Frauen angegeben.
Der größte Teil der indigenen Bevölkerung arbeitet heute unter schwierigen Bedingungen als Tagelöhner. Da das geringe Einkommen
für den Lebensunterhalt kaum ausreicht, sind viele gezwungen, Kredite zu Wucherzinsen aufzunehmen, die ihnen meist von den
Großgrundbesitzern gewährt werden. Wenn sie die Schulden nicht begleichen können, verlieren sie ihr Land und werden zu Leibeigenen
bzw. Schuldsklaven.
Aufgrund der geringen Schulbildung und der schlechten sozioökonomischen Situation nimmt die indigene Bevölkerung kaum an politischen
Entscheidungsprozessen teil, die z. B. in dem indischen kommunalen Selbstverwaltungssystem, dem so genannten Panchayat Raj
getroffen werden.
Die Adivasi kennen häufig ihre Rechte nicht und sind nicht politisch organisiert.
August 2009



