Armutsbekämpfung und Förderung der indigenen Bevölkerung
Das Projekt
Die Adivasi, die Ureinwohner Indiens, lernen mit Hilfe der Caritas, für ihre Rechte einzustehen. Einige von ihnen leben vom Steinebrechen in den Flüssen.
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| Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass sich Frauen zusammensetzen, um ihre Probleme zu lösen |
"Da laden schon wieder Leute unsere Steine auf einen Lastwagen!". Aruna, eine junge Frau, Mitglied des Dorfentwicklungs-Komitees, ruft eilig zu einer Dorfversammlung auf den Dorfplatz.
Im Entwicklungskomitee des Dorfes Chorharbara treffen sich seit drei Jahren engagierte Dorfbewohner mit einem Caritas-Mitarbeiter. Fast alle Einwohner sind Adivasi, gehören also zu der großen Randgruppe der indischen Ureinwohner. Der Caritas-Mitarbeiter half ihnen, ihre Lebensumstände zu analysieren, klärte sie über ihre Rechte auf und machte ihnen Mut, sich für ihre Belange einzusetzen.
An einem der vergangenen Abende war die Rede auch auf den Bauunternehmer gekommen, der seit Jahren ohne Genehmigung Steine aus dem Flussbett in der Nähe des Ortes abbaut und sie in der Provinzhauptstadt Raipur gewinnbringend verkauft. Ein typisches Beispiel wie sich fremde Unternehmer die Bodenschätze in den Stammesregionen aneignen, ohne die Bewohner in irgendeiner Weise um Erlaubnis zu fragen, geschweige denn für die damit verbundenen Zerstörungen zu entschädigen. Der Gemeinderat Chorharbaras hatte den Bauunternehmer schon verwarnt, aber dieser vertraute auf seinen Einfluss und ignorierte die Adivasis.
Im Dorfentwicklungskomitee hatte man beschlossen, zu handeln, sollte wieder ein Lastwagen kommen. Jetzt war die Situation also da. Die drei Vertreter der Gemeindeverwaltung wurden geholt und zum Eingreifen aufgefordert. Sie stoppten den beladenen Lkw und nahmen den Fahrer fest.
Der Bauunternehmer kam und versuchte die Gemeindevertreter zu überreden und sogar mit 50.000 Rupien (ca. 800 Euro) zu bestechen. Die Dorfbewohner wollten dieses Unrecht aber nicht hinnehmen und riefen die Polizei. Der Bauunternehmer erhielt eine Gefängnisstrafe und sein Lkw wurde beschlagnahmt.
Das Dorfentwicklungskomittee war sehr stolz, sich so erfolgreich gegen einen einflussreichen Unternehmer durchgesetzt zu haben.
Beim monatlichen Treffen mit den anderen Dorfentwicklungskomitees des Distrikts ernteten sie für das gelungene Eintreten für die eigenen Rechte noch einmal viel Anerkennung.
Die Caritas Indien rief in Zusammenarbeit mit Caritas international in sieben mehrheitlich von Stammesangehörigen bewohnten Distrikten der indischen Bundesstaaten Chattisgarh und Andhra Pradesh Dorfentwicklungskomitees ins Leben, um den rechtlosen Adivasi nachhaltig Wege aus der Armut aufzuzeigen.
Die Armut und Verwundbarkeit der Stammesangehörigen hängt eng mit der Tatasche zusammen, dass sie nicht organisiert sind. Den Adivasi fehlt es an entsprechendem Selbstbewusstsein und politischen Erfahrungen, um sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Bisher wurden sie zum Beispiel bei Staudammbauprojekten ohne große Vorwarnung einfach zwangsumgesiedelt.
Ein wichtiges Ziel der Caritasarbeit ist die Aufklärungsarbeit über Zugangsmöglichkeiten zu Sozial- und Entwicklungsprogrammen
der indischen Regierung: z. B. Trinkwasserversorgung, Schulungsprogramme, Altenfürsorge, Witwenrenten etc. Die Caritasmitarbeiter
erklären den Adivasi, welche öffentlichen Förderprogramme existieren, welche Voraussetzungen dafür zu erfüllen sind und wie
die dafür notwendigen Formalitäten erledigt werden.
Bei den zuständigen Behörden stellten Adivasi im Laufe des Projektes unter anderem Anträge für
| Impfung gegen Polio und Impfung von Geflügel |
| Durchführung von Schulspeisungen |
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Versorgung von Dörfern mit Elektrizität |
| Bau von Brücken und Dämmen, Wasserpumpen und Kanälen |
| Bau und Reparatur von Schulgebäuden |
| Anfragen zur Information über öffentliche Projekte und Wohlfahrtsprogramme auf Gemeindeebene |
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Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Programms ist die Rechtsberatung für Fälle von Menschenrechtsverletzungen. Insbesondere die Landrechte der Stämme werden immer wieder durch Forstverwaltungen und Polizei verletzt. |
In 520 Dörfern überlegten Adivasi, was sie für ihr Dorf am dringlichsten tun könnten. Sie leisteten z.B. in Eigenarbeit:
| Reparatur und Säuberung von öffentlichen Wegen und Straßen |
| Gemeinsame Aktivitäten zu Verbesserung der Landwirtschaft, z.B. Anlegen von neuen Feldern und Bewässerungssystemen zum Reisanbau |
| Bau von Regenrückhaltebecken und Dämmen zum Schutz des Grundwasserspiegels und gegen Erosion |
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Bau von Kompostgruben, Anlage von Baumschulen und Durchführung von Wiederaufforstungsprogrammen bzw. Schutz des bestehenden Waldes vor Abholzung |
| Reparatur und Säuberung von Trinkwasserbrunnen |
| Anlage von (Kräuter-)Gärten, Teichen für Fischzucht oder gemeinschaftlicher Schweinezucht |
| Gemeinsame Projekte zur Produktion von Ziegeln |
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Bau von Gemeindezentren und Versammlungsräumen |
Die aktiven Protagonisten der Projekte sind die Adivasi selbst. Erfreulich ist, dass vor allem auch die Frauen sich aktiv
an politischen Entscheidungen beteiligen.
Das Projekt wird seit 2003 mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ ) gefördert.
Damit das erfolgreiche Projekt weitergeführt und auf weitere Regionen ausgeweitet werden kann, bittet Caritas international
um Ihre Spende .
August 2009


