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Kambodscha: Häusliche Pflege für Aidskranke – Leben mit der Krankheit in der Gemeinde

Die Situation

Kambodscha - einst wirtschaftlich florierend - zählt heute zu den ärmsten Ländern Asiens, eine Folge des gut zwanzigjährigen Rote Khmer-Regimes. Der Tourismus ist einer der Hauptwirtschaftsfaktoren. Ein Fünftel der Besucher kommt als Sextouristen. Von den offiziell registrierten Prostituierten sind ein Drittel HIV-positiv.       

Karte Kambodscha

In fünf Jahren Bürgerkrieg erkämpften sich die kommunistischen Roten Khmer 1975 unter ihrem geheimen Führer Pol Pot die Macht und errichteten ein unvorstellbar grausames Terrorregime. Bis 1979 kamen aus einer Bevölkerung von damals zirka sieben Millionen Menschen mindestens 1,4 Millionen Kambodschaner/innen um, Schätzungen gehen sogar bis zu 2,2 Millionen. Vor allem Intellektuelle und jeder, der den Roten Khmer nutzlos oder schädlich erschien, wie z.B. Menschen mit Behinderungen, wurden Opfer der Folterungen und Tötungen. 

Die traumatischen Erfahrungen des Krieges und des Terrors haben in der kambodschanischen Gesellschaft tiefe Spuren hinterlassen: Die alten gesellschaftlichen Strukturen sind zerstört, und ein hohes Gewaltpotential prägt die menschlichen Beziehungen. Ein Menschenleben ist nichts wert, scheint die Lehre aus den Dekaden des Krieges zu sein. Frauen- und Kinderhandel gehören zum „normalen“ Geschäft, aber auch die „einfache“ häusliche Gewalt bestimmt den Alltag und wird staatlicherseits weder verfolgt noch geahndet.

Aufgrund seiner Vergangenheit gehört Kambodscha heute zu den ärmsten Ländern Asiens. Mehr als 40 Prozent der knapp 15 Millionen Einwohner leben mit weniger als einem US-Dollar pro Tag unter der Armutsgrenze. Die Kindersterblichkeit liegt bei 5,7 Prozent, die Analphabeten-Rate bei 26 Prozent. Ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 14 Jahre.

Die erste Erkrankung an Aids wurde im Jahr 1993 diagnostiziert. Der Virus hatte sich ausgebreitet, nachdem UN-Truppen, die die vietnamesische Besatzung ablösten, in Kambodscha stationiert waren. Die Öffnung für den Tourismus tat sein Übriges zum alarmierenden Anstieg der HIV Infektionen – 22 Prozent der Gäste kommen als Sextouristen. Inzwischen macht das Land in diesem Wirtschaftszweig dem Nachbarn Thailand traurige Konkurrenz.

Allein von den rund 57.000 kommerziellen Sexarbeiter/innen in Kambodscha sind schätzungsweise ein Drittel HIV-positiv. Bis zum Jahr 2003 stieg die Aidsrate auf drei Prozent an. Nach intensiven Aufklärungskampagnen gibt das kambodschanische Gesundheitsministerium die Aidsrate für das Jahr 2009 mit nur noch 0,7 Prozent an. Aber weiterhin leben 65.000 Erwachsene mit dem Virus. 30.000 Erwachsene und 3.000 Kinder haben Anspruch auf eine antiretrovirale Therapie, die jedoch nur bei regelmäßiger Einnahme der Medikamente wirkt. Und auch die Zahl der Neuinfektionen bleibt solange hoch, wie die sozialen Probleme, die Armut und in deren Folge Prostitution, Frauen- und Kinderhandel fortbestehen.

November 2011


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