Kambodscha: Häusliche Pflege für Aidskranke – Leben mit der Krankheit in der Gemeinde
Das Projekt
In Kambodscha sind HIV-Infizierte und ihre Familien oftmals stigmatisiert und ausgegrenzt. Die Mitarbeiter der Caritas Kambodscha kümmern sich darum, dass die Kranken medizinisch versorgt werden, und sie suchen nach Möglichkeiten, den betroffenen Familien ein geregeltes Einkommen zu verschaffen. Ein gut funktionierendes Netzwerk aus fachlich geschulten Haupt- und Ehrenamtlichen erreichte allein im Jahr 2010 mehr als 10.000 Kranke.
Die Caritas Kambodscha wurde 1970 zur Linderung der Not der Bevölkerung gegründet, die unter dem sich auf Kambodscha ausweitenden Vietnamkrieg litt. Als 1975 der Genozid durch die Roten Khmer begann, waren die Mitarbeiter/innen der Caritas gezwungen, das Land zu verlassen. Nach dem Ende des Terrorregimes 1979 und dem Abzug der vietnamesischen Truppen 1989 nahm die Caritas Kambodscha ihre Arbeit im Jahr 1990 wieder auf.
Caritas Kambodscha ist seit 1995 unter anderem in der Provinz Siem Reap im Nordwesten des Landes tätig. Ende der 90er Jahre sah sich die Caritas Siem Reap zunehmend mit dem HIV Problem konfrontiert und engagiert sich seither in der Versorgung und Pflege von Aids-Infizierten in der ländlichen Region.
Häusliche Krankenpflege
Seit 2001 betreut die Caritas Siem Reap in der gleichnamigen Provinz im Nordwesten des Landes Menschen, die von der Immunschwächekrankheit Aids betroffen sind. Mittlerweile umfasst das hauptamtliche Caritas HIV-Team zirka 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In Zusammenarbeit mit mehr als 50 selbst von HIV betroffenen, geschulten Gesundheitshelfern wurden bislang 15 ambulante Teams gebildet, die in 650 Dörfern in der gesamten Provinz Siem Reap tätig sind. Jedes Team erreicht mit dem familien- und gemeinwesenorientierten Ansatz 100 Menschen mit HIV/Aids. Außerdem kooperieren die Teams mit 48 Gesundheitszentren in der Provinz, um Bewusstseinsbildung, Beratung und lebenspraktische Unterstützung für Aidsbetroffene zu leisten. Im Jahr 2010 wurden insgesamt 1.639 Menschen mit HIV/Aids neu in das Betreuungsprogramm aufgenommen und 13.234 Personen in medizinische Behandlungen vermittelt.
können die Kranken auch zu Hause gepflegt werden.
Die Caritas-Mitarbeiter/innen suchen in Zusammenarbeit mit den freiwilligen Gesundheitshelfern die Neuinfizierten auf und
stehen ihnen beratend und helfend zur Seite. Sie ermöglichen ihnen den Besuch der Gesundheitszentren, die für die Dorfbewohnerinnen
ohne Unterstützung kaum erreichbar wären. Hier beginnen die Erkrankten mit der antiretroviralen Therapie.
Außerdem unterstützen sie die Familien, denn HIV-Infizierte und ihre Familien sind stigmatisiert und werden oft ausgegrenzt.
Aidsbekämpfung ist zwar ein nationales Anliegen des Gesundheitsministeriums, dennoch werden die Patienten oftmals von den
Krankenhäusern abgewiesen. Selbst Ärzte und Krankenschwestern haben Angst, sich mit Aids anzustecken. Erschwerend kommt hinzu,
dass viele der Infizierten die Gebühren für die Aufnahme in den Kliniken nicht bezahlen können.
Caritas in Siem Reap hat daher eine freiwillige nachbarschaftliche Pflege aufgebaut. In Trainings und Workshops für betroffene
Familien und Nachbarn klären die Mitarbeiter über die notwendige Pflege der Infizierten und über den Krankheitsverlauf auf.
Das stärkt die Akzeptanz von Aidskranken und fördert die Solidarität mit den Infizierten in den Dorfgemeinschaften. Nebeneffekte
der aktiven Beteiligung der Freiwilligen sind höhere Bereitschaft zur Prävention und ein geschärftes Bewusstsein über Ansteckungsrisiken.
Selbsthilfegruppen
Wenn die Aids-Infizierten mit Hilfe der antiretroviralen Medikamente und der Betreuung physisch und psychisch wieder gefestigt sind, empfehlen die Caritas-Mitarbeitenden ihnen die Selbsthilfe-Gruppen. Diese treffen sich einmal im Monat, besprechen ihre Probleme und Anliegen und informieren sich über ihre Krankheit. In der Regel werden auch Aktivitäten organisiert, die das finanzielle Einkommen der Kranken und ihrer Familien sichern. Die Caritas unterstützt mittlerweile 29 Selbsthilfegruppen.
Nun ernährt sie sich und ihre Familie durch den Verkauf von
Backwaren. Foto: Caritas Cambodia
Mit der Krankheit verschärfen sich oft die finanziellen Probleme. Die Caritas hat daher ein umfangreiches Programm aufgebaut,
um den Aids-Infizierten ihren Lebensunterhalt zu sichern und ihre Kinder in die Schule zu schicken.
Jährlich werden zirka 70 Kleinkredite sowohl an Einzelhaushalte als auch an Selbsthilfegruppen vergeben. Die Kredite werden
für Projekte in den Bereichen Gartenbau, Fisch- und Tierzucht eingesetzt. Die jährliche Rückzahlungsrate in den Kleinkreditfond
ist mit durchschnittlich 85 Prozent sehr gut angesichts der besonders schwierigen sozialen und materiellen Lage von Menschen
mit HIV/Aids.
In der Anlaufstelle bekommen Personen, die fern von den Gesundheitsstationen leben, die Möglichkeit, während ihrer Behandlung
kostenfrei unterzukommen. In dieser kleinen Einrichtung finden auch HIV-infizierte Frauen in Krisensituationen Zuflucht, zum
Beispiel wenn sie schwanger sind und verstoßen wurden. Sie können bis zur Geburt ihres Kindes bleiben und erhalten danach
Unterstützung, um sich und das Kind zu versorgen.
November 2011

