Pakistan - Ausbildungshilfe für Kinderarbeiter
Das Projekt
Kinderarbeit ist in Pakistan gesellschaftlich angesehen und häufig genug für die Familien eine ökonomische Notwendigkeit. Nur wenn der Schulbesuch mit der Arbeit kompatibel ist, erlauben Eltern ihren Kindern den Schulbesuch.
![]() |
| Schulstunden sind für Kinderarbeiter eine wünschenswerte Abwechslung |
Die Menschenrechtsorganisation National Council for Civil Liberties (NCCL) ist langjähriger Partner der Caritas und geht mit Realitätssinn an das Problem der Kinderarbeit heran. Die 65 Mitarbeiter des NCCL belassen die Kinder an ihren Arbeitsplätzen, bieten ihnen aber zusätzlich Alphabetisierung und Kurse zur Stärkung des Selbstbewusstseins an. Das Ziel des NCCL ist die Gründung einer gewerkschaftsähnlichen Interessengruppe, um die Gesetze zum Schutz der Kinderarbeiter und ihre Durchführung zu forcieren. Derzeit betreut der NCCL mehr als 10.000 Kinderarbeiter.
Projektgebiet ist die Stadt Lahore im Norden Pakistans, wo es mehr als eine halbe Million Kinderarbeiter gibt. Dort hat der NCCL sechs Zentren und 30 mobile Bildungseinheiten (Outreach Mobile Units) für Kinder auf dem Land eingerichtet. Von hier aus nehmen Sozialarbeiter mit den Familien von Kinderarbeitern Kontakt auf. Sie versuchen die Familien davon zu überzeugen, dass ihre Kinder eine bessere Zukunft erwarten können, wenn sie neben Geld auch noch Bildung erwerben. Wenn die Sozialarbeiter Erfolg hatten, werden die Kinder sechs Monate lang von ihren Arbeitgebern für einen zweistündigen Schulbesuch freigestellt.
Die Kinder lernen dort Lesen und Schreiben, Mathematik und Englisch. Außerdem erhalten sie Informationen zu Kinderrechten und eine medizinische Versorgung. Täglicher Sport, kulturelle Anlässe und Ausflüge an historische Orte sollen Erholung und soziales Verantwortungsgefühl fördern.
Die Kinderarbeiter sind hoch motiviert und empfinden in ihrem oft sehr eintönigen Alltag die Schulstunden als willkommene Abwechslung. Da diese Kinder aufgrund ihrer Erfahrung mit der harten Arbeitswelt erwachsener sind als nicht arbeitende Gleichaltrige, sind die Schulungsprogramme des NCCL sehr erfolgreich. Manche der Kinder gehen nach dem sechsmonatigen Kurs weiter zur Schule, arbeiten nur noch stundenweise oder verlassen ihre Arbeitsplätze ganz. Ältere Kinder und Jugendliche erhalten in den Zentren die Möglichkeit einer handwerklichen Ausbildung. So gibt es zum Beispiel einjährige Näh- und Handarbeitskurse für Mädchen, die ihnen ermöglichen sich entweder selbstständig zu machen oder aufgrund ihrer Qualifikation höhere Löhne zu verlangen.
Die Kinder werden in der Schule dazu ermutigt von inhumanen Erlebnissen am Arbeitsplatz zu erzählen, um in der Gruppe ihr Unrechtsempfinden zu schärfen. Diese Themen werden vom einem lokalen Komitee aufgenommen und diskutiert. Vertreter des Komitees handeln mit dem Arbeitgeber eine Lösung aus.
Langfristig soll das ganze Projekt diesem Komitee übergeben werden. Ziel ist die Vermittlung und Durchsetzung von Kinderrechten in der Bevölkerung.
September 2009


