Sri Lanka: Notversorgung für Flüchtlinge
Situation
25 Jahre lang kämpften in Sri Lanka tamilische Rebellen gegen die Regierungstruppen. Ca. 70.000 Menschen kamen bei diesen Kämpfen ums Leben. Im Mai 2009 erklärte die Regierung die Rebellen für besiegt. Seitdem herrscht zumindest Waffenruhe. Aber 290.000 Menschen flohen vor den erbitterten Kämpfen und fanden in Lagern Zuflucht. Die Lage der Geflüchteten ist dramatisch. Die Menschen sind körperlich und seelisch erschöpft und leiden Hunger. Es fehlt an Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, medizinischer Versorgung und Hygiene.
Die gesamte Bevölkerung des Nordens hat unter dem von beiden Seiten mit äußerster Härte geführten Krieg gelitten. Allein die
letzte Großoffensive der Regierungstruppen gegen die tamilische LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam Movement) im Nordosten
der Insel hat nach UN-Angaben etwa 7.000 bis 8.000 Zivilisten das Leben gekostet.
Etwa 290.000 Menschen sind zu Flüchtlingen im eigenen Land geworden. Die Kämpfe selbst sind eingestellt, doch der ganze Norden
ist aus Angst vor den Rebellen quasi militärisch abgesperrt.
Noch im August berichten Mitarbeiter der Caritas Sri Lanka, dass die Zahl der militärischen Kontrollen nicht abnehme. Die
Krankenhäuser der Region sind mit Flüchtlingen überfüllt. In den Lagern sind noch knapp 260.000 Menschen.
Verheerende Lage in den Flüchtlingscamps
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| 290.000 Menschen wurden aus ihren Dörfern und Städten vertrieben. |
| Foto: © STR New / Reuters/ AlertNet |
Die Lage in den Flüchtlingscamps wird als verheerend beschrieben. Sie sind "Gefängnisse unter freiem Himmel" mit scharfen
Restriktionen für die internationale Hilfe. Es ist den Helfern zum Beispiel untersagt, mit den Flüchtlingen zu sprechen. Hilfsgüter
dürfen nur zu Fuß gebracht werden. Es gibt keine auch nur annähernd ausreichende Versorgung der Verletzten.
Ende September setzen in Sri Lanka die Monsunregen ein. Welche Folgen das haben wird, konnte man im August schon sehen, als
einmal ein verhältnismäßig leichter Regen niederging. Das Lager Menik in Vavuniya wurde vollständig überflutet, hunderte Familien
hatten plötzlich keine geeignete Unterkunft mehr, geschweige denn Trinkwasser oder den Zugang zu sanitären Einrichtungen. Fünf
Flüchtlinge starben an Infekten, ein Kind ertrank.
Caritas Sri Lanka hilft im Rahmen ihrer Möglichkeiten
Die lokale Caritas Sri Lankas ist eine der Hilfsorganisationen, denen beschränkter Zugang zu den Lagern gewährt wird. Sie versorgt mittlerweile 57.000 Menschen mit Trinkwasser, Lebensmitteln und weiteren Hilfsgütern.
Schon während des gesamten Bürgerkriegs war sie vor Ort und versuchte, der Zivilbevölkerung im Norden Sri Lankas beizustehen
und Nothilfe zu leisten. Auch ihre Mitarbeiter blieben von den Folgen des blutigen Bürgerkriegs nicht verschont. 70 Mitarbeiter
der Caritas Sri Lanka, die schon seit Jahren im Nordosten den Bürgerkriegsopfer beistanden, wurden mit ihren Familien ebenfalls
vertrieben und sind in den Lagern eingeschlossen.
Der Caritasmitarbeiter Raj Anthonipillai Uthayaraj, 26, wurde in der ersten Maiwoche inmitten der Kampfzone in Mullivaikal
getötet. Bei Gefechten auf der bis zuletzt umkämpften Halbinsel, wo die Tamilischen Rebellen zehntausende Zivilisten als Geiseln
gefangen gehalten hatte, wurde auch eine Kirche getroffen, in der Caritasmitarbeiter humanitäre Hilfe geleistet haben. Hierbei
wurde der Direktor der Caritas Vanni Pfarrer T.R. Vasanthaseelan so schwer verletzt, dass sein linkes Bein amputiert werden
musste.
Die Zukunft der Flüchtlinge ist völlig ungeklärt
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| Tamilische Flüchtlinge stehen in einem Camp in der Nähe der Stadt Vavuniya an der Essensausgabe an |
| Foto: © STR New / Reuters/ AlertNet |
Landminen und Ruinen werden noch auf längere Sicht die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Dörfer und Städte verhindern. Dort
gibt es keinen Strom mehr, keine Telekommunikation, keine Wasserversorgung. Zum größten Teil sind Straßen und Brücken wie
auch Schulen und Krankenhäuser zerstört und die Felder liegen brach.
Die Regierung kündigte an, im September mit der Rückführung der Flüchtlinge beginnen zu wollen. Ein Plan für dieses Vorhaben
lag aber bis Ende August nicht vor. So ergriff die Caritas Sri Lanka die Initiative und erwirkte bei der Regierung die Erlaubnis,
ein Ausweich-Dorf für 3.820 Familien zu errichten.
Geschlossen versuchen die in Sri Lanka tätigen Hilfswerke auf die Regierung einzuwirken, dass ihnen freier Zugang zu den Flüchtlingslagern
gewährt wird, dass die Versorgung nicht behindert wird, dass sich die Flüchtlinge frei bewegen dürfen und dass gemeinsam Pläne
für eine menschenwürdige Zukunft der Flüchtlinge erarbeitet werden.
Die Regierung ist in Bezug auf die Notleidenden untätig, weil die meisten von ihnen der hinduistischen Minderheit der Tamilen
angehören. Präsident Mahinda Rajapaks, der der buddhistischen Mehrheitsbevölkerung angehört, erklärte öffentlich, er wolle
die ethnischen Minderheiten seines Landes nie mehr erwähnen, sondern nur noch zwischen den Menschen unterscheiden, die das Land
ihrer Geburt liebten oder eben nicht liebten.
September 2009
Caritas international hat Hilfe in Höhe von 190.000 Euro zur Verfügung gestellt. Die Caritas Sri Lanka verteilt in den Flüchtlingslagern
an 57.000 Menschen Lebensmittel, Trinkwasser und nötige Haushaltsgegenstände. Nun müssen für das Ausweich-Dorf schnell Behelfsunterkünfte
gebaut werden.
Caritas international ruft dringend zu Spenden für die humanitäre Hilfe in Sri Lanka auf:
Caritas international
Spendenkonto 202
bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe
BLZ 660 205 00
oder [online]



