Brasilien: Kooperativen der Müllsammler
Das Projekt
In den Straßen Fortalezas, einer Millionenstadt an der Küste Nordostbrasiliens, leben Tausende von Menschen von dem, was andere wegwerfen - Essensreste, alte Gebrauchsgegenstände und Kleidung. Was sie nicht selbst verwerten können, verkaufen sie weiter.
Foto: Caritas international
Wie die meisten Metropolen Brasiliens wächst auch die Küstenstadt Fortaleza unaufhörlich. Anhaltende Dürren in den Savannen und Halbwüsten des Hinterlandes sowie Arbeitslosigkeit, fehlende Bildungseinrichtungen und die schlechte Gesundheitsversorgung auf dem Land spülen mehr und mehr Zuwanderer in die Metropole.
In der Stadt aber sind Arbeitsplätze und Wohnmöglichkeiten rar. Um den Lebensunterhalt zu bestreiten, bleibt für viele von ihnen nur die Lösung Catador zu werden, wie hier die Müllsammler heißen.
Caritas und Kirche unterstützen die informell arbeitenden Müllsammler seit den 80er Jahren bei der Gründung von Genossenschaften. Gemeinsam kämpfen sie in zähen und langwierigen Auseinandersetzungen um ihre Rechte und die Verbesserung ihrer Arbeitssituation. In São Paulo und Porto Alegre im Süden des Landes haben die organisierten Müllsammler bereits Beeindruckendes erreicht.
So haben sie unter anderem eine selbstorganisierte Basisgesundheitsversorgung aufgebaut, wo offene Wunden und Ekzeme - die häufigsten gesundheitlichen Beschwerden bei den Arbeiter/innen - behandelt werden. In eigenen sanitären Anlagen können sich die Müllsammlerinnen und Müllsammler nach der gesundheitsgefährdenden Arbeit waschen, denn kaum einer von ihnen verfügt zu Hause über fließendes Wasser.
professionell organisiert Foto: Caritas international
In bislang 18 selbstorganisierten Kooperativen trennen und sammeln die Catadores gezielt Wertstoffe, die weiterverarbeitet
werden. Über 5.000 feste Arbeitsplätze sind so aus der ehemals informellen Arbeit entstanden. Die Müllsammler erzielen in
den Kooperativen einen gerechten Preis für ihre Sammelprodukte, denn durch die gemeinsame Vermarktung und das Ausschalten
der Zwischenhändler können die Wertstoffe nach Säuberung, Klassifizierung und Pressen vermarktet werden.
In Zukunft aber stehen für die Müllsammler neue Probleme an: Die öffentliche Verwaltung plant, bis zum Jahr 2014 die Müllhalden
Brasiliens zu geordnete Deponien umzuwandeln, die entweder privatisiert oder städtisch betrieben werden sollen. Die Catadores
befürchten, dass professionelle Recyclingfirmen ihnen den Zugang zum Müll verwehren und ihnen damit die Lebensgrundlage entziehen.
Die Kooperativen sehen sich nicht in der Lage, sich selbst um die Vergabe zu bewerben, da die Ausschreibung in einer Großstadt
wie Fortaleza ein Volumen von 1,5 Millionen Euro hat.
November 2011

