AFRIKA  

Spende

Tansania: Förderung von Kindern mit Behinderung

Das Projekt

Die Situation von behinderten Menschen allgemein und von behinderten Kinder und Jugendlichen in Tansania ist sehr problematisch. Manche werden sofort nach der Geburt getötet. Viele werden in der Hütte versteckt und vernachlässigt.  Das Behindertenprogramm der Erzdiözese Arusha sensibilisiert die Bevölkerung und hat sich in vielen Bereichen als "Stimme der Behinderten" etabliert.

Beratung
Entlassung. Die Mutter wird mit ihrer Tochter im Dorf täglich Krankengymnastik machen und ihr Kind zur Schule schicken.
Foto: Caritas international

Seit über zehn Jahren unterstützt Caritas international das Rehabilitationszentrum Huduma ya Walemavu in Monduli im Nordosten Tansanias. Huduma ya Walemavu ist Swahili und heißt "Fürsorge für behinderte Menschen".

Fürsorge bedeutet für die Caritas-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der regelmäßige Besuch von über 60 Dörfern im Projektgebiet, der Erzdiözese Arusha. Mehrmals im Jahr kommt das Team aus Sozialarbeitern und Physiotherapeuten in die Dörfer und sucht ihre Patienten und Patientinnen auf, um sie in ihrer Entwicklung zu begleiten.

Gleichzeitig arbeitet das Team daran, die Bevölkerung und vor allem die betroffenen Eltern zu einer veränderten Einstellung gegenüber Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen zu bewegen.  Um eine frühzeitige Behandlung der Kinder mit Behinderungen zu ermöglichen, muss die Dorfbevölkerung sensibilisiert werden - statt über Behinderung beschämt zu schweigen, bietet das Team der Caritas den Raum, darüber zu reden.

In jedem der betreuten Dörfer wurden von der Dorfgemeinschaft zwei Verantwortliche für das Gesundheitswesen und die Behindertenbetreuung gewählt. Diese dörflichen Gesundheitsbeauftragten erhielten durch das Projekt eine mehrwöchige Basisschulung. Seitdem werden sie regelmäßig zu Auffrischungskursen eingeladen. Seit Beginn des Projektes haben mehr als 180 dörfliche Mitarbeiter eine entsprechende Ausbildung erhalten.

Hilfreiche Operationen

Operierter Junge
Nach überstandener Operation blieb dieser Junge noch fast sechs Monate im Huduma ya Walemavu
Foto: Caritas international

Ein Arzt untersucht die Kinder mit Behinderung und entscheidet, ob eine orthopädische Operation oder eine gezielte Krankengymnastik entscheidend ist, um Mobilität oder Integration zu erleichtern. Das Team setzt sich mit der Familie der Kinder zusammen und hilft, die Entscheidung zu treffen, ob sie das Angebot annehmen möchten.

Sind chirurgische Eingriffe nötig, werden die Kinder an entsprechende Kliniken überwiesen. Mehrmals im Jahr operieren dort Ärzteteams aus Kenia und den USA kostenlos die ausgewählten Kinder und Jugendlichen. 

Für die Nachbehandlung und Reha-Phase kommen die Patienten ins Zentrum Huduma ya Walemavu. Dort ist Platz für jeweils 30 Patienten mit ihren Angehörigen. Im Jahr 2009 wurden im Verlauf des Jahres insgesamt 345 Patienten stationär aufgenommen. Dazu kam eine große Zahl von Begleitpersonen, meist die Mütter der jungen Patienten. Der Aufenthalt im Zentrum ist kostenfrei. Die Nahrungsmittel müssen aber durch die Verwandten gestellt werden. Insgesamt wurden 2009 621 Patienten stationär oder ambulant behandelt.

Ein wichtiger Bestandteil des Zentrums ist die therapeutische Abteilung. Dort arbeiten Krankengymnastinnen und Ergotherapeuten mit den frisch operierten Patienten. Gleichzeitig schulen diese Therapeuten die Eltern in der fachgerechten Behandlung der Kinder.

Drei bis fünf Mal im Jahr werden zusätzlich sogenannte Therapiewochen organisiert. Dabei werden Eltern aus dem Projektgebiet eingeladen, ins Zentrum zu kommen, um dort durch die anwesenden Therapeuten eine intensive Schulung in der fachgerechten Therapie ihrer Kinder zu erhalten. Diese Therapiewochen dauern jeweils etwa eine Woche.

Schulische Ausbildung

Seit dem Jahr 2006 befindet sich auf dem Gelände des Zentrums "Huduma ya Walemavu" eine Vorschuleinrichtung. Die jungen Patientinnen und Patienten können diese Vorschule während ihres Aufenthalts besuchen. Für viele der Kinder ist es der erste Kontakt mit einer Bildungseinrichtung, da sie wegen ihrer Behinderung häufig keine Schule besuchen durften. Die Vorschule wird auch von etwa 20 Kindern der näheren Umgebung besucht. Der zwanglose Umgang von behinderten und nicht behinderten Kindern in der Schule trägt maßgebend zur Akzeptanz und Integration von Menschen mit Behinderung bei. 

Immer wieder stellt sich das Problem, Kindern, die im Zentrum behandelt wurden, eine weitere schulische Perspektive zu schaffen. Durch verschiedene Initiativen und Privatspenden konnten in den letzten Jahren insgesamt 55 Kinder und Jugendliche an spezielle Schulen für Blinde, Hörgeschädigte und Körperbehinderte vermittelt werden.

Stimme der Behinderten

Da die Akzeptanz von Menschen mit Behinderungen in Tansania aufgrund kultureller Auffassungen sehr schwierig ist, gründete die damalige Leiterin des Rehabilitationszentrums im Jahr 2004 eine Arbeitsgruppe "Behindertenpolitik". Mittlerweile arbeiten 17 Institutionen und Organisationen aus der Umgebung von Arusha in dieser Arbeitsgruppe mit, von der auch Impulse für die nationale Behindertenarbeit ausgehen.

Seit 2009 werden innerhalb dieses Arbeitskreises verschiedene Treffen zum fachlichen Austausch organisiert, eines dieser Treffen fand im Zentrum von Huduma ya Walemavu statt. Geplant ist eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit, um die Rechte und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung in der Bevölkerung weiter bekannt zu machen. Hierfür strebt das Netzwerk Veröffentlichungen, Werbung und Interviews bei Radio-Stationen und in Zeitungen in den Sprachen Maasai und Swaheli an.

Ausstattung

Im Huduma ya Walemavu befinden sich neben der Verwaltung des Projektes noch eine Küche zur Versorgung der Patienten und eine orthopädische Werkstatt zur Herstellung von Prothesen und anderen orthopädischen Hilfsmitteln. Angeschlossen ist eine kleine Schreinerei zur Produktion von behindertengerechten Möbeln und Krücken.

Das Projekt beschäftigt etwa 30 feste Mitarbeitende in den Bereichen Verwaltung, medizinische Behandlung, Außenprogramm, orthopädische Werkstatt und in der Küche. Dazu gibt es Hausmütter, Fahrer, Wächter und sonstiges Hilfspersonal. Viele der Angestellten arbeiten seit dem Beginn des Zentrums im Jahre 1989 für das Rehabilitationszentrum.

August 2011

 


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