EUROPA  

Spende

Kosovo - Behindertenarbeit Prizren

Das (Modell-) Projekt Sonderkindergarten

Wie kann die Integration von Menschen mit Behinderungen in einer Gesellschaft gefördert werden? Ein Ansatz ist, bei Kindern erst gar keine Berührungsängste aufkommen zu lassen. Die Kinder geben ihre Erfahrungen an Eltern und Bekannte weiter und stoßen damit unbewusst Bewusstseinsprozesse an.

kindergarten
Der neue Kindergarten kurz nach der Einweihung

Um behinderten Kinder eine institutionelle Fördermöglichkeit zu bieten und das Thema Behinderung in der Gesellschaft präsenter zu machen, gründete Caritas 2004 auf dem Gelände der Mutter-Theresa-Schule den ersten integrativen Kindergarten im Kosovo. 

Für die 60 Plätze waren zunächst fast nur nicht behinderte Kinder angemeldet. Das lag unter anderem an der gesellschaftlichen Ablehnung von behinderten Menschen im Kosovo. Viele Eltern behinderter Kinder wollen diese nicht in der Öffentlichkeit zeigen.

Erst die Überzeugungsarbeit von Ehrenamtlichen, die Eltern in Krankenhäusern, Ambulanzen und zu Hause besuchten, sorgte dafür, dass die Eltern das Angebot in Anspruch nahmen und ihren behinderten Kindern einen Kindergartenbesuch ermöglichten.  

Mittlerweile konnten zwanzig Kinder mit einer Behinderung aufgenommen werden. Seitdem herrscht in der Einrichtung ein selbstverständliches Miteinander von Behinderten und Nicht-Behinderten.

Die Behinderungsart oder der Behinderungsgrad spielen dabei keine Rolle, denn für körperlich behinderte Kinder - vor allem auch die mehrfach behinderten- gibt es im Kosovo kaum Förderchancen oder Fördermaterial. So werden Rollstühle, Steh- und Gehhilfen sowie andere Hilfsmittel im Ausland beschafft und für jedes Kind ein spezielles Förderprogramm entwickelt. Logopädie oder spezielle Krankengymnastik sind dabei fast immer ein Bestandteil.

Malen im Kindergarten
Malen ist eine Freude für alle Kinder, egal ob behindert oder nicht.
Foto: Caritas international

Regelmäßige Fortbildungen der Erzieherinnen, ein eigenes Curriculum und fachliche Beratung stellen die Qualität der Förderung im Kindergarten sicher.

Die Aufklärungsarbeit und Werbung war erfolgreich. Viele Eltern kommen inzwischen von selbst, um ihre behinderten Kinder anzumelden. Die Zahl der entwicklungsgestörten und behinderten Kinder steigt stetig. Langsam spricht sich herum, dass der Verbleib behinderter Kinder in den Familien nicht sehr förderlich ist und die Kooperation mit Gesundheitsbehörden und den Förderstellen handfeste Vorteile birgt.

Da das Angebot im Kosovo einmalig ist, richtete die Caritas einen Fahrdienst ein, um auch behinderten Kindern aus der weiteren Umgebung einen Kindergartenbesuch zu ermöglichen.

Aus Gesprächen mit Kindern und ihren Eltern wissen die Mitarbeiter/innen der Caritas Kosovo, dass der integrative Kindergarten eine Keimzelle für die Integration behinderter Menschen im Kosovo ist.

September 2009