Afrika  

Spende

Kongo: Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten

Das Projekt

Die Caritas Goma setzt sich seit mehr als 14 Jahren für ehemalige Kindersoldaten im Nordosten Kongos ein. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben die Freilassung unzähliger Kindersoldaten erreichen können.

Die Caritas Goma wirbt Kindersoldaten aus den verschiedenen Armeen und Milizen in der Konfliktregion ab, versorgt sie medizinisch und psychologisch, gibt ihnen zu essen und unterrichtet sie, um ihnen neue Lebensperspektiven zu bieten. Ziel ist, diese Kinder wieder ins zivile Leben zu ihren Familien zurück zu führen.

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Die erste große Hürde ist die Entwaffnung: Das Gewehr ist für sie Zeichen der Macht

In mehr als der Hälfte von rund 1.600 Fällen ist es gelungen, die Kinder dauerhaft wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Eine stolze Bilanz, berücksichtigt man die Schwierigkeiten, mit denen diese Arbeit verbunden ist. Mühsam müssen die Eltern erst einmal aufgefunden werden und sie müssen überzeugt werden, dass es überhaupt möglich ist, dass die Kinder "aus dem Busch" wieder ein normales Leben führen können. Die Vorbehalte gegen die Rückkehr von Kindersoldaten sind groß -  ebenso, wie die Angst vor ihnen. "Du kriegst ein Gewehr und regelmäßig etwas zu Essen", erzählen die Kinder von ihrer Zeit als Soldaten. Häufig war das eine Motivation für sie, sich freiwillig für die Armee rekrutieren zu lassen, allzu oft allerdings geschah dies unter Zwang und mittels Entführungen.

Stehen sie erstmal in Lohn und Brot der Milizen, beherrschen Angst und Gewalt den Alltag. "Ich bekomme zwar Alpträume davon, aber Töten ist für mich normal geworden, wie Händeschütteln bei einer Begrüßung", erklärt ein Junge.

Nach ihrer Befreiung aus den Reihen der Milizen benötigten die Kindersoldaten eine besondere Betreuung. Viele von ihnen sind traumatisiert, entscheidende Lebensperspektiven verbaut. Ziel des Projektes ist es, die Kinder zu entwaffnen und wieder ins zivile Leben zu integrieren. Dazu muss ihnen die Rückkehr in ihre Familien ermöglicht werden.

Um das zu erreichen, unterstützt die Caritas fünf Übergangszentren, in denen die Jungen und Mädchen medizinisch und psychologisch betreut werden. Mehr als 300 Jungen und Mädchen finden in den vier Transitzentren der Caritas Goma Hilfe und psychologische Begleitung, um ihre grauenhaften Erlebnisse zu verarbeiten.

Begleitend klären die Caritasmitarbeiter/innen die Bevölkerung über Kinderrechte auf. So soll der Druck auf die Milizenführer erhöht werden, die Kindersoldaten frei zu geben.

Demobilisierung von Kindersoldaten ist ein langer Prozess

Um an die Kindersoldaten heranzukommen, bedarf es vieler Gespräche. Zunächst müssen die Behörden von dem Vorhaben überzeugt werden und die Abgabe der Waffen unterstützen. Wurde die Identität der Kinder festgestellt, erhalten sie ihre Dokumente. Erst mit den offiziellen Papieren über ihre Entwaffnung können sie ihre zivile Identität zurückbekommen. Die Caritas nimmt Kontakt zu den verschiedenen traditionellen Chefs und Milizenführern auf und versucht, diese davon zu überzeugen, die Kindersoldaten freizugeben.

Caritas Mitarbeiter kümmern sich um Kindersoldaten
Demobilisierung von Kindersoldaten
Foto: Caritas international

Damit die Wiedereingliederung in Gesellschaft und Familie gelingt, ist es in einem zweiten Schritt nötig, die Kinder wieder an die Schule zu gewöhnen. Krankheiten müssen behandelt und die Kinder zu ihren Familien gebracht werden. Oft bedarf es einer intensiven Suche, um die Familien überhaupt zu finden, da die Kinder zum Teil aus ganz anderen Regionen rekrutiert worden sind.

Mit der schwierigste aber auch der wichtigste Part ist die psychologische Betreuung der Kinder. In den Demobilisierungszentren wird wenigstens ein Grundstein dafür gelegt, dass die Kinder lernen, in einem zivilen Leben angemessen zurecht zu kommen.  Es gibt Freizeitaktivitäten, Aufklärungskurse und Lernangebote in Landwirtschaft und Viehzucht. Die Kurse der Caritas Goma richten sich nicht allein an die ehemaligen Kindersoldaten. Auch die Bevölkerung, die Familien oder Nachbarn müssen lernen, mit der problematischen Situation umzugehen. Dazu führt Caritas öffentliche Fortbildungsveranstaltungen durch und strahlt Radiosendungen aus. Juristen und Sozialarbeiter informieren über die international anerkannten Rechte von Kindern und die lebenslangen Folgen schwerer Traumata.

Die Partnerorganisation für dieses Projekt ist die Caritas der Diözese Goma, mit der Caritas international bereits seit 1994 zusammenarbeitet.

  • 25 Euro kostet die tägliche Verpflegung aller Kinder in einem Auffanglager

  • 310 Euro erhält ein Sozialarbeiter im Monat, der die Kinder psychologisch
    betreut und sie wieder für ein „ganz normales“ Leben vorbereitet

 

Dezember 2011


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