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Armenien: Häusliche Pflege und Sozialstationen

Die Situation

Achzig Prozent der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze, jeder Zehnte hat nur einmal am Tag etwas zu Essen: Armenien ist eines der ärmsten Länder Osteuropas.

Karte Armenien

Armenien, einer der Südkaukasus-Staaten, ist ein kulturell reiches Land mit eigener Schrift und Sprache. Überall im Land sieht man uralte Kirchen und Kapellen. Bereits im Jahr 301 wurde das Christentum hier Staatsreligion. Es ist die älteste Staatskirche der Welt.

Das Land zwischen Aserbaidschan, Georgien, der Türkei und dem Iran erlebte Anfang der 1990er Jahre jedoch einen dramatischen Niedergang. Der Zusammenbruch der Sowjetunion erschütterte die armenische Wirtschaft schwer. Die Grenzen zu Aserbaidschan und zur Türkei sind weiter geschlossen, und Waren können nur unter großen Umwegen über Georgien und den Iran importiert und exportiert werden. Die Wirtschaft in Armenien erholt sich nur langsam, Massenarbeitslosigkeit und Armut prägen immer noch den Alltag.

Heute liegt die Arbeitslosenquote bei rund 30 Prozent. Laut einem Bericht der  Weltbank von 2009 lebt jede fünfte Person in Armenien in großer Armut. Und "Jeder Zehnte hat nur einmal am Tag zu essen," berichtet Caritas-Direktor Tarasyan. Besonders die Bewohner der nördlichen Provinzen leiden unter Hunger und chronischer Mangelernährung. "Die Durchschnittseinkommen im Raum Gyumri liegen rund ein Drittel tiefer als im Rest des Landes, es ist die ärmste Region", berichtet die Caritas Armenien.

Wohnen in Armut
Die ovalen Blechcontainern dienen als Behausung - auch bei Temperaturen unter minus 50° Celsius

Hinzu kommen die Nachwirkungen des Erdbebens von 1988 der Region. Seitdem leben tausende Menschen in Blechhütten und Ruinen, die sich nicht ausreichend beheizen lassen. "Allein in Gyumri leben 600 alte Menschen einsam und unversorgt, und die sibirische Kälte der langen Winter macht den Alltag für alte Menschen fast unerträglich".

Stark betroffen sind auch die vielen Flüchtlinge, die seit dem Krieg Mitte der 1990er Jahre um eine mehrheitlich von Armeniern bewohnte Region in Aserbaidschan, in dieser Region leben.

Allein in den letzten 15 Jahren verließen deswegen 700.000 Menschen Armenien und wanderten hauptsächlich nach Russland, Europa und Nordamerika aus. Jedes Jahr wandern weitere 100.000 Personen, vorwiegend Männer, allein nach Russland, um dort zu arbeiten. Viele Frauen bleiben allein zurück und müssen Haushalt, Landwirtschaft und Kindererziehung alleine managen. Heute leben noch rund drei Millionen Menschen im Land.

Oktober 2011