Flutkatastrophe in Pakistan
Caritas-Helfer berichten
Mitarbeiter der lokalen Caritas in der nordwestlichen Region Beshem berichten über die Lage in der Katastrophenregion. Die Caritasmitarbeitenden verteilen hier Hilfsgüter wie Matten, Kochgeschirr und Planen für den Aufbau von Notunterkünften.
19. August 2010. “Wir wussten nicht, dass die Fluten kommen würden. Es war Nacht und wir schliefen alle“, sagt die 43-jährige Rukhtaj, eine
Mutter von sechs Kindern. „Aber ein paar Leute kamen und weckten uns. Sie warnten uns, das Wasser würde steigen. Da nahmen
wir so schnell wir konnten unsere Kinder bei der Hand und rannten davon.“
Rukhtaj erzählt weiter, dass sie und alle anderen Dorfbewohner alles zurückließen, was sie hatten. „Also haben wir auch alles
verloren. Trotzdem hatten wir Glück im Unglück. Nur 20 Minuten, nachdem wir geflohen waren, kam das Wasser.“
Fotos: Caritas Irland
Rukhtajs Familie ist nur eine von vielen Millionen, die in Pakistan obdachlos, hungrig und ohne reines Trinkwasser leben müssen,
nachdem die Fluten durch ihr Land tosen. Ledige Frauen und Witwen, Frauen ohne familiären Rückhalt, stellen in dieser Situation
eine besonders gefährdete Gruppe dar.
Frauen wie die Witwe Hajraiba. Sie hat neun Kinder, vier davon sind noch nicht einmal fünf Jahre alt. Als das hereinbrechende
Wasser ihr kleines Haus wegriss, blieb sie ohne Habe zurück. Ein Verwandter bot der zehnköpfigen Familie ein Zimmer an, aber
auch in dieses Haus drang Wasser ein. Nun hat Hajraiba hat Angst, es könnte bald zusammenfallen.
Vor der Flutkatastrophe arbeitete ihr 13-jähriger Sohn auf einer Hühnerfarm. Sein bescheidener Lohn war das einzige Einkommen,
von dem die ganze Familie lebte. „Die Farm lag an einem Fluss und wurde ebenfalls vom Wasser weggerissen”, erzählt Hajraiba.
„Nun haben wir kein Geld und kein Einkommen mehr“.
Helfer-Teams der Caritas kämpfen sich durch die von Fluten zerstörte Straßen und durch vom Erdrutsch gefährdete Gegenden,
um den Bedürftigsten dieser Katastrophe zu helfen. Sie bringen ihnen Plastikplanen für den Bau von Notunterkünften, Matten,
auf denen die Menschen schlafen können, Töpfe, Pfannen und große, mit Deckeln versehene Kübel, in denen Trinkwasser aufbewahrt
werden kann. Außerdem sorgt die Caritas dafür, dass die Menschen in ihren Unterkünften Licht haben. Dies ist ebenfalls überlebenswichtig:
Nachts kriechen viele giftige Schlangen in den betroffenen Regionen herum und die Gefahr von tödlichen Bissen ist hoch.
Die Wasser-Kübel bedeuten eine große Erleichterung für die Familien, die vorher keine Möglichkeit hatten, Trinkwasser zu transportieren
oder aufzubewahren. „Meine Kinder und ich”, erzählt Hajraiba, „liefen die ganze Zeit nur mit kleinen Pfannen oder ganz kleinen
Eimern, die wir uns ausliehen, zum Brunnen. Das war schwer. Ich kann die Dinge, die Caritas uns gegeben hat, sehr gut gebrauchen
und bin sehr dankbar dafür.”
Die Geschichte von Rukhtaj ist ähnlich. „Bevor wir von Caritas etwas bekamen, hatten wir nur zwei kleine Krüge, um damit Wasser
für 40 Personen zu holen. Die Kinder verbrachten den ganzen Tag damit, zwischen dem Brunnen und unserer Unterkunft hin und
her zu laufen. Und trotzdem reichte das Trinkwasser nicht.“
Ebenso können die Menschen die Schlafmatten der Caritas gut gebrauchen. „Gleich nach dem Einsetzen der Fluten waren die meisten
von uns bei Verwandten untergebracht. Aber die hatten nicht genügend Platz für uns und wir mussten beengt im Sitzen schlafen. Niemand
von uns schlief gut. Nachdem wir jetzt die Caritas-Matten bekommen haben, schlafen wir auf ihnen in den zwei Zimmern unseres
Hauses, die noch von der Zerstörung verschont geblieben sind. Natürlich sind die Zimmer für alle zu klein und sie sind total
überfüllt, aber wir sind ja schon glücklich damit, „uns überhaupt irgendwohin legen zu können.“
Rukhtaj kocht mit den Utensilien von Caritas Essen für 40 Menschen. „Wir hatten vorher nur einen kleinen Kochtopf, in dem
wir Brot machten. Alles andere war ja weggeschwemmt worden. Wir konnten immer nur für eine kleine Gruppe von Menschen kochen
oder backen. Jetzt ist es leichter, das für ganze Familien zu tun.“
Aus den Berichten der lokalen Caritas in Beshem
19. August 2010

