Asien  

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Sri Lanka: Wiederaufbau und Strukturhilfe nach dem Tsunami

Der Werkhof der Caritas von Trincomalee

Werkhof in Kinniya
Im Werkhof in Kinniya: schaufeln, mischen, transportieren

Im Büro von Kinniya, einer muslimischen Gemeinde südlich von Trincomalee, herrscht rege Betriebsamkeit: Arbeiter schaufeln, transportieren und mischen tonnenweise Zement, Sand und Metall, um ihr tägliches Pensum von 900 Hohlblocksteinen herzustellen. Sie arbeiten einem Cash-for-Work-Programm der Caritas. Die Bausteine werden für die Wiederaufbauprojekte der Caritas in Sri Lanka benötigt. Doch auch andere Organisationen haben Interesse an dem Baumaterial und kaufen den Überschuss auf. Der Bedarf ist groß und so gibt es eine Frühschicht und eine Spätschicht.

Satheek, der Organisator des Wiederaufbaus in Kinniya, ist verantwortlich für den Bauhof. "Wir haben schon direkt nach dem Tsunami unsere Übergangshäuser hier gefertigt. 600 dieser Unterkünfte haben wir errichtet, mit Tanks für Wasser. Heute konzentrieren wir uns auf die endgültigen, dauerhaften Häuser. Für unsere Hohlblocksteine gibt es viele Interessenten, denn sie garantieren gute Isolierungseigenschaften. Die Häuser, die damit gebaut werden, sind innen kühl. Leute von anderen Hilfsorganisationen kommen hierher, um sich zu informieren."

Der Bauhof sorgt nicht nur für den Wiederaufbau, denn die 72 Beschäftigten haben alle beim Tsunami ihre Lebensgrundlage verloren. Mit ihrer Arbeit auf dem Werkhof erwirtschaften sie auch ihr Einkommen.

Rasiek (28) arbeitet seit rund einem Jahr im Bauhof von Kinniya. Seine fünfjährige Tochter ist beim Tsunami ums Leben gekommen, sein Haus war vollständig zerstört. Nun lebt er mit seiner Frau und seinem achtjährigen Sohn in einer der Notunterkünfte, die von einer anderen Hilfsorganisation in Faizal Nagar errichtet worden ist. Vor dem Tsunami war er Fischer. "Dies hier ist die einzige Arbeit, mit der ich meine Familie ernähren kann", sagt er. "Es ist besser als fischen".

Vor dem Tsunami hatte die Familie ein eigenes Haus besessen. Nun kann die Familie Rasieks mit Unterstützung der Regierung und mit dem neuen Einkommen des Vaters ein neues Haus bauen. Für die Zukunft hofft Rasiek, noch mehr auf dem Bauhof lernen zu können und irgendwann selbständig zu arbeiten.

 

"Wenn was passiert, haben wir Rücklagen"

Gemüseverkäufer in Galle starten eigene Kleinkredit-Gruppe

Kooperative der Gemüsehändler
Sparen für die neugegründete Kooperative der Gemüsehändler

In einem kleinen Küstendorf südlich von Ahangama haben die Marktverkäufer beim Tsunami ihr gesamtes Hab und Gut verloren. "Alles ist fortgeschwemmt worden, unsere Gemüsewaagen, die Fahrräder und auch unser Geld", sagt Amarasena, der mit den anderen 16 Händlern am Marktplatz von Ahangama vor dem glitzernden Ozean steht. "Wir haben nur unser nacktes Leben retten können."

Wie durch ein Wunder ist keiner der Händler bei der Katastrophe umgekommen, aber neun ihrer Kunden wurden getötet. Alle haben ihr Zuhause verloren und manche, wie Ratnasiri, haben in der Verwandtschaft Tote zu beklagen. "Meine Schwester ist gestorben. Monate nach dem Tsunami hat man ihre Leiche im Fluss gefunden."
Die Schule, die landeinwärts vom Marktplatz liegt, wurde zum Flüchtlingslager umfunktioniert. Dort fanden die Dorfbewohner direkt nach der Katastrophe Unterschlupf.

Nie zuvor hatten die Marktverkäufer daran gedacht, Geld zurückzulegen und so hatte niemand eine Startbasis, um den Neustart finanzieren zu können. "Ich hatte wirklich gar nichts mehr: keine Rücklagen, kein Fahrrad, keine Waage", sagt Amarasena.

Mindestens zwei Monate hat es gedauert, bis überhaupt jemand zum Marktplatz zurückgekehrt war. Die Gemüseverkäufer hatten keine Waren und keine Fahrräder für den Transport - und selbst wenn sie welche gehabt hätten, so fürchteten sich die Händler doch noch zu sehr vor dem Meer. Nur zögerlich begannen sie wieder den Handel, kauften Gemüse auf Kredit, liehen sich untereinander Waagen aus und verkauften ihre Waren am Straßenrand.

Irgendjemand von ihnen hatte gehört, dass die Caritas Lebensmittel und andere Hilfsgüter verteilt. Und so erfuhr Amarasena, dass der örtliche Caritas-Projektkoordinator Kumar nördlich von Colombo ein erfolgreiches "Cash-for-Work"- Programm auf die Beine gestellt hat: Die Caritas unterstützt dort Frauen, die sich zu einer Kleinhändlerinnen-Initiative zusammengeschlossen hatten. Die Marktverkäufer von Ahangama sahen nun wieder eine Chance, mit Hilfe der Caritas den Neuanfang zu wagen.

"Ich war beeindruckt von Kumars Geschichte und hatte sofort die Idee, dass auch wir ein solches Komitee gründen könnten", sagt Amarasena. Nach fünf Treffen mit Vertretern der Caritas haben sich die Gemüsehändler nun als "Zentrale Vereinigung der Kleinhändler von Ahangama" registrieren lassen. Amarasena ist der Vorsitzende des Komitees, Rastasiri ist die Sekretärin und Herr Chandrasiri ist Geschäftsführer.

"Jeden Monat sammeln wir von den Mitgliedern 70 Cent für ein Sparkonto ein. Wir denken, das ist eine gute Idee. Denn wenn in Zukunft noch einmal irgendwas passiert, haben wir eine kleine Rücklage", sagt der neu ernannte Geschäftsführer.

Noch immer leiden die Händler unter den Folgen des Tsunami. "Unsere Einnahmen sind um 50 Prozent zurückgegangen", sagt eins der Mitglieder.

Die Verkäufer schaffen es nicht mehr, aufs Land zu fahren, um ihre Produkte zu kaufen, und so brauchen sie Zwischenhändler, durch die die Kosten steigen. "Unser Erlös ist nun sehr viel geringer", sagt Amarasena, der Transport ist eines der Probleme, die wir am dringendsten mit Hilfe der Caritas lösen müssen. Doch die Händler sind optimistisch: "Wir glauben, dass die Geschäfte sich irgendwann wieder normalisieren."

Mai 2006


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