Europa  

Spende

Streetwork unter -40°C

Soziale Projekte in Sibirien: Hilfe für Obdachlose

Die mobilen Sozialstationen der Caritas in Westsibirien sind fast immer die einzige Hilfe und Anlaufstelle für Obdachlose. Mit ihrer fahrenden Ambulanz versorgen sie die Wohnungslosen auch im Winter, wenn die Temperaturen unter 40 Grad sinken.

Streetwork Sibirien
Schwester Ursula Schneider im Ambulanzbus in Omsk mit einer obdachlosen Frau

Täglich außer sonntags, fahren die Mitarbeiter der Caritas und freiwilligen Helfer in Omsk mit einem alten russischen Kleinbus in die Nähe des Bahnhofs zu einem Treffpunkt von Obdachlosen. Je nach Jahreszeit und Präsenz von Polizeistreifen in der Umgebung umrunden zwischen 20 und 80 Personen den Bus, der ihnen Butterbrote, Suppe, heißen Tee und Kleidung bringt. Der Caritastransporter dient gleichzeitig als fahrende Ambulanz: Denn die Mitarbeiter/innen der Caritas versorgen hier auch die häufig stark infizierten Wunden. Sie behandeln auch leichtere Krankheiten und haben eine kleine Apotheke dabei. 25 Prozent der Obdachlosen, die in der Ambulanz betreut werden, müssten nach deutschen Maßstäben stationär im Krankenhaus behandelt werden.

Bei schwereren Erkrankungen oder Verletzungen versuchen die Mitarbeiter/innen eine Einweisung in ein Krankenhaus zu vermitteln. Vor einer Krankenhauseinweisung können die Obdachlosen mit Caritasmitarbeiter/innen ein städtisches Zentrum aufsuchen, wo sie sich duschen können und ihre Kleidung desinfiziert wird. Damit sollen die Chancen für eine Krankenhausaufnahme verbessert werden. Häufig nämlich wird den Wohnungslosen medizinische Hilfe in Arztpraxen oder Krankenhäusern verweigert. Sie sind eine gesellschaftliche Randgruppe, die keine gesetzlich gesicherten Ansprüche auf soziale Hilfen oder Rechtsschutz hat.

Die Arbeit der Caritas wird unter erschwerten Bedingungen durchgeführt, denn die mobile Ambulanz in Omsk ist bei jedem Wetter und in jeder Jahreszeit unterwegs - auch im Winter wenn die Temperaturen bis auf minus 40°C sinken.

In der Sozialstation der Caritas in Barnaul hat der Sanitär- und Hygienebereich besondere Bedeutung für die Obdachlosenarbeit. Die Möglichkeit zu regelmäßiger Körperpflege und Wäschewechsel soll einerseits die Obdachlosen dazu anhalten, sich selbst und ihrem eigenen Körper wieder mit Achtung zu begegnen. Andererseits ist gerade das meist verwahrloste Erscheinungsbild einer der Hauptgründe für die massive Ausgrenzung der Obdachlosen und ihre menschenunwürdige Behandlung durch die Gesellschaft. Die Körperpflege spielt eine entscheidende Rolle im Prozess der sozialen Integration von Obdachlosen.

Die Ausgabe einer warmen Mahlzeit pro Tag und die Gelegenheit, sich eine zeitlang im Speiseraum der Caritas aufzuhalten, dient nicht nur der physischen Stärkung und Überlebenssicherung, sondern auch der Verbesserung sozialer Kontakte und Verhaltensweisen und damit der sozialen Reintegration Obdachloser Menschen.

Angeschlossen ist eine Sozialberatungsstelle, wo Obdachlose bei der Beantragung neuer Personaldokumente, der Heimaufnahme oder der Arbeits- und Wohnungssuche Unterstützung finden.

Ein Krankenzimmer im Caritas-Zentrum Barnaul bietet die Möglichkeit, sterbende Obdachlose aufzunehmen, sie in den letzten Stunden oder Tagen zu pflegen und ihnen ein menschenwürdiges Sterben mit menschlicher Zuwendung zu ermöglichen.

Die Caritas Westsibirien unterstützt Obdachlose in den Städten Novosibirsk, Omsk und Barnaul.

Die Caritas Westsibirien wurde 1991 für das Gebiet vom Ural bis zum Kemerower Oblast und dem Altai gegründet. Das ist eine Fläche von 4,2 Millionen Quadratkilometern und entspricht etwa der Größe des heutigen Europa. Von Anfang an setzte sich die Caritas in Sibirien besonders für Menschen aus sozialen Randgruppen wie Menschen ohne festen Wohnsitz ein. Die Caritas in Novosibirsk, Barnaul und Omsk richtet ihre Aufmerksamkeit in erster Linie auf die vielfältige physische, psychische und seelische Not der Menschen, die vom staatlichen Netz sozialer Dienste nicht oder fast nicht erreicht werden.


August 2008