Afrika  

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Ruanda: Ein Zuhause für Straßenkinder

Die Situation

Ruanda gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Bürgerkriege, der Genozid von 1994, massenhafte Vertreibung und die nachfolgende Rückkehr von zirka 3,8 Millionen Flüchtlingen haben in der Gesellschaft große Brüche hinterlassen. Unzählige Kinder verloren ihr Zuhause. Viele von ihnen leben heute auf der Straße.

Karte Ruanda

Innerhalb von nur drei Monaten hatte sich in Ruanda die unvorstellbar brutale Gewalt Bahn gebrochen. Fast eine Million Menschen – von insgesamt knapp acht Millionen Einwohnern –  kamen bei dem Genozid 1994 ums Leben. Der Massenmord war von langer Hand geplant, den Massakern ging eine jahrzehntelange Hetzkampagne zum Machterhalt der Hutu gegen die Minderheit der Tutsi voraus. Auch oppositionelle Hutu oder Familien, die sich aus beiden Ethnien zusammengesetzt haben, sind vom Genozid betroffen. Es folgte eine Zeit, in der die Menschen mit der Aufarbeitung ihrer Traumata beschäftigt waren.  Versöhnungsarbeit und Vertrauensaufbau gelten nach wie vor als unverzichtbare Grundlage für ein menschenwürdiges Leben der Überlebenden.

Gräber
Gräber der Opfer des Genozids
Foto: KNA, Ruppert

Die amtierende Regierung unter dem 2010 wiedergewählten Präsidenten Paul Kagame ist bemüht, ethnisch geleitetes Denken durch eine „Politik der nationalen Einheit“ zu überwinden. Das Land hat sich wirtschaftlich geöffnet und sucht Anschluss an internationalen Handel. Viel Geld floss in den Aufbau der sozialen Infrastruktur: Energieversorgung, Schulen, Bildung, Gesundheitsversorgung und kommunale Entwicklung.

Die Lebenssituation in Ruanda hat sich in den letzten Jahren zwar verbessert. So sind die Kinder- und Müttersterblichkeit laut offiziellen Angaben der Weltgesundheitsorganisation zurückgegangen, immer mehr Kinder gehen in die Grundschule.

Während der wirtschaftliche Wiederaufbau des Landes teilweise Fortschritte gemacht hat, ist das Leben für viele nach wie vor von Entbehrung bestimmt. Denn in dem sehr kleinen Binnenland mit einem äußerst geringen Exportaufkommen leben viele Ruander nach wie vor von der Subsistenzlandwirtschaft. Das Land ist stark von Entwicklungshilfezuwendungen abhängig und sehr stark verschuldet.

So haben besonders sozial benachteiligte Gruppen große Probleme ihr Überleben zu sichern. Rund eine halbe Million Kinder in Ruanda erhält keine Schulbildung. Zudem ist die Gesundheitsversorgung gerade auf dem Lande sehr schlecht. Auf einen Arzt kommen etwa 18.000 Einwohner.

Kinderarmut in Ruanda

Auch die Folgen des Genozids sind bis heute spürbar, selbst für diejenigen Kinder, die den Genozid kaum selber miterlebten. HIV / Aids und die schwierige wirtschaftliche Situation lassen viele Familien auseinanderbrechen. Zahlreiche Kinder haben ihre Eltern verloren und leben auf sich alleine gestellt auf der Straße. Auch Vertreibung, Flucht und häusliche Gewalt haben dazu beigetragen, dass Kinder kein Zuhause mehr haben.

Wenn sich ältere Kinder, meistens Mädchen, um ihre jüngeren Geschwister kümmern, weil es keine Eltern mehr gibt, spricht man von Kinderfamilien. In Ruanda gibt es inzwischen laut UNICEF 40.000 Kinderhaushalte mit rund 100.000 Minderjährigen. Sie sind mehr noch als Erwachsene dem Hunger ausgesetzt. Viele Kinderfamilien werden immer wieder mit Vertreibung konfrontiert oder leben mit der Gefahr von Gewalt und sexueller Ausbeutung. Um zu überleben, verkaufen alleinstehende Mädchen ihren Körper, weil sie das oft als einzige Möglichkeit sehen, sich und ihre Geschwister zu ernähren.  Und da sich viele von ihnen nicht schützen können, ist die Gefahr einer Infektion mit dem HI-Virus oder anderen Geschlechtskrankheiten groß – oder sie werden schwanger und bekommen Kinder – die quasi auf der Straße geboren werden. Jugendliche, die in den Jahren nach dem Völkermord in Flüchtlingscamps im Kongo lebten und hier den grausamen Bürgerkrieg erlebten, bevor sie zurückkamen, haben kaum Zukunftsperspektiven.

Die Caritas Ruanda hatte in der Diözese Ruhengeri ein Hilfsprogramm für diese Kinder ins Leben gerufen. Im Mittelpunkt steht dabei das Betreuungszentrum "Abaterambere". Heute ist das Zentrum eine Anlaufstelle für Kinder aus den ärmsten Bevölkerungsgruppen.

September 2011


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