Asien  

Spende

Eine Welt - eine Familie

Wo die internationale Caritashilfe in Sumatra zusammenläuft

Nach dem Erdbeben auf Sumatra am 1. Oktober 2009 sind viele Helfer aus dem  internationalen Caritasnetzwerk in der Nothilfe engagiert. Sie unterstützen die lokalen Caritasmitarbeiter in ihrer Arbeit. Eine Reportage von Christina Grawe.

Planung an der Schultafel
Planung an der Schultafel: Wer hat Vitamintabletten dabei?

8. Oktober 2009. Ein einfaches Schulgebäude am Stadtrand von Padang. Während die Nachbarhäuser fast alle zusammengebrochen ist, sind hier zwei große Räume stehen geblieben. Sie sind aus Holz gebaut. In diesen Tagen spielen keine Kinder hier, stattdessen herrscht hektisches Treiben: Autos und Mofas fahren den ganzen Tag auf dem kleinen Schulhof.

Die Mitarbeiter des Caritasnetzwerk aus aller Welt treffen sich hier. Laura aus Amerika, Tim aus Australien, Yudhi aus Indonesien und viele viele mehr. Martin aus Tschechien ist gerade erst angekommen. "Wir können Gelder für den Transport eurer Zeltlieferung aufbringen." beginnt er gleich das Gespräch mit dem deutschen Caritas international - Kollegen Fabian. Keine Zeit für Smalltalk. Sofort wird telefoniert, gemailt und gehandelt.

In der Caritaszentrale
In der Caritaszentrale: Gebratene Eier für die Helfer/innen

Ein Generator brummt den ganzen Tag. Drinnen auf kleinen wackeligen Kinderschulbänken wird die Hilfe geplant. Es ist die improvisierte Zentrale für die deutsche Caritas international und die verschiedenen Partner aus aller Welt. Ein Mann aus der Gemeinde hat es geschafft, innerhalb von zwei Tagen hier gut funktionierendes Internet einzurichten.

Es riecht nach Nelkenzigaretten und gebratenen Eiern. In einer Ecke haben Frauen der katholischen Gemeinde eine Küche aufgebaut und versorgen uns mit Reis, Eiern und Gemüse. Auf der Schultafel stehen die Ergebnisse des Koordinationsmeetings vom Vorabend, in die Ecke hat jemand "Wer hat Vitamin C dabei?" geschrieben. Eloi aus Frankreich hat Tabletten dabei. Neben dem voll geparkten Schulhof stehen ein paar Zelte, für eine notdürftig eingerichtete Toilette und Dusche wurde ein Plane gespannt. In einem Gebäude wird geschlafen, auf dem Boden. Es gibt kaum intakte Hotels in der Stadt. Es hat niemand Zeit, nach Zimmern zu schauen.

Mittendrin ein älterer ernst blickender Herr, auch er hat seinen Laptop auf einen klapprigen Kindertisch gestellt, spricht abwechselnd indonesisch, englisch, deutsch oder französisch. Sein Telefon klingelt: Er spricht auf fließendem italienisch. "Der Vatikan" erklärt er mir lächelnd.

In der improvisierten Caritaszentrale
In der improvisierten Caritaszentrale

Es ist der Bischof von Padang. Bischof Martinus Dogma Situmorang. Nur der Ring an seinem Finger deutet auf seine hohe kirchliche Position in. "Habt ihr Deutschen eine Platz zum Schlafen gefunden?" fragt er mich. Sein Haus sei auch beschädigt worden durch das Erdbeben, erzählt er, aber auch dort könnten wir jederzeit immerhin ein Dach über dem Kopf und sauberes Wasser finden, bietet er an.

Seit 26 Jahren lebt der 62jährige in Padang, viele kleinere Erdbeben hat er schon erlebt hier. Und auch größere. "Wir sind doch immer noch mit dem Wiederaufbau auf den Mentawai-Inseln beschäftigt." seufzt er. Dort zerstörten 2007 zwei schwere Erdbeben große Teile der Inseln. Aber dann lächelt er gefasst: "Meine Gemeindemitglieder fragen mich jetzt oft "warum?" und "warum lässt Gott so etwas zu?" und ich bin sicher, auch unsere muslimischen Nachbarn stellen sich ähnliche Fragen." Er aber versuche das große Bild zu sehen, erklärt Bischof Martinus weiter: "Nicht einfach. Aber nun ist die Situation eben, wie sie ist.

Die Natur ist unsere Mutter, unser Haus. Darauf haben wir keinen Einfluss. Und jetzt müssen wir alle vielmehr fragen: was können wir jetzt tun? Das ist die wichtigste Frage, die wir versuchen müssen zu beantworten." Dass die ganze Welt Anteilnahme zeigt und irgendwie auch Vertreter aus aller Welt in diesem kleinen Schulgebäude am Stadtrand von Padang Hilfe planen und leisten, das -so spricht er weiter -zeige ihm in eindrucksvoller Weise, dass wir auf der Welt alle "una famiglia" seien. "Und das" sagt Bischof Martinus "ist doch ein guter tröstlicher Gedanke, selbst oder gerade in dieser Situation."