Burundi: Neue Hoffnung für Aidskranke im Centre Nouvelle Espérance
Das Projekt
Das Centre Nouvelle Espérance ist ein beispielhaftes Projekt für HIV-Infizierte und Aidskranke. Neben der medizinischen Betreuung mit moderner Therapie finden die Patientinnen und Patienten Unterstützung auf dem Weg, ihr Leben wieder selbst zu meistern.
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| Der Innenhof im Nouvelle Espérance: Treffpunkt, Anlaufstelle und Arbeitsplatz für Aidskranke in Bujumbura |
"Täglich kommen so viele Leute hierher, dass man fast keine Luft mehr zum Atmen hat", erzählt ein Mitarbeiter des Zentrums
Centre Nouvelle Espérance für HIV-Infizierte und Aidskranke in Bujumbura, der Hauptstadt von Burundi.
Über 27.000 Menschen pro Jahr finden Hilfe in dem Gebäudekomplex aus rotem Ziegelstein mit einem großen Innenhof. Momentan
unterziehen sich 1.500 von ihnen der Therapie mit "antiretroviralen" Medikamenten (ARV). Damit verwandeln sie die tödliche
Immunschwäche Aids in eine chronische Krankheit, die regelmäßig behandelt werden muss, aber nicht zwangsläufig zum Tod führt.
Zwar bedarf es vor allem zu Beginn der Therapie einer intensiven ärztlichen Betreuung, doch bald schon sind die meisten Patienten
in der Lage, für sich selbst zu sorgen. "In meinen ersten Jahren hier im Zentrum sind alle gestorben. Bis zu dem Moment, in
dem wir mit der ARV-Therapie beginnen konnten", erinnert sich der ehemalige Leiter Père Armand.
Weit unter der Armutsgrenze
Die Patienten im Nouvelle Espérance gehören zu den Ärmsten der Armen in Burundi. Sie leben in den Flüchtlingssiedlungen am Stadtrand von Bujumbura. Viele sind aus dem Umland gekommen und haben sich hier aus Wellblech, Holz und Pappe Hütten zusammengezimmert, denn draußen auf dem Land haben sie keine Chance, ärztlich versorgt zu werden.
In dem Zentrum steht ein umfangreiches Angebot zur Verfügung: Die ärztliche Sprechstunde mit einem eigenen Labor, HIV-Tests,
Aufklärungsveranstaltungen zur Prävention und zur Krankenpflege, eine Apotheke, verschiedene Werkstätten, in denen auch Kurse
stattfinden, eine große Küche für alle Patientinnen und Patienten, die hier im Zentrum selbst mitarbeiten, ein kleiner Laden,
in dem zu niedrigsten Preisen Notwendiges gekauft werden kann.
Für Notfälle gibt es ein Krankenzimmer mit sechs Betten. Alle anderen Patienten leben außerhalb des Zentrums.
Zudem sind acht Teams, jeweils bestehend aus Ärzten, Pflegern und Sozialarbeitern, ständig in den Armensiedlungen Bujumburas
unterwegs zu den Patienten. Nur ein Viertel der Patienten im Nouvelle Espérance sind Männer. Der hohe Frauenanteil hat verschiedene Gründe: Viele Männer sind im Krieg gestorben, viele trauen sich nicht,
zum HIV-Test zu gehen und erliegen der Krankheit, ohne dass diese überhaupt diagnostiziert worden ist.
Foto: Hannes Stegemann/ Caritas international
Es geht laut, konzentriert und fröhlich zu im Nouvelle Espérance. Überall ist geschäftiges Treiben, alle haben hier eine Aufgabe. Das Zentrum hat sich zum Ziel gesetzt, nicht nur punktuell
medizinische Hilfe zu leisten, sondern die HIV/Aids-Betroffenen in allen notwendigen Belangen zu unterstützen und zu fördern.
Dazu gehört die Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen, ein Handwerk zu erlernen und etwas für den Lebensunterhalt dazuzuverdienen.
In einer der Werkstätten werden Grußkarten aus den Fasern von Bananenstauden hergestellt, die zur Finanzierung des Projekts
verkauft werden. In einer anderen Werkstatt rattern Nähmaschinen, in der Küche finden Kochkurse zur Spezialernährung für ARV-Patienten
statt. In einem Raum berät ein Psychologe einen Patienten. Andere warten vor dem ärztlichen Behandlungszimmer. Siebzig Mitarbeitende
sind im Zentrum beschäftigt: Ärzte, Psychologen, Pharmazeuten, Laboranten, Sozialarbeiter.
Sogar ein Veterinär arbeitet hier: Er berät diejenigen, die sich mit Nutztieren eine Subsistenzwirtschaft aufbauen und untersucht
die Tiere. "Nouvelle Espérance" hat im Rahmen des Gesamtprojekts Ziegen, Schweine und Hühner angeschafft. Die Tiere werden
"verliehen". Wer sich zum Beispiel mit einer Ziege, die er im Zentrum erhalten hat, eine kleine Einkommensquelle geschaffen
hat, gibt beim ersten Wurf eines der Jungtiere für den Nächsten im Projekt wieder zurück. Ist der eigene "Betrieb" erfolgreich,
kann er sich mit einer weiteren kleinen Ziege zusätzlich zum Beispiel ein Schwein eintauschen.
Das System läuft gut, und mit der wechselseitigen Vertrauensbasis, die damit geschaffen wird, entsteht ein kollektives Verantwortungsbewusstsein
für das Projekt. "Wir wollen die Leute wenigstens arm machen...denn jetzt sind sie noch weit, weit unterhalb der Armutsgrenze",
erklärt ein Mitarbeiter des Nouvelle Espérance.
Keiner hat genug zu essen
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| Die Lebensmittel sind in diesem Jahr so knapp, dass sich die Todesfälle unter den Patienten vervierfacht haben |
Weit unterhalb der Armutsgrenze bedeutet auch: Keiner der Patientinnen und Patienten hat genug zu essen. Einmal im Monat findet eine Lebensmittelverteilung statt, von der alle abhängig sind. Jede Familie sollte hier die Basis für eine ausreichende Ernährung erhalten.
Das Zentrum selbst steckt durch den starken Preisanstieg bei Lebensmitteln in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten, die
die außerordentlich erfolgreiche Arbeit des Projekts gefährden.
Geld oder Leben - erschreckend deutlich war der direkte Zusammenhang in der Statistik der Todesrate von 2007 im Centre Nouvelle Espérance zu sehen, nachdem die Lebensmittelversorgung unerwartet drastisch gekürzt werden musste. Doch gerade die ausreichende Ernährung
ist für die 1.100 Patienten lebensnotwendig, die ihre Krankheit mit "antiretroviralen" Medikamenten therapieren.
Die teure Medizin wird zwar - mehr oder weniger zuverlässig - vom staatlichen Gesundheitsministerium bezahlt, doch eine erfolgreiche
Behandlung kann nur durchgeführt werden, wenn die Patienten auch ausreichend zu essen haben. Unter- oder mangelernährte Menschen
vertragen die starken Medikamente oft nicht und leiden besonders stark unter den Nebenwirkungen.
Die Nichtregierungsorganisation Nouvelle Espérance entwickelte sich aus einer Missionsstation der Afrika-Missionare (Weiße Väter). Seit Januar 2009 unterstützt das Bundesministerium
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Arbeit im Centre Nouvelle Espérance.
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August 2011



