Asien  

Spende

Bangladesch: Wirksame Katastrophenprävention

Vorsorge rettet Menschenleben 

Nach dem verheerenden Wirbelsturm, der 1991 mehr als 130.000 Todesopfer in Bangladesch forderte, hat die nationale Caritas wirksame Katastrophenvorsorge geleistet. Unterstützt wird ihre Arbeit durch Caritas international und viele andere Caritas-Organisationen aus aller Welt.  So konnten sich bei dem Zyklon Sidr im November 2007 viele Menschen in einen der 180 Schutzbauten der Caritas Bangladesch retten.

Ashalata Sarder, Leiterin des Katastrophenschutzkomitees
Ashalata Sarder ist die Leiterin des Katastrophenschutzkomitees in Mongla

Ashalata Sarder, 34 Jahre alt, Grundschullehrerin und Mutter zweier Kinder, ist die Leiterin des Katastrophenvorsorge-Komitees von Mongla, einem Ort im Südwesten Bangladeschs. Vierzehn Mitarbeiter zählt das örtliche Komitee, das im Rahmen des Katastrophenpräventions-Projekts der Caritas Bangladesh ausgebildet worden war. Beim Zyklon Sidr hat das Komitee nun zum ersten Mal seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt.

Ashalata berichtet, dass zwei Tage bevor der Zyklon die Küste Bangladeschs erreicht hat, nur von einem kleineren Wirbelsturm die Rede war. Doch am nächsten Tag erreichte sie die Warnung vor einem Sturm mit Windstärke 10. Das Komitee entschloss sich daraufhin, die Dorfbevölkerung zu alarmieren und alle aufzufordern, die Schutzeinrichtungen aufzusuchen. 1992 wurde der Caritas-Schutzbau für 1.600 Menschen in Mongla fertiggestellt.

Flaggen werden als Warnsystem für die Bevölkerung eingesetzt. Sie zeigen die verschiedenen Stufen der Bedrohung an - drei Flaggen bedeuten, dass die Schutzeinrichtungen aufgesucht werden müssen. Zusätzlich warnten die Katastrophenschützer die Bewohner über Megaphone vor der drohenden Gefahr. Das Frühwarnsystem hat vorallem viele Fischer gerettet, die wegen des Alarms nicht aufs Meer hinaus gefahren sind. Die Komiteemitglieder selbst haben sich untereinander über Funk verständigt.

Schutzbau in Mongla
Alle Dorfbewohner wurden gerettet, doch eigentlich ist der Schutzbau inzwischen viel zu klein

Ashalata sagt: "In unserem Dorf wurde niemand getötet, weil wir die Schutzeinrichtungen haben. Dort blieben wir die ganze Nacht. Der Sturm wütete von halb sieben Uhr abends, die ganze Nacht und den folgenden Tag bis nach Mitternacht. Der Schutzbau war völlig überfüllt. Seit dem Bau der Schutzeinrichtungen vor 15 Jahren ist die Einwohnerzahl bei uns stark gestiegen und nun brauchen wir eigentlich auch viel mehr Platz, um alle in Sicherheit bringen zu können." Bevor die ersten Hilfsleistungen kamen mussten viele auf den öffentlichen Marktplätzen unter menschenunwürdigen Umständen übernachten. Nun sollen noch weitere Schutzbauten gebaut werden und die bestehenden vergrößert und repariert werden.

Die effektive Evakuierung hat schlimmstes verhindert, doch die Sachschäden sind groß. Auch Ashalatas Haus wurde vollkommen zerstört. Das größte Problem für die Dorfbewohner ist, dass die gesamte Trinkwasserversorgung zusammengebrochen ist. Die Überschwemmungen haben die Brunnen mit Salzwasser und Schutt verunreinigt. Bis heute holen die Menschen hier ihr Trinkwasser in Tongefäßen aus den Dorfbrunnen. Jetzt sind die Brunnen verschmutzt und ein Großteil der Tongefäße zerschlagen. Es gibt im Dorf bislang auch noch keine Reinigungstabletten für verschmutztes Wasser und nun leiden viele unter Durchfallerkrankungen. Zudem ist die Ernte durch den Sturm zerstört worden.

Eine schnelle und gründliche Analyse geht den ersten Hilfsleistungen voran. Dazu gehört innerhalb kürzester Zeit die Verantwortlichen zu suchen, die Bedarfsanalysen durchzuführen, besonders Bedürftigen zu ermitteln und Entscheidungen zu treffen. Angefangen von der Lebensmittelverteilung und der Organisierung von Notunterkünften über Wasserversorgung, medizinischer Versorgung bis hin zu selbst geführten und betreuten katastrophenpräventiven Maßnahmen.

Die Caritas Bangladesch versorgte die Dorfbewohner in den ersten Wochen nach der Katastrophe mit Lebensmittelpaketen, die Reis, Hülsenfrüchte, Salz und Öl enthielten. Außerdem verteilten Caritas-Helfer Plastikplanen, Moskitonetze, Eimer und anderen Hausrat. Fachleute der Caritas halfen bei der Bestandsaufnahme der Schäden und erstellten Listen der Bedürftigsten in den einzelnen Dörfern. Beim Wiederaufbau und Neuanfang stehen sie ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Die Nachhaltigkeit ist bei solchen Nothilfeprojekten von besonders großer Bedeutung.  Die Katastrophenvorsorgeprojekte sind darauf ausgerichtet, den Menschen im Falle einer Katastrophe zu schützen und schnell wieder zum normalen Leben zurückzufinden. Dazu zählen der Wiederaufbau und Reparatur von Häusern und Latrinen sowie Cash-for-Work-Projekte, in denen unter anderem Brunnen und Äcker gereinigt und Felder neu angelegt werden. Darüber hinaus reparieren die Cash-for-Work-Gruppen Schulen und Schutzbauten.

August 2008

 


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