Caritas international - Broschüre zur Klimagerechtigkeit
„Climate Justice“ (Klimagerechtigkeit) lauten Motto und Forderung, mit denen das weltweite Caritas-Netzwerk an die UN-Klimakonferenzen und an die politischen Entscheidungsträger herantritt. Es ist ein Slogan, der auf den ersten Blick irritiert. Denn das Klima kann nicht gerecht sein. Sonne, Regen, Wind und Eis gehorchen physikalischen Gesetzen, nicht aber ethischen. Mit dem durch den Menschen verursachten Klimawandel bekommt das Thema auch eine ethische Dimension.
Denn unbestritten ist, dass die für den Prozess verantwortlichen „Treibhausgase“ vor allem in den Industriestaaten entstehen.
Genauso unbestritten ist, dass die Folgen der klimatischen Veränderungen zuerst die Menschen und Regionen treffen, die weder
durch Automobilverkehr noch durch Industrieanlagen in erwähnenswertem Umfang das Weltklima erwärmen.
Mehr als jemals zuvor verursacht menschliches Handeln – direkt oder indirekt – Katastrophen. Wenn wir in den Industriestaaten
fast ungebremst immer mehr Energie verbrauchen und Treibhausgase produzieren, welche die Temperaturen steigen lassen, dann
tragen wir auch die Verantwortung für die Folgen dafür. Anders als bei einem klassischen Unfall lassen sich jedoch beim Klima
die maßgeblichen Faktoren nicht genau definieren. Niemand weiß, wie groß die Verantwortung der Deutschen, Amerikaner oder
Chinesen dafür ist, dass in Ostafrika die Regenzeit ausbleibt, dass in den Anden die Gletscher schwinden oder dass die Philippinen
immer häufiger von Taifunen heimgesucht werden. Das Verursacherprinzip stößt an seine Grenzen.
Insofern geht es darum, eine gerechte Struktur zu schaffen, mit der die Folgen des Klimawandels abgemildert werden können.
Dazu gehört eine konkrete Regelung, nach der besonders betroffene Menschen und Regionen entschädigt werden – und zwar durch
diejenigen, die hauptsächlich für den Klimawandel verantwortlich sind. Es geht um ein Klima der Verständigung, das vor allem
die Industriestaaten und ihre Bevölkerung schaffen müssen, indem sie ihre eigene Verantwortung anerkennen und die Bereitschaft
zu einem grundlegenden Wandel deutlich machen. Denn letztlich erfordert die Klimapolitik eine drastische Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes,
die nur mit einer neuen Verkehrs-, Energie- und Industriepolitik möglich ist.
Der Deutsche Caritasverband unterstützt mit seinem Hilfswerk Caritas international weltweit Projekte zur Katastrophenprävention.
In Bolivien, wo in den Hochlagen die Gletscher schmelzen und im Tiefland Überschwemmungen die Folge sind, wird ein Frühwarnsystem
installiert. Gleichzeitig entwickeln die Dorfbewohnerinnen und -bewohner gemeinsam mit Fachleuten neue, angepasste Methoden
der Landwirtschaft, der Wasserwirtschaft und des Katastrophenschutzes (siehe S. 18). Auch in Bangladesch unterstützt Caritas
international Projekte zur Katastrophenprävention, um die Menschen vor den häufiger werdenden Stürmen und Fluten zu warnen
und ihnen Schutzräume zu bieten.
Diese Form der Unterstützung und Prävention kann freilich nur ein Teil der Arbeit sein. Ebenso wichtig ist es, die Ursachen
des Klimawandels zu bekämpfen. Oder zumindest den Klimawandel in Grenzen zu halten, indem Energie- und CO2-Verbrauch reduziert
werden. Der Deutsche Caritasverband ist auf diesem Feld auch im Inland aktiv. Zum Beispiel mit dem „Stromspar-Check“, einem
Projekt, bei dem die Caritas mit dem Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands (eaD) kooperiert. In
70 Standorten führen 750 ausgebildete Stromsparhelfer zunächst einen Stromspar-Check in einkommensschwachen Haushalten durch;
sie messen die Verbrauchswerte von Waschmaschinen, Elektroher-den, Kühlschränken, Lampen, Computern, Warmwasserbereitern oder
Fernsehgeräten und geben qualifizierte Tipps, wie sich der Verbrauch mit einfachen Mitteln senken lässt. Und die Stromsparhelfer
bauen kostenlos Energiesparlampen, Wasserperlatoren, TV-Abschalter oder schaltbare Steckerleisten ein. Am Ende sparen die
Haushalte dadurch rund 20 Prozent der Stromkosten ein und verbrauchen dementsprechend weniger Kohlendioxid (siehe S. 20).
Der Klimawandel ist ein globales Problem, weil die Abgase in den Zentren von Industrie und Handel zu Dürren, Fluten und Stürmen
in Regionen führen können, die tausende Kilometer entfernt sind. Um seine Auswirkungen abzumildern, bedarf es einer guten,
weltweit organisierten Zusammenarbeit und eines funktionierenden Verbundes, wie ihn die Caritas aufgebaut hat. Caritas Internationalis
mit Sitz in Rom — nicht zu verwechseln mit Caritas international, dem Hilfswerk der Deutschen Caritas — ist die Dachvereinigung
von mehr als 160 nationalen Caritas-Organisationen weltweit. Diese Broschüre basiert in weiten Teilen auf der von Caritas
Internationalis herausgegebenen Publikation „Climate Justice“ und ist auch Ergebnis einer globalen Zusammenarbeit. Unser weltweites
Netzwerk setzt sich gemeinsam ein für Fortschritte im Klimaschutz und für mehr globale Gerechtigkeit – also für „Climate Justice“.
| Broschüre Klimagerechtigkeit von Caritas international, Dezember 2009 (Pdf-File, 1,5 MB) |
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Climate Justice - Seeking a global ethic
Englischsprachige Broschüre von Caritas Internationalis zur Ethik der Klimagerechtigkeit


