Asien  

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Birma: Hilfen nach den Verwüstungen des Zyklon Nargis im Irrawaddy-Delta

Weblog aus Birma / Myanmar

Berichte aus dem Katastrophengebiet

Ein ärztlicher Berater für die Caritaspartner in Birma berichtet über die Situation im Katastrophengebiet

Schwester vor zerstörtem Haus
Das noch verwertbare Baumaterial ist bereits geordnet

2.6.2008
Niemand legt hier die Hände in den Schoß oder wartet gar auf (ausländische) Hilfe. Wie nach jeder Katastrophe sind es zunächst die Familien und Nachbarn, die sich gegenseitig unterstützen. Auch im Idealfall ist die ausländische Hilfe selten früher als nach sieben bis zehn Tagen vor Ort. So inspizieren wir auch die bereits geleistete Aufräumarbeit und können nur den Hut ziehen vor so viel Energie und Willensstärke. Zunächst werden die großen Bäume geräumt, um Wege frei zu legen und Zufahrten zu ermöglichen. Reihenweise fallen die jahrhunderte alten Tropenriesen wie Dominosteine. Ein sprunghafter Handel von Baumaterialien setzt ein. Wellblech ist dabei als Baumaterial gefragt. Zyklon Nargis fegt es massenhaft von den Dächern und mit seiner Windkraft verwandeln sich die Platten in messerscharfe Frisbee Scheiben, die während des Sturmes durch die Stadt schwirren. Dächer großer Lagerhallen liegen zusammengeknüllt auf dem Boden, gleich eines verunglückten Versuchs eines Liebesbriefes, ungeduldig neben den Papierkorb geworfen. Die Kraft des Zyklon lässt sich nur erahnen. Unvorstellbare Regenmassen begleiten ihn. Die Seen der Stadt sind durch die enormen Wolkenbrüche während des Zyklon schon so weit gefüllt, wie sonst erst im August, am Ende der Regenzeit. Aber die Regenzeit beginnt jetzt erst. Mit ihr kommen die Mücken, und mit denen kommen die Krankheiten. Der Ausbruch von Seuchen wird befürchtet.

Kinder in der kirchlichen Einrichtung
Die Kinder in der kirchlichen Einrichtung sind mit dem Leben davongekommen

28.5.2008
Unsere Aufmerksamkeit gilt als zunächst den Betroffenen in Yagon. Wir besuchen einige kirchliche Einrichtungen und verschaffen uns ein Bild der Zerstörungen. Die lokale Kirche unterstützt vor allem viele Kinder aus sozial schwachen Familien und Waisen mit schulischer und beruflicher Ausbildung. Einige der Gebäude für Unterricht oder Unterkunft sind durch den Zyklon stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Wir besuchen eine Gemeinde am Rande der Stadt, wo ein Gebäude komplett eingestürzt ist. Zum Zeitpunkt des Zyklons wohnen dort 30 Mädchen im Alter von sechs bis 18 Jahren. Alle können sich in letzter Minute retten, bevor das Haus in sich zusammenstürzt. Kleidung, Schulhefte und -bücher, Kuscheltiere, die wenigen Besitztümer der Kinder werden unter den Trümmern begraben. Die Kinder haben Glück, mit dem Leben davon gekommen zu sein. Das Gebäude stammt noch aus der Kolonialzeit, erbaut 1870. Ein robuster Unterbau trägt den ersten Stock aus Holz.

Karl Ammann im Katastrophengebiet
Karl Ammann in Rangun

26.5.2008
Nach meiner Ankunft in Yangon vor einigen Tagen treffe ich Karl Ammann, einen alten Nothilfe Haudegen der Caritas, der in den vergangenen Jahren bei allen Krisen und Katastrophen der Welt vor Ort war. Nach einer kurzen Begrüßung geht es gleich los. Als einer der ersten Europäer vor Ort schluckt auch er seine Frustration herunter, bisher nicht in die Katastrophenregion vorgedrungen zu sein. Allerdings ist der Zyklon mit enormer Stärke auch über Yangon (Rangun) gezogen. Mit seinen ca. sechs Millionen Einwohnern noch bis vor kurzem Hauptstadt des Landes, sind auch hier die Schäden enorm. Viele Häuser, Unterkünfte, Felder und Bäume sind zerstört worden. Also gibt es auch hier viel zu tun, obgleich die Menschen im Irrawaddy Delta ungleich härter betroffen sind. Dort fegt nicht nur der Zyklon übers Land, sondern er bringt - je nach Drehrichtung des Windes - eine Überschwemmung, die fast die gesamte Küstenregion und bis tief ins Inland hinein auf Wochen hin metertief unter Wasser setzt. Dabei werden Brunnen und Felder versalzen, das Trinkwasser ist ungenießbar und die Ernte ist ruiniert.