Schwere Erdbeben auf Sumatra / Indonesien
Tag vier der Hilfe in Padang-Pariaman
Die Bergungsarbeiten der Verschütteten im Erdbebengebiet von Padang ist weitgehend abgeschlossen, jetzt geht es um die Rettung der Überlebenden. Ärzte, Krankenschwestern und Psychologen kümmern sich um körperlich Verletzte und seelisch Traumatisierte. Caritas international, das Hilfswerk der deutschen Caritas, verteilt zudem Decken und Zelte. Eine Reportage von Christina Grawe.
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| Agusmira und ihre achtjährige Tochter |
5. Oktober 2009. Der Regen hat wieder begonnen. Heftiger Tropenregen. In wenigen Minuten steht der ganze Dorfplatz von Lurah Ampalu knöcheltief
unter Wasser. Agusmiar schaut nur kurz zum Himmel, ansonsten sitzt sie teilnahmslos auf einer Plastikmatte auf dem mit Wellblech
überdachten Marktplatz. Von den offenen Seiten weht der kühle feuchte Wind herein. Seit vier Tagen sitzt die Frau dort. Sie
hat fast alles verloren, was sie besaß. Ihr Haus ist beim Erdbeben, das am 30. September Padang und Pariaman traf, zusammengebrochen.
"Das Zuhause für mich und meine vier Kinder. Alles, was wir besaßen." sagt sie leise. Das bisschen, was sie aus den Trümmern
retten konnte, hat sie neben sich gestapelt: Ein paar Kleider, ein Topf und drei Löffel. Ihre achtjährige Tochter sitzt an
Ihrer Seite. Sie kratzt sich am Bein. "Durch den Regen kommen so viele Moskitos" erklärt Agusmiar. "Besonders die kleinen
Kinder sind alle zerstochen, aber wir haben kein Moskitonetz mehr." Hilfe war bis zum vierten Tag hier im Dorf noch nicht
angekommen. Der Bürgermeister habe alles Trinkwasser zusammengetragen und verteilt, erzählt sie, aber nun geht der Vorrat
zur Neige. Im diesem Dorf im Wald in der Nähe der Stadt Pariaman sind 71 von 75 Häusern fast vollständig zerstört worden.
Geld zum Wiederaufbau hat Agusmiar nicht. "Mein Mann ist gestorben vor drei Jahren." Seitdem lebte sie mit ihren Kindern von den Feldern der Familie. Mehr recht als schlecht. Die Helfer von Caritas international, dem Hilfswerk der deutschen Caritas, sind gekommen, um sie zu unterstützen. Die mitgebrachte Decke, die sie im Dauerregen wärmen soll, lässt ihre Augen wenigstens für einen Moment aufleuchten.
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| Ein ehemaliges Schlafzimmer im Dorf Lurah Ampalu |
Aufregung auch in der Siedlung Palak Joha - nur wenige hundert Meter vom Dorfplatz entfernt - als das Caritas-Auto um die
Ecke biegt. Hier sind alle 15 Häuser in der Straße komplett zusammengebrochen. Von weitem könnte man die Siedlung mit einem
riesigen Schrottplatz verwechseln. Anis Mawar kehrt ihre Terrasse. Eine sinnlos anmutende Arbeit angesichts des Trümmerhaufens
neben der Terrasse, dort, wo ihr Haus stand. Nur noch die Front steht - schief.
Die 58Jährige stellt den Besen wieder hin und beginnt, Steine zu stapeln. "Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll." sagt
sie. "Ich fühle mich wie unter einer großen Dunstglocke seit dem Erdbeben, wie betäubt." Und immer wieder gibt es Nachbeben.
Erdstöße, die die Menschen wieder aufs Neue in Angst versetzen. Die Nachbarn sind zusammengerückt, leben seit Tagen unter
einer einzigen notdürftig gespannten Plastikplane. "Die Kinder und Frauen schlafen dort" zeigt Anis Mawar. "Die Männer legen
sich einfach irgendwie auf freigeräumte Terrassen der kaputten Häuser." Beim anhaltenden Regen, der für die Saison normal
ist. Regen und Wind, dem sie ohne Häuser jetzt schutzlos ausgeliefert sind.
Caritas international, das Hilfswerk der deutschen Caritas, lässt jetzt Zelte ins Katastrophengebiet einfliegen, die auch
im Dorf Lurah Ampalu zusammen mit Decken verteilt werden. Die Anschaffung der Zelte wurde vom Auswärtigen Amt mit 136.000
Euro finanziert.



