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Ein hohes Maß an Solidarität

Interview über die Verteilung der Zelte für die Opfer des Erdbebens in Sumatra

660 Zelte hat Caritas international im Erdbebengebiet auf Sumatra ausgeliefert. Die Zelte wurden an bedürftige Familien in vom Erdbeben zerstörten Dörfern verteilt. Der deutsche Caritasmitarbeiter Fabian Tritschler kam am Tag nach dem Erdbeben nach Sumatra und hat die Lieferung der Zelte maßgeblich organisiert. Christina Grawe sprach mit ihm über den Ablauf der Nothilfe.

Fabian Tritschler
Fabian Tritschler

Christina Grawe: Gab es Probleme bei der Lieferung der Zelte?

Fabian Tritschler: Ja, wir wurden sehr kurzfristig darüber informiert, dass die Maschine nur eine Landegenehmigung für den Militärflughafen bekommen hatte. 

Wir hatten jedoch zuvor mit den Behörden, den Freiwilligen und den LKWs vereinbart, dass die Hilfsgüter am Zivilflughafen in Empfang genommen, entzollt und verladen werden.

So mussten wir noch in der selben Nacht Kontakt mit der Flugsicherung aufnehmen, dass die Maschine vor dem Landeanflug dann auf den zivilen Flughafen umgeleitet werden würde. Eine Landung auf dem Militärflughafen hätte eine schnelle Hilfeleistung sehr verzögert.

Wie lief die Verteilung der Zelte ab?

Die Verteilung lief problemlos ab. Es herrschte ein hohes Maß an Solidarität und Verständnis unter den Betroffenen, vor allem, als es darum ging, wer innerhalb der Gemeinschaft am dringendsten Hilfe benötigte. Beim Transport der Zelte half man sich untereinander und viele Jugendliche unterstützen diejenigen dabei, die die Zelte nicht alleine aufstellen konnten.

Warum müssen vorher Listen erstellt werden, warum werden die Zelte nicht einfach so verteilt?

Die neunjährige Mitra und ihre Freundinnen warten auf ein Zelt
Die neunjährige Mitra wartet mit ihren Freundinnen warten auf das Zelt für ihre Familie

Wenn man Nothilfe leistet, tritt man immer von außen in ein bis zum Zeitpunkt der Katastrophe intaktes soziales Gefüge ein. Auch wenn durch die Zerstörung nicht mehr so leicht erkennbar, bestehen diese festen sozialen Strukturen fort. So wird häufig ein Haus von bis zu drei Familien bewohnt, andere Familien hingegen haben aus Solidarität und Mitgefühl Bekannten oder Verwandten sicheren Unterschlupf geboten. I

n der humanitären Hilfe ist es daher essentiell, zunächst jene Menschen zu identifizieren, die am schwächsten sind, wie alte und kranke Menschen, Menschen mit Behinderungen, Schwangere oder alleinerziehende Mütter. Und das muss vor der Verteilung von Hilfsgütern und in dem Fall der Zelte genau herausgefunden werden.

Was war das für ein Gefühl, als die letzten Zelte ausgegeben waren?

Es war ein äußerst ergreifendes Gefühl, zu sehen, wie die ersten Familien sofort nach der Verteilung ihr Zelt aufgebaut hatten und abends bereits die erste Mahlzeit darin zu sich nehmen konnten. Alle Mühen und Anstrengungenm die die Tage bis zu diesem Moment mit sich brachten, haben sich gelohnt und ein erster Schritt -eine sichere Unterkunft für die nächste Zeit- ist geschafft.

Darf man als Katastrophenhelfer Mitleid und Gefühle zulassen? Kann man dann noch ordentliche Arbeit leisten?

Wer ohne Mitgefühl diese Arbeit ausführt, muss nach technischen Aspekten nicht unbedingt schlechtere Arbeit leisten. Doch er verpasst dabei nicht nur die Chance, für sich selbst Mitgefühl zu erfahren, sondern er verweigert auch den Menschen, denen er hilft, die Möglichkeit etwas zurück geben zu können. Ein Aspekt, der den Menschen in Notsituationen oft hilft, über die gemachten Erfahrungen hinwegzukommen.

12. Oktober 2009