Irak: Für die Integration von Menschen mit Behinderungen in die irakische Gesellschaft
Das Projekt
Betroffene ganz praktisch im Alltag unterstützen und sich für ihre Belange öffentlich einsetzen, sind zwei Wege der Behindertenarbeit. Die Caritas Irak leistet in ihrer Behinderten-Hilfe beides. Das Ziel: Menschen mit Behinderungen sollen besser in die irakische Gesellschaft integriert werden.
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| Fa Salloum Mehdis Sohn Esmail (links) ist geistig behindert. Im Caritas-Zentrum hat sie gelernt, ihn zu fördern. Ihr zweiter Sohn Amir ist immer mit dabei. |
| Foto: Caritas international |
Caritas Irak unterstützt rund 160 Familien mit körperlich und/oder geistig behinderten Kindern und Jugendlichen bis zu 15
Jahren, die derzeit an einem Programm teilnehmen, das sowohl individuelle Hilfe bietet als auch dazu dient, die Rechte von
Behinderten innerhalb der irakischen Gesellschaft zu stärken. Unter den Programmteilnehmern sind Kinder und Jugendliche mit
Down Syndrom, mit Beeinträchtigungen der sprachlichen Entwicklung, mit Lernbehinderungen und mehrfach behinderte Kinder sowie
ihre Familien.
Die Caritas-Mitarbeiter/innen suchen die Eltern behinderter Kinder zunächst zu Hause auf. In einem ersten Prozess geht es
darum den Eltern zu vermitteln, dass Behinderungen weder Strafe Gottes noch Grund zur Scham sind. Allein schon die Aufklärung
über die Ursachen und Gründe von Behinderungen nimmt ihnen oft schon die Schuldgefühle.
Mit dem nächsten Schritt wird den Familien vermittelt, dass sie nicht allein dastehen. Die Eltern und ihre Kinder können im
Caritas-Zentrum an wöchentlichen pädagogischen Treffen teilnehmen. Dort tauschen sich Eltern untereinander aus. Zugleich lernen
sie, wie sie ihre Kinder im Alltag fördern können. Die Freude über die Fortschritte der Kinder motiviert die Eltern, auch
zu Hause weiter zu üben.
Weil sich die Behinderung der Kinder oft auf das soziale Leben der ganzen Familie auswirkt, beraten Mitarbeiter/innen der
Caritas sowohl die Eltern als auch die Geschwister kontinuierlich. Einmal im Monat veranstaltet das Zentrum in den Räumen
der Lateinischen Kirche ein Fest für Gönner, Mitarbeiter, Freunde, Eltern und Kinder. Das Fest stärkt den Zusammenhalt der
Familien und einen solidarischen Austausch. Zugleich bezieht das Zentrum damit die Gemeinde ein und macht so Behinderung zu
einem gesellschaftlichen Thema, statt es allein auf den Schultern der Betroffenen zu belassen.
Erfahrungen mit Behinderung teilen ist ein Weg der Stärkung
Öffentlichkeit herzustellen ist für eine gesellschaftliche Akzeptanz und Integration von Menschen mit Behinderungen wichtig.
Deshalb organisiert die Caritas Irak Vorträge, Begegnungen zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten, einen Sporttag sowie
jährlich eine Veranstaltungsreihe zur Feier des Internationalen Tags für Menschen mit Behinderungen.
Die Palette der eingesetzten Medien ist breit und richtet sich an alle Altersklassen: Ein Puppenspiel widmet sich Ursachen,
Bedeutung, frühkindlicher Förderung und der Rechte von Menschen mit Behinderung. Hör-CDs und kleine Bücher mit Kindergeschichten
zur Thematik setzen pädagogisch wertvolle Impulse in der Früherziehung. Broschüren klären auf und geben den Eltern Rat und
Tipps für den Alltag.
Vor zwei Jahren hat Caritas Irak eine Spezial-Bibliothek mit Fachliteratur zur Behindertenarbeit eröffnet – zumeist in arabischer
Sprache. Caritas baut den für den Irak einmalige Bestand weiter aus.
Studierende der Sozialpädagogik nehmen an Fortbildungen der Caritas zur Arbeit mit Behinderten teil. Das Projekt kooperiert
eng mit der pädagogischen Fakultät der Universität Al-Mustansiriya von Bagdad, um den wissenschaftlichen Austausch zu intensivieren,
denn es gibt bisher noch keinen Lehrstuhl für Behindertenarbeit.
Um von den Erfahrungen anderer Zentren im arabischen Raum im Bereich der psychosozialen Arbeit zu lernen, vernetzt sich die
Caritas Irak mit dem SETI Programm in Ägypten, das sich an der Weiterbildung und Beratung der Mitarbeiter/innen beteiligt.
Eine fachliche Schulung über Autismus wird es für die Mitarbeitenden in Jordanien geben. Dieser grenzüberschreitende Austausch
hilft dabei, die fachliche Qualität der Arbeit zu optimieren und gleichzeitig wichtige Kontakte zu knüpfen - ganz im Sinne
des Netzwerk-Ansatzes der internationalen Caritas.
November 2011


