Haiti: Unterricht in Trümmern
Schulprojekte in Miragoâne
In der alten Hafenstadt Miragoâne unterstützt Caritas international den Wiederaufbau zweier Schulen, in denen seit dem Erdbeben kein Unterricht mehr stattfinden kann. Als Zwischenlösung dienen Großzelte als Klassenraum.
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| Der Charme der Karibik |
| Foto: Alexander Bühler / Caritas international |
Knapp 100 Kilometer westlich von Port au Prince liegt die alte Hafenstadt Miragoâne, von der aus früher Gold verschifft wurde.
In vielen Jahren der Konflikte und Diktaturen erlebte die Stadt einen stetigen Niedergang. Doch noch immer vibriert hier das
Leben, die Menschen strömen durch die engen Gassen, gerade am Hafen kommen Autos nur langsam durch das Gewirr. Oben am Berg,
über der Stadt, thront die Kathedrale, sie beherrscht die Stadt.
Unten am Hafen kommen immer wieder Schiffe an, die nur noch von Rost zusammengehalten werden, kleine Frachter, die alles transportieren,
was die Behörden in Port au Prince nicht unbedingt sehen sollen. Hier in Miragoâne schaut der Zoll dagegen nicht so genau
hin, hier rollen alte Lieferwagen unverzollt von Bord.
Auch in Miragoâne hat das Erdbeben vom 12. Januar Schäden hinterlassen. Manche Gebäude sind eingestürzt, andere Häuser, die
schon von früheren Erdbeben Risse davon getragen haben, sind ein weiteres Stück baufälliger geworden. Und doch wirkt das Städtchen
immer noch wie ein Stück Karibikidylle mit morbidem Charme.
In dieser Atmosphäre des Niedergangs und des Lebens für den Moment versuchen manche Familien einen Ausweg und eine Perspektive
in eine bessere Zukunft zu finden. Denn Bildung ist eine Chance. Sie versuchen alles, um ihren Kindern durch Schulen mehr
Möglichkeiten zu eröffnen. Dass die Schulen Schulgeld verlangen ist ihnen fast Recht, denn das gilt als Symbol der Exklusivität
- nur was viel kostet, kann auch viel wert sein. Darum ist das Erdbeben für sie eine doppelte Katastrophe. Selbst wenn sie
nicht ihr Leben verloren haben, verzögert sich durch die zusammengestürzten Schulen die Karriere ihrer Kinder, müssen sie
dafür Sorge tragen, dass die nicht allzu sehr auf der Straße verkommen. Daher unterstützt die Caritas den Wiederaufbau der
Schulen.
Die Schule "Ulrick Romulus"
Das schwere, weiße Eisentor öffnet sich langsam. Ein kleiner Innenhof wird sichtbar, in dem alles in Trümmern liegt. Gleich vorne liegt das Verwaltungsgebäude der Schule "Ulrick Romulus". Es ist ineinander zusammengefallen, die Betondecke hat sich schräg in den Bau gebohrt. Größere und kleinere Betonbrocken liegen ineinander verkeilt. Zum Glück waren beim katastrophalen Beben vom 12. Januar weder Direktorin, noch Sekretärin, noch Schüler anwesend, so dass keine Todesopfer zu beklagen waren.
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| Nur die Micky Maus ist unbeschadet im ehemaligen Klassenraum |
| Foto: Alexander Bühler / Caritas international |
Bis zu jenem Tag wurden in der "Ulrich Romulus" 200 Grundschüler und Kindergartenkinder unterrichtet. Heute liegen in ihren
Klassenzimmern Putz und Zementstückchen auf den hölzernen Tischen und Bänken, die Außenwände sind weggebrochen.
Die Kirche, die die Schule unterstützt, hat die Caritas um Hilfe gebeten. Für ein paar tausend Dollar werden hier die Trümmer
beseitigt und Zelte aufgebaut, in denen wieder mit dem Unterricht durch staatliche Lehrer begonnen werden kann.
Die Schule und der Kindergarten haben die Eltern bisher viel Geld gekostet: 4500 bzw. 3500 Gourdes, etwa 80 bzw. 63 Euro pro
Schuljahr. Doch sie sind bereit, das zu zahlen, um ihren Kindern eine gute Bildung zu ermöglichen, denn das wird bisher als
beste Möglichkeit gesehen, den Nachkommen einen guten Start zu ermöglichen. Gerade die konfessionellen, privaten Schulen sind
den Haitianern Garanten dafür - niedrigere Preise könnten da fast das Vertrauen erschüttern.
Die Grundschule Notre Dame de Lourdes
Von außen steht das gelbe, dreistöckige Gebäude da wie ein Felsen der Zuversicht. Bei genauem Hinsehen zeigen sich jedoch auch hier überall feine Risse, die das Erdbeben verursacht hat. Niemand weiß genau, wie einsturzgefährdet das Schwesternheim Notre Dame de Lourdes ist.
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| Schon vor dem großen Beben waren die Gebäude baufällig |
| Foto: Alexander Bühler / Caritas international |
Doch erst im Hinterhof zeigt sich das ganze Dilemma. Denn an das Schwesternheim ist eine Schule angegliedert, an der seit
dem 12. Januar nicht mehr unterrichtet wird. Schon vorher war der Schulbetrieb kaum noch möglich. Die alten Klassenräume waren
in baufälligem Zustand, durch die Decke kam der Regen hinein - und nun sind überall an den Wänden zusätzliche Risse zu finden.
Niemand weiß, wie einsturzgefährdet diese Räume sind. Doch nun wurde zusammen mit der Caritas eine Lösung gefunden, den Schulbetrieb
möglichst schnell wieder zu starten.
Knapp 30 Jahre alte Bauten auf Holzpfeilern im Hinterhof, die schon lange nicht mehr genutzt werden, werden abgerissen. An
ihrer Stelle baut die Schule von der Caritas gestiftete Zelte auf, in denen der Unterricht schon bald wieder stattfinden kann.
106 Schulkinder wurden hier unterrichtet, nun mag niemand mehr das Risiko eingehen, sie in ihre alten Klassenräume zu führen.
Notre Dame de Lourdes ist eine private katholische Grundschule, deren Lehrer der Staat bezahlt. Die 54 Jahre alten Gebäude,
die mit Unterstützung der Caritas abgerissen werden, dienten früher als Schulräume. Sie sind aber im Laufe der Zeit durch
die immer wiederkehrenden Hurrikane und die Witterung baufällig geworden. Dennoch werden sie erst seit 4- 5 Jahren nicht mehr
genutzt. Die Caritas wird an ihrer Stelle Schulzelte aufstellen, in denen der Unterricht stattfinden kann.
März 2010
Von Alexander Bühler




