„Symbiosis I 1.5 Tonnen globale Verwicklung“
Aus Waffen werden Kunstwerke
Eine Kooperation der Künstler Peter Zizka und Matthias Rettner mit Caritas international
Fragt man die Afrika-Experten von Caritas international, dann ist in Afrika kaum etwas so leicht zu kriegen wie eine Waffe.
Zumindest, wenn es sich nicht um schweres Gerät, sondern um eine Kleinwaffe handelt. Sie stammen aus den Restbeständen der
Warschauer Pakt Staaten, aus den Produktionsfabriken in China und Indien, und aus europäischen Fabriken und landen trotz Ausfuhrbeschränkungen
in Spannungsgebieten. Sie wandern so von Bürgerkrieg zu Bürgerkrieg und sorgen dafür, dass vielerorts ein Ende der Gewalt
in weite Ferne rückt.
Für die beiden Künstler Peter Zizka und Matthias Rettner war es dagegen ganz und gar nicht leicht, an Waffen heranzukommen.
Sie wollten weder mit Waffen Geschäfte machen noch damit schießen – sondern im Gegenteil, aus Waffen Kunstwerke machen und
sie damit für immer dem todbringenden Kreislauf entziehen.
300 Waffen haben die Künstler aus Burundi nach Deutschland geholt. Hier wurden die ehemals im Bürgerkrieg eingesetzten Gewehre aufwendig nachbearbeitet. Entstanden sind so Kunstobjekte, die auf den ersten Blick fast nicht als Waffe erkannt werden, weil sie sich mit ihrem strahlenden Weiß ideal an die bei uns vorherrschende weiße Wand einfügen. Erst der zweite Blick konfrontiert den Betrachter mit all den Widersprüchen, die - so die Künstler – der Waffe inhärent sind: Nämlich einerseits der Kehrseite einer wohlstandsbringenden Rüstungsindustrie, andererseits aber auch der verbreiteten Faszination, die diese Todeswerkzeuge ausüben.
Das Kunstprojekt „Symbiosis“ will dazu anregen, sich diesen Widersprüchen zu stellen. Durch die „Symbiosis-Ausstellung “, in der sowohl die Waffen-Exponate als auch begleitendes Hintergrundmaterial gezeigt wird. Aber auch durch Vorträge und
die pädagogische Zusammenarbeit mit Schulklassen der Oberstufe.
Darüber hinaus will „Symbiosis“ den immer wiederkehrenden Kreislauf von Waffenproduktion, Waffenverkauf und Krieg, durchbrechen
- und neu definieren.
Dieser Neuanfang steckt bereits in jedem „Symbiosis-Exponat“. Für jede abgegebene Waffe bekamen deren frühere Besitzer nämlich
ein Fahrrad, was in Burundi die Existenzgrundlage für eine Familie sein kann.
Die „Symbiosis-Exponate“, die in verschiedenen Museen ausgestellt werden, sind käuflich. Der Erlös dieser Exponate fließt
in die Friedensarbeit von Caritas international in Burundi: in das Maison Shalom , das sich um unbegleitete Kinder kümmert, in das Zentrum Nouvelle Espérance , das vor allem Aidsinfizierte beim Aufbau einer Existenzgrundlage unterstützt, und in die Schulkantinen in Muyinga, wo Schüler
gemeinsam mit Lehrern und Eltern Schulgärten bewirtschaften, und so gemeinsam für ein warmes Mittagessen sorgen.
November 2011

