Flutkatastrophe in Pakistan
Betroffene aus Pakistan erzählen
Die gewaltigen Fluten in Pakistan haben Häuser und Brücken zerstört, sie haben Straßen, Schulen, Krankenhäuser, Ambulanzen die Kanalisation und Brunnen überflutet. Ganze Ortschaften sind weggeschwemmt worden. Und das alles nur ein Jahr nachdem hier in der Region eine großangelegte Militäroffensive zwei Millionen Menschen zur Flucht getrieben hat. Betroffene erzählen von der Flutkatastrophe.
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| Khursheed Bibi |
| Foto: Caritas |
25. August 2010. Die 60-jährige Khursheed Bibi steht bei der Verteilung von Hilfsgütern unter den Vielen in der Schlange. Sie hat einen großen
Verband um ihren gebrochenen Arm. Die Verletzung wird lange brauchen, um zu verheilen. Sie weiß, dass die Behandlung unter
den widrigen Umständen hier sehr schwierig sein wird.
Khursheed erzählt von dem folgenschweren Tag, an dem sich ihr Leben von einem Moment zum anderen dramatisch verändert hat:
„Draußen begann es zu schütten. Wir standen alle im Haus und dachten, hier wären wir sicher. Aber so war es nicht.“
Das kleine Lehmhaus mit seinen drei Zimmern in der Ortschaft Rehampur / Okara konnte dem sintflutartigen Regen nicht standhalten
und fiel in sich zusammen. Die Mauern des Raums, in dem Khursheed mit ihrem Mann lebte, stürzten mit einem dumpfen Aufschlag
zusammen und schlossen die beiden ein. „Ich hatte nicht genug Zeit zu flüchten. Die Bausteine sind auf uns niedergeprasselt
und haben meinen Arm gebrochen. Aber der schmerzlichste Verlust war der meiner 14-jährigen Nichte Shama, die an den Folgen
einer Kopfverletzung gestorben ist.“ Tränen schießen ihr in die Augen und kullern über die faltigen Wangen. Khursheed selbst
konnte im örtlichen, kirchlichen Krankenhaus behandelt werden. Heute bekommt die Frau Hilfe an einer Verteilstelle der Caritas
Pakistan. Zuvor wurde Khursheed von einem Caritas-Team besucht und in die Bedürftigenlisten aufgenommen.
Das Hilfspaket enthält Öl, Mehl, Hülsenfrüchte, Zucker, Milchpulver, Tee, Chili, Trinkwasser, Seife, Waschpulver sowie einen
verschließbaren Eimer. Es wird etwa 15 Tage reichen. „Niemand in der Nachbarschaft hat uns geholfen“, sagt Khursheed und fügt
hinzu, dass es die Leute der Caritas gewesen wären, die auch ihre Trauer geteilt hätten.
Von Shahzada Irfan
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| Springflut in Nowshera |
16. August 2010. Ghulam Raj Gill, ein gläubiger Hindu aus Nowshera erzählt einem Mitarbeiter der Caritas Pakistan bei der Verteilung von Hilfsgütern, wie die
Katastrophe in Nowshera begonnen hat.
"Es war im Morgengrauen des 29. Juli, etwa um 5 Uhr, als das Hochwasser die Stadt erreichte. Es war eine Szene wie im Film.
Ein gewaltiger Schwall von Wasser stürzte in sekundenschnelle auf uns zu, ergoss sich durch die Straßen und verschlang alles,
was im Weg stand. Plötzlich hörte man von überall Hilfeschreie. Ich hatte vorher noch mit den anderen Männern im Haus versucht,
alles zusammenzuklauben, was uns wichtig war. Doch als die Springflut dann kam, haben wir alles fallen lassen. Wir haben nur
noch ans Überleben gedacht, unsere Frauen und Kinder festgehalten und sind gerannt."
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| Hussainzada. Dort, wo sein Haus stand |
| Foto: Caritas |
Der 35-jährige Hussainzada kommt aus Peshawar, im Nordwesten Pakistans. Vor der Flutkatastrophe lebte Hussainzada mit seinen fünf Kindern in einem gemieteten
Haus aus Lehm. Die Wassermassen haben sein Haus mit sich gerissen – ebenso wie das Haus seines Bruders und alle andren Häuser
in der Nachbarschaft. Auch in der Zeit vor dem Hochwasser hat Hussainzada nur mit größter Mühe seine Familie mit den kläglichen
drei Dollar, die er als Holzfäller am Tag verdient, ernähren können.
Nun hat Hussainzada Angst, dass er für seine Familie nie wieder ein Dach über dem Kopf finden wird – geschweige denn, dass
er sie wird ernähren können. Dem Ladenbesitzer in seinem Heimatdorf schuldet Hussainzada noch 53 Euro, denn er hatte nie genug
Geld, um mit seinem Lohn über die Runden zu kommen. Er ist sich sicher, dass er nun erst recht keinen weiteren Kredit bekommen
wird. Zwei seiner Kinder sind nach den Überschwemmungen krank geworden und Hussainzada fragt sich, wie er es schaffen soll,
dass der Rest seiner Familie unter diesen Umständen in den kommenden Monaten gesund bleiben kann.
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| Der verletzte Akhtar Wali mit seinen Kindern auf dem Eselskarren |
| Foto: Caritas |
Akhtar Wali hat sich am Bein verletzt, als er sich vor den heranbrausenden Fluten mit seinen drei Kindern unter seinem Eselskarren retten
wollte. Alles hat das Wasser mit sich gerissen und nun übernachtet die Familie des 45-jährigen auf der Straße. Die Verletzung,
die sich Akhtar Wali zugezogen hat ist so schwer, dass er nicht mehr laufen kann.
Caritas Pakistan war die erste Hilfsorganisation, die in Peshawar und Nowshera nach der Überschwemmung vorgedrungen ist. Dort
verteilen sie Lebensmittel wie Öl, Zucker, Mehl und Tee sowie Wasserbehälter und Hygieneartikel. Auch die Familien von Ghulam
Gill, Hussainzada und Akhtar Wali haben nun Erste Hilfe bekommen. Das aber wird nicht lange reichen. Die Bewohner in Peshawar
und den anderen betroffenen Orten, die alles verloren haben, brauchen dringend weitere Unterstützung in den kommenden Wochen
und Monaten, bis sie wieder selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können.





