Flutkatastrophe in Pakistan
Ein neues Haus für Soomri
Die 75-jährige Soomri verlor ihren Mann. Und sie verlor ihr Haus in den Fluten von Pakistan. Trotz allen Leids – die internationale Caritashilfe gibt ihr neue Kraft und Hoffnung auf eine Zukunft.
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| Die 75-jährige Soomri erzählt lieber Geschichten von früher, als sich zu sorgen |
| Foto: Jessica Howell, CRS Caritas |
„Unsere Heirat war eine Liebesheirat“, sagt Soomri, eine schwächliche Frau mit mandelförmigen Augen, die bewegt zu tanzen
scheinen, wenn sie an ihre Jugendzeit denkt. „Er war der einzige Mann in der Stadt, der eine Bildung genossen hatte und wir
waren für beide unserer Elternpaare auch die Favoriten als Kandidaten für eine arrangierte Ehe.“
Die 75 Jahre alte Mutter von fünf Kindern und Großmutter von 23 Enkel(inn)en lebt in einem kleinen Dorf in der nordöstlichen
Ecke des pakistanischen Bundesstaats Sindh. Ihre Verwandten behaupten, sie wäre geistig oft abwesend: Soomri erweckt den Eindruck,
sie würde lieber Geschichten erzählen als sich um irgendetwas in der Welt zu sorgen. Jedem, der ihr nur zuhören will, erzählt
sie etwas: über ihr Dorf, das Wetter, die Kinder. Meistens aber spricht sie von ihrem Mann.
Wehmütig lächelt sie, als sie sich an einen Vorfall erinnert, der Jahre zurückliegt: Als sie einen Markt in der Nähe besuchte,
stieß sie dort auf einen großen Schrank, der zum Verkauf stand und sie faszinierte. Er war aber für sie zu teuer. Noch am
selben Abend erzählte sie davon ihrem Mann und versicherte ihm, dass sie sehr wohl wisse, dass das Stück zu viel kosten würde.
„Zwei Tage später stand der Schrank plötzlich in unserer Wohnung!“, erinnert Soomri sich mit bewegter Stimme, die verrät,
welche Aufregung und Freude dies damals für sie bedeutet haben muss.
Zur Zeit ist ihr Leben allerdings etwas düsterer geworden. Die Fluten, die im letzten August durch ihr Dorf strömten, brachten
nicht nur Wasser mit sich – sie brachten Terror, Verwirrung und Zerstörung. „Wir wussten gar nicht, was überhaupt los war,
als das Wasser kam“, erzählt Soomri. Panisch rannten die Menschen zu höher gelegenen Stellen und konnten von dort sehen, wie
ihr Dorf in den Fluten regelrecht unterging. Häuser wurden weggespült, die Felder überflutet, das Vieh ertrank... und geliebte
Menschen mussten ihr Leben lassen. „Auch meinen Mann“, sagt Soomri, „nahmen die Fluten mit sich.”
Den Kopf voller Sorgen und ohne einen Platz zum Schlafen, mussten Soomri und die anderen Dorfbewohner einen Monat lang im
Freien übernachten. Es war kalt und viele hatten Angst. Besonders die Kinder.
„Doch die neuen Häuser haben uns gerettet“, freut sich Soomri. Caritas international und die Partner-Organisation CRS (Caritas
USA) bauten Übergangshäuser für alle in Soomris Dorf, die ihr altes Haus durch die Flut verloren hatten. Soomri bewohnt ihres
zusammen mit ihrem Sohn Inatullah und dessen achtköpfiger Familie. Sie zeigt sich ganz stolz über ihr neues Heim: „Die Kinder
sind jetzt sicher und wir sind alle sehr glücklich, hier leben zu können.
Und obwohl sie ihren Mann auf so schmerzliche Weise verloren hat – die Erinnerungen an ihn bleiben. Als das Hochwasser Soomris
Haus zerstörte, wurde der wertvollem Schrank im Sand begraben. Doch einige aus ihrer Familie fanden ihn auf wundersame Weise
und brachten Stunden damit zu, ihn wieder auszugraben. Jetzt steht er in ihrem Heim – ihrem neuen Heim. “Dieses Haus ist mein
Palast“, summt sie fröhlich vor sich hin.
Und während es in Soomris Dorf noch sehr viel wiederaufzubauen gibt – und auch sehr viel zu betrauern –, legt die Matriarchin
enorme Ausdauer und Optimismus an den Tag. Trotz aller Ungewissheit, der sie entgegensieht, sagt sie: „Wir haben keine Angst
vor der Zukunft, weil wir jetzt dieses Haus haben.“
Von Jessica Howell, CRS, Februar 2011


