zurück

Afrika

Teilhabe bei Behinderung

Ägypten: Behindertenarbeit fördern

Vertrauen erleichtert das Leben mit Behinderung

Kind beim lernenIn der Tagesstätte in Alexandria: Förderung
von Vorschulkindern. Daniela Bosch

SETI (Support Education Training for Inclusion): weit über die ursprünglichen Projektstandorte in Kairo, Alexandria, Sohag und weiteren Orten in Oberägypten hinaus steht dieser Name im gesamten Nahen Osten für eine kompetentes und innovatives Caritas-Institut, das sich mit allen Fragen rund um das Thema geistiger Behinderung beschäftigt.

Schon seit Ende der 1980er Jahre unterstützen die Mitarbeiter/innen von SETI die Familien behinderter Kinder und Jugendlicher und treten als Mittler und Interessensvertreter öffentlich für ihre Belange ein. Der Leitgedanke dabei lautet, entsprechend dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe ein Förderungssystem zu entwickeln, das sowohl die Eltern, das nähere Umfeld, das Gemeinwesen wie auch Fachleute und Freiwillige einschließt.

In Folge der Instabilität nach dem Regierungsumsturz in Ägypten hat sich die wirtschaftliche Lage zunehmend verschärft, was sich insbesondere auch auf die sozialen Bedingungen auswirkt. In den wachsenden städtischen und ländlichen Armutsgebieten ist dies in besonderem Maß spürbar. Die ohnehin schon vor der Revolution von 2011 außerordentlich schwierige Lage für Menschen mit Behinderung hat sich somit in den vergangenen Jahren eher noch verschlechtert. Umso mehr sind nun zivilgesellschaftliche Kräfte wie das SETI-Institut gefordert, für die Rechte behinderter Menschen einzutreten.

Mut machen zur Selbsthilfe

SETI hat eine umfassende Verbesserung der Lebenssituation der Kinder im Blick. Der Fokus liegt dabei auf den Eltern des behinderten Kindes. Sie haben in der Regel die wichtigste emotionale Bindung und ein starkes Vertrauensverhältnis zu ihrem Kind. Das Fachpersonal und Freiwillige der Organisation SETI stehen ihnen zur Seite.  

Seminar mit blinder FrauEin Seminar für Eltern: die Mitarbeiterin erläutert die
erschwerte Entwicklung sehgeschädigter Kinder
Daniela Bosch

Sie vermitteln den Familien das nötige Grundwissen zur Betreuung, Versorgung und Förderung der Kinder und ermutigt sie sie in einem zweiten Schritt zur Organisation von Selbsthilfegruppen. Die Eltern sind somit in der Lage, die Förderung ihrer Kinder selbst in die Hand zu nehmen und das erworbene Wissen darüber hinaus an Familien weiterzugeben, die nicht an den Programmen teilnehmen können.

SETI hat in der Familienarbeit modellhafte Ansätze weiterentwickelt. So werden zum Beispiel auch die Geschwister behinderter Kinder in die Förderung und die Arbeit mit einbezogen. Die solidarische und liebevolle Beziehung zwischen den Geschwistern ist besonders wichtig. Denn häufig sind im Familienverband Konflikte vorprogrammiert, wenn eines der Kinder - wie in diesem Fall das behinderte Kind - im Mittelpunkt steht und ihm besondere Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird. Um eine größtmögliche Breitenwirkung zu erreichen, bilden die Mitarbeiter/innen von SETI darüber hinaus Sonderpädagogen für die Arbeit mit behinderten Kindern aus und qualifizieren Fachleute wie Ärzte, Physiotherapeuten, Krankenschwestern und Sozialarbeiter als Betreuungspersonal.

Je früher, desto besser

Auch die Frühförderung von geistig behinderten Kleinkindern gehört zum Programm von SETI. Mit Hilfe von Früherkennung sowie medizinischer und psychologischer Betreuung kann die geistige Entwicklungsverzögerung eines Kindes minimiert werden. SETI betreibt einen inklusiven Kindergarten, der als Modell für andere Einrichtungen im Vorschulbereich dient.

SETI verfolgt einen rechtebasierten Arbeitsansatz und unterstützt staatliche Stellen, zivilgesellschaftliche Organisationen, Menschen mit Behinderung und deren Familien dabei, die Rechte von Menschen mit Behinderung zu stärken. Über die Landesgrenzen hinaus ist die Fachorganisation der Behindertenarbeit anerkannt und wird von anderen Hilfsorganisationen sowie von staatlichen Einrichtungen zu Rate gezogen.

Das Modellprojekt zur inklusiven Gemeinwesen-basierten Arbeit von SETI in städtischen und ländlichen Armutsgebieten wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt.

Januar 2016