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Afrika

Rechte für Kinder

Äthiopien: Hilfe für Straßenkinder

Wenn Straßenkinder büffeln

junger Mann in der Schweißwerkstett Im Zentrum für 250 benachteiligte Kinder in Nordäthiopien: Der 15-jährige Haftom Marsha in der Werkstatt des Gebäudes.Bente Stachowske/ Caritas international

In einem Zentrum des Ordens der Vinzentinerinnen unterstützen zwanzig Schwestern und Betreuungspersonen die Kinder und Jugendlichen. Im Moment besuchen 124 Jungen und 79 Mädchen das Zentrum.

"Als ich drei Jahre alt war, musste ich zu meiner Großmutter, da meine Mutter gestorben war. Meinen Vater habe ich nie kennengelernt. Dort leben auch meine Tante und mein Onkel, die selbst zwei Kinder haben", erzählt Zaid. Viele Kinder in Mekelle, die aus ähnlich armen Verhältnissen kommen, halten sich mit Kleingeschäften auf der Straße über Wasser, andere schließen sich kriminellen Banden an oder rutschen gar in die Prostitution ab, um überleben zu können. Doch dies versucht die katholische Organisation ADCS (Adigrat Catholic Secretariat), die seit 2015 von Caritas international unterstützt wird, in Kooperation mit der Stadtverwaltung zu verhindern. Auch Zaid wurde vor zwei Jahren in das Programm für Straßenkinder aufgenommen. Das Gehalt ihres Onkels reichte nicht einmal, um Schulhefte zu kaufen.

Zaid teilt ihr Schicksal mit anderen. Zahlreiche Kinder in der nordäthiopischen Stadt Mekelle, der Haupttadt der Provinz Tigray, leben obdachlos auf der Straße oder als Waisen oder Halbwaisen, die sich teilweise um ihre jüngeren Geschwister kümmern müssen. Die Straßenkinder erhalten im Zentrum der katholischen Organisation ADCS täglich eine Mahlzeit und zweimal im Jahr neue Kleidung. Hier können sie sich und ihre Wäsche waschen und finden bei den Mitarbeitenden ein offenes Ohr für ihre Nöte und Sorgen. Etwa 20 Kinder können vorübergehend auch im Zentrum übernachten.

Bildung hat einen hohen Stellenwert in der Arbeit des Zentrums: Mit Nachhilfe in den wichtigsten Schulfächern und einer Bibliothek zum Lernen können die Kinder wieder den Anschluss an das reguläre Schulsystem schaffen. Zudem erhalten mittellose Kinder das Schulgeld sowie eine Schuluniform. "Wer die Schule trotz unserer Unterstützung nicht schafft", erklärt Zentrumsleiter Welday Gebreselassie, "hat die Möglichkeit, nach der 10. Klasse eine unserer Ausbildungsangebote wahrzunehmen".  Beliebt ist besonders auch das Training praktischer Fertigkeiten wie Schweißen, Schreinern oder Computerkentnisse.

Junge Männer beim ComputerkursKatholische Organisation Adigrat Catholic Secretariat (ADCS) in der nordäthiopischen Stadt Mekelle. Unter anderem erwerben die jungen Menschen Computerkenntnisse.Bente Stachowske/ Caritas international

Talente fördern

In verschiedenen Kursen lernen die Kinder und Jugendlichen den Umgang mit Computern, üben die in Äthiopien gängige Bildungssprache Englisch oder beginnen eine handwerkliche Ausbildung. Eine wichtige Aufgabe der qualifizierten Betreuer ist es, die Jugendlichen an lokale Ausbildungsbetriebe bzw. Werkstätten zu vermitteln. Viele der Kinder und Jugendlichen nehmen Angebote zum Theaterspielen, Musizieren und Dichten wahr oder erfreuen sich an den vielfältigen Sportmöglichkeiten. Damit können sie ihr Selbstbewusstsein stärken und eigene Fähigkeiten und Talente entdecken.

Achtsam mit sich selbst

"Vor allem Mädchen leiden unter einem schwach entwickeltem Selbstbewusstsein", so die für das Programm verantwortliche Vinzentiner-Ordensschwester Medhin Tesfay. Über Ansteckungswege und Gefahren der Infektion mit dem HI-Virus werden die Kinder spielerisch über Theaterstücke und mit Rollenspielen informiert und aufgeklärt. Mitarbeiter schulen Polizisten und örtliche Behörden und klären über die Rechte der Kinder auf.

Mit Hausbesuchen bei den Eltern oder Verwandten unterstützt ein Psychologe und sein Team die Entwicklung der Kinder. Manches Kind kann auf diese Weise wieder in seine Familie zurückkehren. Auch verstehen manche Verwandte besser, warum eine gute Bildung und Ausbildung für die Zukunft ihrer Kinder in Äthiopien die entscheidende Rolle spielen kann.

Portrait von 3 MädchenDieser drei "jungen Frauen" kamen als Straßenkinder in das Zentrum. Inzwischen haben sie klare Zukunftspläne.Wolfgang Fritz / Caritas international

Wertvoll ist auch der Austausch mit anderen Organisationen, die sich für die Rechte der Straßenkinder einsetzten: In lokalen Netzwerken wird die Zusammenarbeit und Kooperation mit anderen Organisationen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe koordiniert. Für diese vielschichtige Arbeit zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Straßenkinder erhält die Diözese Adigrat im Norden Äthiopiens Unterstützung von Caritas international.

April 2017