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Afrika

Rechte für Kinder

Äthiopien: Hilfe für Straßenkinder

In vielen Städten Äthiopiens ist seit einigen Jahren ein sprunghafter Anstieg der Anzahl der Straßenkinder zu verzeichnen. Betroffen davon sind insbesondere die Städte Mekelle in der Diözese Adigrat im Norden des Landes und Asebe Teferi in der Diözese Hararghe. Als Folge des kriegerischen Grenzkonfliktes mit dem Nachbarland Eritrea kam es im Norden des Landes vor einigen Jahren zu einer großen Zahl von intern Vertriebenen.

Straßenjunge mit PutzmittelWartet auf Kundschaft: Autofenster-Putzer auf den Straßen von MekelleCaritas international

Durch die miserable wirtschaftliche Situation dieser Schutz suchenden Familien werden viele Kinder gezwungen, ihren Lebensunterhalt selbständig auf der Straße zu verdienen. Andere Kinder leben als Waisen oder Halbwaisen ohne Eltern und ohne eine Begleitung durch Erwachsene obdachlos auf der Straße. Oft versorgen die älteren ihre Geschwister - täglich sind sie vor die Herausforderung gestellt, ihr Überleben zu sichern. Einige versuchen, sich mit Kleingeschäften über Wasser zu halten, andere schließen sich in kriminellen Banden zusammen oder ergreifen die Gelegenheit, in der Prostitution ein Auskommen zu finden.

Der Begriff Straßenkinder ist nicht klar umrissen. Er wird sowohl für Kinder benutzt, die tagsüber auf der Straße arbeiten, aber noch bei ihren Familien wohnen, als auch für Kinder, die während der Woche auf der Straße arbeiten und nur an den Wochenenden zu ihren Familien zurückkehren. Und es geht um Kinder, die keinen Kontakt zu ihren Familien haben. Sie arbeiten und leben ganz auf sich gestellt auf der Straße.

Besonders verwundbar

Insbesondere die Mädchen leben in ständiger Angst vor Überfällen bis hin zu Vergewaltigungen. Nässe und Kälte, aber auch verdorbenes Essen und fehlende medizinische Versorgung führen zu Krankheiten. Die Gefahr einer HIV-Infektion ist für die obdachlosen Kinder besonders groß. Jedes zehnte Straßenkind in Äthiopien ist zudem von einer geistigen oder körperlichen Behinderung betroffen. Diese Kinder wurden oft von Zuhause fortgejagt, weil Kinder mit Behinderungen in der Gesellschaft häufig als Schande gelten.

Auf der Straße sind Drogen fast immer in erreichbarer Nähe und werden zur Betäubung des Hungergefühls für die Kinder attraktiv. Das Schnüffeln von Leim ist einer der am meisten verbreiteten Praktiken, aber nicht die einzige Droge. Die Polizei ist den Straßenkindern meist keine Hilfe, sondern verjagt die Mädchen und Jungen oft gnadenlos. Einige wandern ins Gefängnis. Ohne jede Betreuung geraten viele Kinder mit den Gesetzen in Konflikt.

Äthiopien, das voraussichtlich ab 2050 zu den bevölkerungsstärksten Staaten der Welt gehören wird, ist gleichzeitig eines der ärmsten Länder: Auf dem Human Development Index der Vereinten Nationen wurde Äthiopien im Jahr 2013 auf Platz 173 von 187 Ländern geführt. Der Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben, liegt bei über einem Drittel.

Die Armut spiegelt sich in der schlechten Ernährungslage und einer hohen Kindersterblichkeit: Von 1.000 geborenen Kindern sterben 65 Kinder  vor ihrem fünften Geburtstag. Und 35 Prozent aller Äthiopier/innen leiden an Unter- und Mangelernährung. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt in Äthiopien bei 63 Jahren.

Wer mehr weiß, hat bessere Chancen

Bildung ist die Grundvoraussetzung für soziale und wirtschaftliche Integration und Aufstiegschancen. Daher ist der Zugang zu Schulbildung der entscheidende Faktor für die Verbesserung der Lebensbedingungen dieser benachteiligten Gruppe. Hierin liegt das größte Potential für Veränderung.

Ziel der Straßenkinderprojekte ist es daher, die Lebensqualität der benachteiligten Straßenkinder zu verbessern und sie dauerhaft und nachhaltig in die äthiopische Gesellschaft zu integrieren. Um dies zu erreichen, ermöglichen unsere Partner in Äthiopien den Straßenkindern Zugang zu Schulbildung und verbessern ihre gesundheitliche Situation. Nach Möglichkeit werden sie wieder in ihre Herkunftsfamilien eingegliedert.

Juli 2015