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Afrika

Flucht und Migration

Transitregion Maghreb

Mann vor seinem dürtigen Schlafplatz auf der StraßeNach Marokko kommen aus dem subsaharischen Afrika vorwiegend Arbeitsmigranten. Caritas Marokko unterstützt sie mit eigens eingerichteten Zentren in den großen Städten Meknes, Rabat, Casablanca und Tanger.Hannes Stegemann

Vielen Migrationswilligen gelingt die klandestine Einwanderung nach Europa nicht, seitdem die europäische Grenzsicherung im Mittelmeer militärische Dimensionen erreicht hat. Die sechs Meter hohen Stacheldrahtzäune um die spanischen Enklaven Ceuta und Melilla, die Polizeipatrouillen entlang der Küsten in Mauretanien und Senegal, die Seenotrettung, die aufgegriffene Bootsflüchtlinge wieder zurückschickt: Dies alles hat eine Einreise in die Europäische Union über die Kanaren oder Spanien massiv erschwert. Seither erproben die zur Migration entschlossenen Menschen neue Wege, während sich die Ursachen ihrer Flucht verschärfen: Arbeitslosigkeit im Fischereisektor, Terror in Mali, Boko Haram in Nigeria, Willkür in Libyen, Vertreibung aus der Westsahara, bittere Armut in ehemaligen Bürgerkriegs- und Konfliktregionen im Benin, in Sierra Leone, in Togo.

Viele der Geflüchteten bleiben inzwischen in Marokko, andere entschieden sich für Libyen als nächste Station, als möglichen Ausgang aus dem Leben im Transit. Und damit für eine riskante Überfahrt nach Lampedusa.

Die Migration nimmt autonome Wege

Tatsächlich ist die Zahl der Menschen, die dauerhaft im Maghreb verbleiben, ebenfalls gestiegen. Die Transitregion wird zugleich zum Ziel der Suche nach Schutz und einem menschenwürdigen Leben.  Der Lebensstandard im Maghreb und die Möglichkeit, eine Arbeit zu finden, werden von den Migranten im Vergleich zu ihren Herkunftsländern als deutlich besser eingeschätzt. In Algerien leben gegenwärtig etwa 240.000 Migranten. Die jährliche Zuwachsrate von Migranten aus dem subsaharischen Raum wurde 2013 auf 16.000 Personen geschätzt

Viele von ihnen erhalten keinen regulären Aufenthaltsstatus in Algerien und leben in prekären Verhältnissen. Ohne registriert zu sein, ohne Papiere, ohne Aufenthaltsstatus. Nicht dort sein zu dürfen, wo sie sind, ist eine hohe psychische Belastung, ganz abgesehen von der täglichen Herausforderung, etwas zu Essen und einen Platz zum Schlafen organisieren zu müssen. Algerische Sicherheitskräfte gehen äußerst hart gegen irreguläre Migranten vor. Irregulär, weil keine Behörde ihr Dasein regeln konnte oder wollte. Weil es hier keine Regeln für sie gibt, die ihnen ein menschenwürdiges Leben an dem Ort des Aufenthaltes erlauben. Insbesondere Frauen und Kinder leiden geraten zunehmend in bedrohliche humanitäre Notlagen.

Oktober 2015