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Afrika

Rechte für Kinder

Benin: Perspektiven
für Kinder in Not

Ein besseres Leben für Kinder und Jugendliche

Noelie in der SchuleNoelie hat innerhalb kürzester Zeit ihren Vater und ihren Bruder verloren. Die Mutter hat bis heute mit den traumatischen Erlebnissen zu kämpfen und ist froh über die Unterstützung der Caritas für ihre Tochter.Foto: Philipp Spalek/ Caritas international

Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen stärken

Gemeinsam mit dem Partner Caritas Benin unterstützt Caritas international rund 1.200 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sieben und sechzehn Jahren, die sich in familiär oder emotional schwierigen Lebenslagen befinden. In einer früheren Phase des Projekts traf dies vor allem auf Aidswaisen zu, doch inzwischen wurden die Hilfen ausgeweitet auf Kinder und Jugendliche, die aus anderen Gründen einen Elternteil verloren haben oder aufgrund anderer Schicksalsschläge in Not geraten sind.

Fachkräfte der Caritas, bestehend aus Psychologen und Sozialarbeitern, nehmen jedes Kind, welches in das Programm aufgenommen wird, einzeln in den Blick und führen Gespräche mit den Familien, um die bestmögliche Form der Begleitung auszuloten. Zusätzlich zu dieser psychosozialen Komponente werden die betroffenen Kinder darin unterstützt, eine Schule zu besuchen, um dadurch die Grundlage zum Beispiel für eine spätere Berufsausbildung zu schaffen.

Wer langfristig die Perspektive für die Kinder verbessern will, muss jedoch die gesamte Gesellschaft im Blick haben. Daher sensibilisieren die Partner die Bevölkerung über die Rechte der Kinder und sorgen dafür, dass alle Mitglieder der Gesellschaft ihre Fürsorgepflicht gegenüber den Kindern wahrnehmen.

Fürsorge für die junge Generation tragen alle

Die Diözesen Porto-Novo im Süden, Dassa-Zoumè in der Landesmitte und Kandi ganz im Norden Benins sind im Kinderschutz aktiv. Gemeinsam mit der Caritas Benin und der Organisation Secours Catholique (SCCF) unterstützt Caritas international hier bedürftige Kinder. Dabei besteht eine enge Zusammenarbeit mit den "Centres de Promotion Sociale" (CPS), den lokalen Ablegern des Familienministeriums in Benin.

Memory-BoxDie Memory-Box hilft den Betreuern, einen Zugang zu den Kindern zu bekommen und gibt den Kindern eine Möglichkeit, ihre Gefühle auszudrücken.Foto: Philipp Spalek/ Caritas international

In der Fürsorge für die junge Generation wird dreigleisig verfahren: Mithilfe der Memory-Box, einer Methode zur Bewältigung von Traumata durch Trauer und Verlust, wird die psychische Gesundheit der Kinder gefördert. Um die Lage der Kinder zu stabilisieren, werden monatlich getrennte Gesprächsgruppen mit Eltern oder Betreuerinnen sowie mit den Kindern selbst durchgeführt. Die Arbeit der Caritas-Sozialarbeiter wird unterstützt von ehrenamtlichen Helfern, die in der Regel in denselben Ortschaften wohnen wie die Kinder und dadurch mit deren Lebensumfeld vertraut sind. Die Ehrenamtlichen werden im Rahmen des Projektes aus- und weitergebildet, um ihre eigene Arbeit auf professionelle Füße zu stellen und ihr Tun zu reflektieren. Durch mehrere Hausbesuche in der Woche werden sie für die Familien zu wichtigen Vertrauenspersonen und dienen dem Fachkräfte-Team der Caritas als wertvolle Vermittler. Durch den regelmäßigen Austausch bleiben die Caritas-Sozialarbeiter stets über neue Entwicklungen und den Zustand der Kinder auf dem Laufenden und können auch zwischen den monatlichen Besuchen eingreifen, wenn es die Situation erfordert.

SchulspeisungDamit die Kinder in der Schule ein warmes Mittagessen bekommen, verteilt die Caritas Essensmarken, die auf dem Schulgelände eingelöst werden können.Foto: Philipp Spalek/ Caritas international

Da nur ausgelassen spielen und konzentriert lernen kann, wer keinen Hunger hat, geht es in den Gemeinden in Porto-Novo, Dassa-Zoumè und Kandi auch um die Ernährung der Kinder. Daher vergibt Caritas Benin Essensgutscheine an Schulen und organisiert auch gemeinschaftlichen Nachhilfeunterricht und die nötigen Lehrmaterialien. Denn die meisten der von der Caritas betreuten Kinder konnten sich ein warmes Essen an der Schule in der Vergangenheit schlicht nicht leisten. Die Essensverkäuferinnen, häufig Mütter und andere Frauen aus dem Umfeld der Schule, werden zudem in Hygiene und ausgewogener Ernährung weitergebildet.

Die finanzielle Autonomie der betroffenen Familien zu stärken, ist in Anbetracht der verbreiteten Armut im Land keine leichte Aufgabe. Doch wer langfristige Stabilität und bessere Chancen erreichen will, kann die finanzielle Lage der Familien nicht übergehen. In Kleingruppen werden daher Ideen für Einkommen schaffende Aktivitäten entwickelt und die Mitglieder mit Material für einen Start ausgestattet.

Straßenkinder wieder sozial eingliedern

VidomigonMonique arbeitet als Haushaltsgehilfen bei einer sozial besser gestellten älteren Frau. Die Caritas setzte sich dafür ein, dass sie parallel eine Ausbildung zur Schneiderin im Zentrum Agontinkon machen darf.Foto: Philipp Spalek/ Caritas international

Bereits seit mehr als zehn Jahren kooperiert Caritas international mit der Erzdiözese Cotonou zugunsten von Kindern und Jugendlichen, die auf den Straßen und Märkten der großen Hafenmetropole Cotonou leben und arbeiten. Schon Kinder im Grundschulalter werden zum Arbeiten zu entfernten Verwandten in die Städte geschickt oder gar an fremde Haushalte verkauft. Sozialarbeiter suchen bewusst soziale Brennpunkte auf und orientieren die Jungen und Mädchen hin zu den Zentren der Caritas. Dort werden sie verarztet, können sich waschen und finden ein offenes Ohr. Wer bereit ist, kann direkt in den Zentren Agontinkon oder Agla eine Ausbildung machen oder wird von den Sozialarbeitern der Caritas in eine externe Werkstatt bzw. einen Ausbildungsbetrieb vermittelt. Andere können dank der sozialen Unterstützung wieder zu ihren Familien zurückkehren. Kinder, bei denen sich die Reintegration schwieriger gestaltet oder diese gar unmöglich ist - bspw. weil keine funktionierenden Familienstrukturen mehr vorhanden sind - können in einem der Wohnzentren Calavi für Jungen oder Akassato für Mädchen unterkommen.

Ein wichtiger Bestandteil der Hilfe sind so genannte "Point d'Écoute". Man kann sie sich wie kleine Inseln mitten in den sozialen Brennpunkten wie zum Beispiel den Märkten, auf denen die Kinder arbeiten, vorstellen. Die Sozialarbeiter der Caritas bieten dort kostenlose Kurse zur Alphabetisierung an und klären die Kinder über ihre Rechte und über Fragen der Gesundheit und Hygiene auf. Beim Spielen und Basteln entstehen oft die ersten Gespräche, in denen die Kinder den Sozialarbeitern ihre Sorgen, Ängste und Wünsche anvertrauen.

Nachhaltigkeit und Vorsorge

Junior-Netzwerk ehemaliger AuszubildendenAuch das ist Nachhaltigkeit: Ehemalige Auszubildende schließen sich zu Netzwerken zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen und zukünftig andere bedürftige Jugendliche ausbilden zu können.Foto: Philipp Spalek/ Caritas international

Langfristig geht es aus der Sicht von Caritas international immer auch darum, die Kinderzentren auf eigene Füße zu stellen und von externer Hilfe unabhängig zu machen. Das braucht gute Ideen und einen langen Atem. So wird im Zentrum Agla derzeit im Rahmen bestehender Aktivitäten eine betriebswirtschaftlich geführte Konditorei eingerichtet, deren Erlös dem Unterhalt des Zentrums zugutekommt. Und im Zentrum Akassato werden Ladenlokale angebaut und umgebaut, sodass sie sich nach außen öffnen und damit kommerziell genutzt oder vermietet werden können. Die Einnahmen kommen ebenfalls dem langfristigen Unterhalt des Zentrums und seiner Aktivitäten zugunsten marginalisierter Jugendlicher zugute.

Zwei leitende Projektmitarbeiter der Erzdiözese Cotonou erhalten zudem eine Weiterbildung im Bereich Kinderrechte, Lobby- und Advocacy-Arbeit. Denn sie nehmen als Protagonisten in Sachen Kinderrechte an Runden Tischen und Austauschtreffen in Benin und sogar vor den Vereinten Nationen in Genf aktiv teil. Bei der Arbeit kann Caritas international sich auf die langjährige Erfahrung der Partner vor Ort stützen. Sie tragen dafür Sorge, dass das Wohl der Kinder eine Angelegenheit für die gesamte Gesellschaft wird.

Dezember 2017