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Afrika

Rechte für Kinder

Benin: Kinderrechte und Fürsorgepflichten

Ein besseres Leben für Kinder und Jugendliche

Kinder in SchuluniformWaisenkinder in Kandi: Sie werden mit Schulspeisung und Nachhilfeunterricht gefördert Vera Jeschke

Kinderrechte und Fürsorgepflichten

Gemeinsam mit dem Partner Caritas Benin unterstützt Caritas international rund 1.200 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sieben und sechzehn Jahren, die Opfer von Kinderhandel, sexuellem Missbrauch oder Zwangsheirat geworden sind. Auch werden Kinder unterstützt, die sich selbst ernähren müssen und beispielsweise im Straßenverkauf arbeiten oder als Steineklopfer ein wenig Geld zu verdienen. Andere befinden sich in familiär oder emotional schwierigen Situationen. Die Kinder und Jugendlichen werden psychisch betreut und darin unterstützt, eine Schul- oder Berufsausbildung abzuschießen, damit sie für sich selbst sorgen können.

Wer langfristig die Perspektive für die Kinder verbessern will, muss die gesamte Gesellschaft im Blick haben. Daher sensibilisieren die Partner die Bevölkerung über die Rechte der Kinder und sorgen dafür, dass alle Mitglieder der Gesellschaft ihre Fürsorgepflicht gegenüber den Kindern wahrnehmen.

Fürsorge für die junge Generation tragen alle

Die Diözesen Porto-Novo im Süden, Dassa-Zoumè in der Landesmitte und Kandi ganz im Norden Benins sind im Kinderschutz aktiv. Gemeinsam mit Caritas Benin und der Organisation Secours Catholique (SCCF) unterstützt Caritas international hier bedürftige Kinder. Dabei besteht eine enge Zusammenarbeit mit den "Centres de Promotion Sociale" (CPS), den lokalen Ablegern des Familienministeriums in Benin.

In der Fürsorge für die junge Generation wird dreigleisig verfahren: Mithilfe der Memory-Box, einer Methode zur Bewältigung von Traumata durch Trauer und Verlust, wird die psychische Gesundheit der Kinder gefördert. Um die Lage der Kinder zu stabilisieren, werden monatlich getrennte Gesprächsgruppen mit Eltern oder Betreuerinnen wie Kindern durchgeführt. Als Begleiter der Kinder und durch Hausbesuche gewährleisten Mediator/innen die kontinuierliche Betreuung. Die Mediator/innen werden im Rahmen des Projektes auch aus- und weitergebildet, um ihre eigene Arbeit auf professionelle Füße zu stellen und ihr Tun zu reflektieren. Zum Team gehören ein Psychologe und Erzieher. Für die Schulung weiterer Akteure wird derzeit ein psychologischer Leitfaden erarbeitet.

Da nur ausgelassen spielen und konzentriert lernen kann, wer keinen Hunger hat, geht es in den Gemeinden in Porto-Novo, Dassa-Zoumè und Kandi auch um die Ernährung der Kinder. Daher vergibt  Caritas Benin Essensgutscheine an Schulen und organisiert auch gemeinschaftlichen Nachhilfeunterricht und die nötigen Lehrmaterialien. Essensverkäuferinnen werden in Hygiene und ausgewogener Ernährung  weitergebildet.

Die finanzielle Autonomie der betroffenen Familien zu stärken, ist in Anbetracht der verbreiteten Armut im Land keine leichte Aufgabe. Doch wer langfristige Erfolge und bessere Chancen erreichen will, kann die finanzielle Lage der Familien nicht übergehen. In Kleingruppen werden daher Ideen für Einkommen schaffende Aktivitäten entwickelt und die Mitglieder mit Material für einen Start ausgestattet.

PortraitMitglieder des Netzwerks der Ausbilder in Cotonou. Er nimmt Straßenkinder bei sich in der Werkstadt auf und bildet sie beruflich aus.Vera Jeschke

Straßenkinder wieder sozial eingliedern

Bereits seit mehr als zehn Jahren kooperiert Caritas international mit der Erzdiözese Cotonou zugunsten von Kindern und Jugendlichen, die auf den Straßen und Märkten der großen Hafenmetropole Cotonou leben und arbeiten. Sozialarbeiter suchen bewusst soziale Brennpunkte auf und orientieren die Jungen und Mädchen hin zu den Zentren der Caritas. Dort werden sie verarztet, können sich waschen und finden ein offenes Ohr. Wer bereit ist, kann direkt in den Zentren Agla und Akassato eine Ausbildung machen oder wird in eine externe Werkstatt vermittelt. Andere können dank der sozialen Unterstützung wieder zu ihren Familien zurückkehren.

Langfristig geht es aus der Sicht von Caritas international immer auch darum, die Kinderzentren auf eigene Füße zu stellen und von externer Hilfe unabhängig zu machen. Das braucht gute Ideen und einen langen Atem. So wird im Zentrum Agla derzeit im Rahmen bestehender Aktivitäten eine betriebswirtschaftlich geführte Konditorei eingerichtet, deren Erlös dem Unterhalt des Zentrums zugutekommt. Und im Zentrum Akassato werden Ladenlokale angebaut und umgebaut, sodass sie sich nach außen öffnen und damit kommerziell genutzt oder vermietet werden können. Die Einnahmen kommen ebenfalls dem langfristigen Unterhalt des Zentrums und seiner Aktivitäten zugunsten marginalisierter Jugendlicher zugute.

Zwei leitende Projektmitarbeiter der Erzdiözese Cotonou erhalten zudem eine Weiterbildung im Bereich Kinderrechte, Lobby- und Advocacy-Arbeit. Denn sie nehmen als Protagonisten in Sachen Kinderrechte an Runden Tischen und Austauschtreffen in Benin und sogar vor den Vereinten Nationen in Genf aktiv teil. Bei der Arbeit kann Caritas international sich auf die langjährige Erfahrung der Partner vor Ort stützen. Sie tragen dafür Sorge, dass das Wohl der Kinder eine Angelegenheit für die gesamte Gesellschaft wird.

Juni 2017