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Afrika

Gesundheit, Pflege, Sucht

Burundi: Aktiv gegen Armut

Frauen sitzen auf einer Bank in der GesundheitsstationFrauen warten in der Gesundheitsstation auf BehandlungThomas Veser

Das Leben in dem zentralafrikanischen Land Burundi ist für viele Menschen noch immer erschwert durch die Folgen der Bürgerkriege und gewaltsamen Konflikte seit Mitte der 1980er Jahre. Hunderttausende verloren ihr Leben, und Hunderttausende waren in die Nachbarländer geflohen. Sie sind nach ihrer Rückkehr ohne Land und Geld. Fast jede Familie in Burundi hatte Opfer des Krieges zu beklagen.

Zwar hat sich in den letzten fünf friedlichen Jahren die Sicherheitslage in Burundi deutlich stabilisiert. Von einer wirtschaftlichen Erholung ist das Land trotz seines Beitritts in die Ostafrikanische Gemeinschaft noch weit entfernt und die soziale Unsicherheit groß: Nur jedes zweite Kind in Burundi kann die Schule besuchen, die Lebenserwartung liegt bei 50 Jahren (weltweit bei 68 Jahren), die Müttersterblichkeit ist eine der höchsten der Welt. Das Land ist auf die Einfuhr von Nahrungsmitteln angewiesen. Gegenüber den Vorjahren hat das Ausmaß des Hungers sogar zugenommen.

Auch aus diesem Grund wandern laufend Menschen aus dem Umland in die einzige Großstadt des Landes, Bujumbura. Im Stadtteil Kanyosha im Süden Bujumburas wurden 2008 57.350 Menschen gezählt. Heute wird die Bevölkerung auf etwa 70.000 Menschen geschätzt. Viele kamen in der Hoffnung, hier  Frieden und Essen zu finden. Der Stadtteil Buterere im Norden der Hauptstadt entwickelt sich ähnlich: 2008 lebten hier 30.500 Einwohner/innen, heute wird die Bevölkerung auf 45.000 geschätzt. Fast alle, die jetzt hier sind, haben ein finsteres Schicksal hinter sich: intern Vertriebene, rückgekehrte Flüchtlinge, Witwen, Waisen, von Kindern geführte Haushalte, Behinderte und chronisch kranke Menschen.

Markt in einem ElendsviertelMarkt in einem der Elendsviertel von Bujumbura /BurundiCaritas international

Zwei Stadteile - ein Schicksal

Die Menschen in Buterere teilen sich eine einzige Gesundheitsstation, die völlig überlastet ist. Und nur jeder Zehnte hat Zugang zu fließendem Wasser. Viele Menschen ernähren sich von der nahegelegenen Müllhalde, die immer wieder auch das Grundwasser verseucht. Wenn die offenen Ziehbrunnen kontaminiert sind, kann das viele treffen. Malaria, Lungenentzündungen, Durchfallerkrankungen, Tuberkulose, Mangelernährung und AIDS sind nicht nur häufige Krankheiten, sondern auch die häufigste Todesursache.

Je ärmer ein Land, desto erbärmlicher ist oft die Gesundheitsversorgung - und je schwieriger ist es für die Menschen, die unter Hunger, Arbeitslosigkeit und mangelnden hygienischen Verhältnissen leben, sich vor Krankheiten zu schützen. Jeder fünfzehnte Erwachsene in Burundi ist HIV-positiv oder an Aids erkrankt. Die Rate ist bei Frauen deutlich höher als bei Männern. Fehlende Aufklärung, weil die Kinder nicht in die Schule gehen können, oder fehlende Vorbeugung, weil die Gesundheitsstationen schlecht ausgerüstet sind und ausgebildetes Personal fehlt, tragen zu einer Verbreitung des Virus bei.

Anfang des Jahrtausends lebten  360.000 HIV-infizierten Menschen in Burundi. Laut der Weltgesundheitsorganisation sind die meisten von ihnen inzwischen verstorben - fast alle ohne Wissen über ihre Krankheit.  Die Behandlungsmöglichkeiten und das Bewusstsein über die Krankheit und Vorsorge haben sich heute deutlich verbessert. Dennoch ist nach einem hoffnungsvollen Rückgang der Erkrankten auf 110.000 im Jahre 2009 die Infektionsrate wieder angestiegen. Viele Menschen nehmen die Möglichkeit eines Testes nicht in Anspruch, weil sie sich davor fürchten, dass die Familien das Testergebnis erfahren - und mit Verstoß reagieren.

Da jährlich zwischen 15.000 und 18.000 HIV-positive Frauen ein Kind zur Welt bringen, ist es wichtig, einer Übertragung des Virus von der Mutter auf das Baby vorzubeugen. Für eine wirkungsvolle Vorbeugung fehlen oft die Mittel. Der Nationale Aids Rat Burundis gab an, dass allein rund 83 Millionen Dollar fehlten, um die Fünfjahresprogramme durchzuführen, die bis 2011 zur Vorbeugung, Aufklärung und zur Versorgung der Aidskranken vereinbart wurden.

In Burundi leben über 200.000 Kinder, die als Aidswaisen bezeichnet werden: Jungen und Mädchen unter 16 Jahren, deren Eltern an den Folgen von Aids gestorben sind. Für das kleine zentralafrikanische Land, das zu den ärmsten der Welt gehört, ist es schwierig, diesen Kindern eine gute Zukunft und gerechte Lebensperspektiven zu bieten.

Caritas international unterstützt den Aufbau von Gemeinwesen- und Selbsthilfestrukturen in den schnell wachsenden Stadtvierteln - damit die Menschen hier ihre Zukunft selber in die Hand nehmen können.

April 2012