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Afrika

Krisen und Konflikte

Guinea Bissau: Radio für den Frieden

Im April 2012 putschte der Generalstabschef Antonio Indjai, um die Präsidentschaftswahlen zu verhindern. Fortan herrschte er über eine zivile Marionettenregierung und unterdrückte jeden Widerstand brutal. Internationale Sanktionen haben die chronische Armut im Land noch einmal dramatisch verschärft. 

2014 schritten die Menschen dort zur Urne - um Parlament und Präsidenten zu wählen. Damit die zivilgesellschaftlichen Strukturen gestärkt werden, beschloss der von Caritas international unterstützte Radiosender Sol Mansi, im Wahljahr 2014 das Thema Wahlen und Bürgerrechte zu seinem Fokus zu machen.

Soldaten mit Waffen an einer Häuserecke bedrohen einen PassantenEin Klima der Einschüchterung und Gewalt.  Caritas international

Rückblick auf die politische Situation

In den Jahren 1998/99 mündeten die politischen Konflikte in einen mit erbitterter Brutalität geführten Krieg. Längst hatten sich die Auseinandersetzungen nicht mehr nur auf die politischen Gegner gegen die Einparteienregierung beschränkt, sondern vor allem auch Militärmachthaber auf den Plan gerufen. Der Krieg hatte sich nach dem Militärputsch des Generals Ansumane Mane gegen den amtierenden Präsidenten Nino Vierira entzündet. Die Geschichte Guinea Bissaus ist seither geprägt von Putschen und politisch motivierten Ermordungen ziviler und militärischer Autoritäten: Drei Generalstabschefs - unter ihnen auch der Putschist Mane - wurden seit 1999 von ihren jeweiligen Nachfolgern ermordet. Im März 2009 wurde auch der Präsident Nino Vieira von Armeeangehörigen umgebracht.

Nicht erst seit gestern herrscht Gewalt

Ethnische Konflikte und politischer Machthunger einzelner Akteure sind in Guinea-Bissau miteinander verwoben und lähmen das soziale und wirtschaftliche Leben. Das Land rangiert am untersten Rand der Armutsskala. Seit 2004 verschärfen Rivalitäten zwischen Drogenhändlern, die das Land als Haupt-Transitland für den Schmuggel von Kokain aus Lateinamerika nach Europa entdeckt haben, die ohnehin angespannte Situation. Führende Militärangehörige sind am lukrativen Drogenschmuggel beteiligt. Ende Dezember 2011 bekämpften sich einige Tage lang zwei Armeegeneräle und ihre Anhänger in den Straßen der Hauptstadt Bissau unter der gegenseitigen Beschuldigung, mit der kolumbianischen Kokainmafia zusammenzuarbeiten.  

Straße mit Rollifahrerin und Barrikade bewaffneter Männer am StraßenrandStraßenszene: Passanten, ein Mann im Rollstuhl, bewaffnete MilitärsCaritas international

Im Januar 2012 verstarb Präsident Malam Bacai Sanha nach langer Krankheit in einem Krankenhaus in Paris. Der anschließende Wahlkampf führte erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die vor der Stichwahl zwischen den beiden aussichtsreichsten Kandidaten im April 2012 in einem weiteren Putsch mündeten. Die danach herrschende militärische Übergangsregierung, die ebenfalls tief in den Drogenhandel verstrickt ist, wird von der Europäischen Union und vielen anderen Staaten nicht anerkannt. "Hier haben Killer und Drogenhändler geputscht, die das Volk seit Jahren in Geiselhaft halten", sagt Hannes Stegemann, von Caritas international, der selbst 17 Jahre lang in Guinea-Bissau gelebt und gearbeitet hat.

Dialog fördern

In diesem politischen Klima von Gewalt und Unsicherheit fördert der katholische Radiosender "Sol Mansi" über sein Programm seit Jahren den interethnischen und interreligiösen Dialog im Land. Radio Sol Mansi ging 2001 als kommunaler Sender in der Kleinstadt Mansoa erstmalig auf Sendung. Gegründet wurde der Sender von dem italienischen Missionar Davide Sciocco vor dem Erfahrungshintergrund des Bürgerkriegs. Frieden, Versöhnung und Dialog sind die Themen der Programme, die einen Beitrag dazu leisten möchten, weitere kriegerische Auseinandersetzungen zu verhindern. Sol Mansi, der einzige politisch unabhängige Radiosender in Guinea-Bissau, kann - im Gegensatz zu allen anderen - im ganzen Land empfangen werden und ist der meist gehörte Sender. Caritas international unterstützt das Friedensprojekt seit 2009.

Dezember 2014