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Afrika

Situation

Kenia: Dürre, Wassermangel, Hunger

Verendetes Tier in KeniaDie Hilfe beginnt oft erst, nachdem Medien Bilder von verhungerten Menschen und verendeten Tieren zeigen. Dann ist es jedoch eigentlich schon zu spät.Foto: David O'Hare / Trócaire

Ostafrika droht die nächste Hungersnot, Kenia ist stark vom ausbleibenden Regen betroffen. Mehr als drei Millionen Menschen sind gegenwärtig von der extremen Trockenheit betroffen und benötigen dringend Hilfe. Die Caritas reagiert auf die aktuelle Krise mit einem Nothilfeprogramm, unterstützt die Menschen aber auch langfristig.

Das Klima als Herausforderung

Die Region Marsabit im Norden Kenias grenzt an Äthiopien. Das Klima wüstenähnlich mit extrem begrenzten Niederschlägen und Temperaturen bis zu 42 Grad Celsius. In den letzten Jahrzehnten ist der Regen immer wieder ganz ausgefallen, und es ist zu anhaltenden Dürren gekommen. Schon bei der großen ostafrikanischen Dürre 2011 zählte Marsabit zu den besonders hart betroffenen Gebieten. In diesem Jahr ist die erste Regenzeit wieder ausgefallen. Seit drei Jahren hat es nicht mehr richtig geregnet. In Marsabit entziehen die Dürrephasen den Menschen zunehmend die Lebensgrundlagen.

Kein Wasser und kein Weideland

Die harschen klimatischen Bedingungen in der Region lassen kaum Ackerbau zu. So leben im trockenen Norden des Landes 80 Prozent der Menschen mit und von ihren Viehherden, die meisten als Nomaden. Sie ziehen von Weide zu Weide. Für ihre Herden, von denen die Viehhirten Milch und Fleisch für die eigene Ernährung erhalten, ist Weideland und Wasser lebensnotwendig. Wenn der Regen ausfällt, die Weiden nicht wieder nachwachsen und die flachen Wasserstellen austrocknen, ist den Menschen die Lebensgrundlage entzogen. Erst fällt der Preis für das Vieh, die Hirten haben weniger Einkommen und können aufgrund dessen auch ihre Kinder nicht mehr zur Schule schicken. Wenn die Dürre so lange anhält, dass die Tiere sterben, sind die Menschen gar auf Nahrungsmittellieferungen angewiesen.

Warum sterbendes Vieh auf eine akute Hungersnot hindeutet

Traditionelle Hütte der Nomaden in KeniaDie Nomaden in Nordkenia leben seit Jahrhunderten in Rundhütten aus Zweigen und Stoffplanen. In guten Zeiten mit genügend Wasser leben die meisten Menschen im Einklang mit ihren Traditionen.Foto: Linda Tenbohlen / Caritas international

Die Sterberate des Viehs und die Mangelernährung der Nomaden gehen oft Hand in Hand. Die Menschen sind dann nicht nur schwach und gebrechlich sondern auch anfälliger für Krankheiten. Wenn die Tiere schlecht ernährt sind, keine Milch mehr geben, aufgrund von Schwäche kaum mehr lange Strecken zurücklegen können oder gar zu verenden drohen, fällt der Preis für das Vieh. Oft können die Hirten ihre Tiere nicht mehr oder nur für einen extrem geringen Preis verkaufen.

Selbst wenn der Regen wieder fällt, ist der Hunger noch nicht überwunden. Die Menschen brauchen Tiere, um ihre Herden und damit ihre Lebensgrundlage wieder aufbauen zu können. Mit dem Regen fällt die Temperatur, die Nächte können empfindlich kalt werden und das Risiko für Infektionen der Atemwege sowie der Lungen steigt insbesondere bei Kindern und alten Menschen.

Tödliche Folgen von Starkregen

Wenn es nach langen Dürrephasen wieder anfängt zu regen, kann der Boden das Wasser kaum aufnehmen. Oft kommt es aufgrund der Klimaveränderungen nach den Dürrephasen zu Starkregen. Auch im November 2017 sind nach der langen Dürrephase in der Region Marsabit punktuell Starkregen aufgetreten. Zwei Menschen und hunderte Tiere sind gestorben. Hunderte von Hütten hat der Regen weggewaschen. Die Menschen sind ihrer wenigen Habseligkeiten beraubt.

Anpassung braucht Vorsorge

Älterer Mann in KeniaAuch alte Menschen leiden stark unter der Dürre. Aufgrund der fehlenden Nahrung sind viele von ihnen schwach und können ihren täglichen Aufgaben kaum noch nachgehen.Foto: Linda Tenbohlen / Caritas international

Nothilfeprogramme sind für die Betroffenen eine wichtige Überlebenshilfe. Dennoch ist klar, wie notwendig es wird, die Situation für die Nomaden langfristig zu verbessern und an das veränderte Klima anzupassen. Caritas international führt daher, neben der akuten Nothilfe, mit ihrer lokalen Partnerorganisation PACIDA verschiedene Projekte in der Region Marsabit durch, die die Wasserversorgung und Tierhaltung verbessern, Einkommensalternativen erschließen, Schulbildung für die Kinder gewährleisten und die Menschen widerstandsfähiger gegen Dürren machen.

November 2017