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Afrika

Krisen und Konflikte

Kongo: Hilfe für Opfer der Konflikte

Frau mit Kindern kochtDelphine ist mit vier Kindern im Mai 2012 geflohen - und fand in der Schule von Mugunga Unterkunft.  Caritas Goma

Im Osten der Demokratischen Republik Kongo, dem zweitgrößten Staates auf dem afrikanischen Kontinent, folgen seit 20 Jahren bewaffneten Konflikte und Bürgerkriege aufeinander. Das an Ressourcen reiche Land kommt hier nicht zur Ruhe: Rund 50 bewaffnete Gruppen sind derzeit im Osten des Kongo aktiv. Sie fechten Kämpfe um territoriale Machtansprüche und um die Kontrolle über natürliche Ressourcen aus. Über 2,5 Millionen Binnenflüchtlinge haben die Kriegswirren seit 1996 hinterlassen.

Obwohl reich an Rohstoffen, zählt der Kongo zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Kriegsökonomie der kämpfenden Gruppen basiert weitgehend auf dem Handel mit seltenen Mineralien aus den kongolesischen Bergbaugebieten. Weil es nur schwache staatliche und kommunale Strukturen in der Provinz Süd-Kivu und im Ostkongo gibt, sind die Rohstoffvorkommen und der Bergbau ständiger Brennpunkt der Kämpfe. Demokratische Entwicklungen werden immer wieder von den jeweiligen Machthabern sabotiert. In der Region Kivu und im Ostkongo an der Grenze zu Ruanda und Uganda ist der grausame Milizenkrieg noch nicht ausgestanden, der die Gesellschaft zerreißt. 

Das Leben dazwischen

Seit Jahren bestimmen in den Ostprovinzen des Landes Kämpfe zwischen Milizen und Militärs, Plünderungen und Vergewaltigung den Alltag. Die Zeit seit den Kongokriegen 1996 ist von Entbehrung und für viele Menschen von einem Leben dazwischen bestimmt: zwischen Kriegen, zwischen Zelten, zwischen den Fronten, unterwegs von Dorf zu Dorf und in den Wäldern, immer wieder in Flüchtlingslagern - von denen es derzeit allein im Ostkongo über 50 gibt. Die Mehrzahl der Jugendlichen ist mit dem Krieg aufgewachsen, Zeiten des Friedens, Geborgenheit oder eine Perspektive mit Arbeit und eigener Familie kennen sie kaum. Unzählige haben nie eine Schule besucht. 

So gibt es kaum eine Familie, die nicht schon einmal vertrieben war, für kürzer oder länger, die nicht in einem verwüsteten Dorf zurückgeblieben ist oder deren Angehörige in an Kriegshandlungen involviert waren, ob auf der Seite der Täter oder der Opfer. Auf der Suche nach einem Platz, an dem man ohne Angst und Schrecken leben kann, wandern viele Menschen bis heute ständig von einem Ort zum nächsten. Vertreibung, Unsicherheit aufgrund von Überfällen, Landstreitigkeiten und eine schwierige bis völlig unzureichende Versorgungslage erschwert es den Menschen, ihr eigenes Auskommen und eine sichere Existenz aufzubauen.

Von nichts kommt nichts

Die Infrastruktur ist in den Provinzen Süd- und Nord-Kivu fast völlig zerstört, nur ein Fünftel der Straßen ist asphaltiert. Die Inflationsrate in der Demokratischen Republik Kongo gehört zu den höchsten der Welt, und wer heute ein paar Shilling als Tagelöhner verdient, kann sich oft morgen oft schon keine Mahlzeit mehr davon leisten.

Schulen und ein öffentliches Gesundheitssystem sind kaum vorhanden. Viele der ohnehin sehr spärlich ausgestatteten Krankenstationen wurden infolge des Krieges zerstört. Es gibt durchschnittlich einen Arzt für 10.000 Menschen. Da sanitäre Einrichtungen, sauberes Wasser und Gesundheitsdienste Mangelware sind, sterben viele an leicht vermeidbaren Krankheiten wie Durchfall. Laut einer UN-Studie von 2011 haben rund 51 von 68 Millionen Menschen im Kongo keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Müttersterblichkeit ist ebenso wie die Säuglingssterblichkeit eine der höchsten weltweit. Denn es gibt oft keine Mahlzeit, keine gesundheitliche Vorsorge, keine Geburtshilfe. Zudem sind viele Frauen Opfer sexualisierter Gewalt. Die Verletzung des Rechtes auf körperliche Unversehrtheit hört oft mit dem Verbrechen nicht auf: Da sie stigmatisiert werden, leben sie in großer sozialer Unsicherheit.

Zivilbevölkerung auf der Flucht

Trotz der langjährigen Mission der Vereinten Nationen für die Stabilisierung in der Demokratischen Republik Kongo (MONUSCO), die zusammen mit der staatlichen Armee Rebellengruppen zu demobilisieren versucht, flammen immer wieder neue Kämpfe auf. Erst zu Beginn des Jahres 2015 führte die staatliche Armee, kurz FARDC, eine erneute Operation gegen die ruandische Rebellengruppe  FDLR  (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas) im Osten des Landes durch.

Die andauernden Kämpfe aller bewaffneten Gruppen haben allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 zu mehr als 500.000 Vertriebenen geführt, die Hälfte davon im Nord-Kivu. Allein bis März 2015 stieg damit die Zahl der intern Vertriebenen insgesamt im Nord-Kivu auf über eine Millionen Menschen. Im August 2016 werden rund 600.000 Binnenvertriebene gezählt; über 100.000 Menschen sind vor den anhaltenden Konflikten in die Nachbarländer geflohen. Im August und September 2015 sowie im Januar 2016 kam es erneut zu größeren Fluchtwellen. Die vertagten Präsidentschaftswahlen sorgen im November erneut für unruhige Zeite. Besonders betroffen sind die Gebiete Beni, Lubero, Walikale, Rutshuru und Masisi. Aufnehmende Gemeinden sind Bweru, Nyange, Kitso, Kalengera, Mpati und Bibwe.

Flüchtlinge bei der Registrierung in einem FlüchtlingscampRegistrierung in einem Flüchtlingscamp in OstkongoSébastien Dechamps / SECATHO / Caritas international

Rückkehr mit Fragezeichen

Gleichzeitig lässt sich eine Rückkehrbewegung in die sicheren Herkunftsgemeinden beobachten. So beläuft sich die Zahl der Rückkehrer und Rückkehrerinnen im Nord-Kivu auf über 275.000 Menschen. Die rückkehrenden Familien verfügen jedoch kaum über die notwendigen Mittel, um ihre Existenz wieder aufzubauen. Sie sind damit, ebenso wie die Vertriebenen, von den aufnehmenden Gemeinden abhängig.

Laut UN OCHA sind über eine halbe Million Menschen in den aufnehmenden Gemeinden betroffen. So sind nicht nur die Vertriebenen und Rückkehrenden, sondern auch diejenigen, die in den Dörfern ausharrten, auf externe Hilfen angewiesen.

November 2016