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Afrika

Krisen und Konflikte

Kongo: Hilfe für Opfer der Konflikte

In der Demokratischen Republik Kongo herrscht eine der gravierendsten humanitären Krisen weltweit. In den letzten 17 Jahren sind hier über vier Millionen Menschen ums Leben gekommen. Über zwei Millionen Binnenflüchtlinge haben die Kriegswirren seit 1996 hinterlassen. Obwohl reich an Rohstoffen, zählt der Kongo zu den ärmsten Ländern der Welt.

Die Kriege und Gewalttaten wurden durch die ersten freien Wahlen nach 2006 nicht gelöst. Seit vielen Jahren bestimmen in den Ostprovinzen des Landes Kämpfe zwischen Milizen und Militärs, Plünderungen und Vergewaltigung den Alltag. 

Die im November 2013 unterzeichneten Friedensabsichtserklärungen schienen eine Tür auf dem sicher langen Weg in den Frieden für den Ostkongo zu öffnen, ebenso die Demobilisierung, die im Mai 2014 mit der FDLR, dem kämpfenden Arm der vor 20 Jahren aus Ruanda geflüchteten Hutu, vereinbart wurde. Dennoch ist die Zukunft ungewiss. Insbesondere für die Bevölkerung in Ostkongo, denn sie leidet unter der kriegerischen Gewalt und ist immer wieder auf der Flucht. 

Seit nunmehr 17 Jahren erleben die Menschen im Kongo immer wieder aufflammende Kriege. Anfang Juni 2014 kam es erneut zu heftigen Gefechten. Allein im Ostkongo sind derzeit eine Million Menschen auf der Flucht, im ganzen Land sind es im Juni 2014 laut UNHCR 2,6, Millionen Menschen. Seit Anfang 2012 haben mehr als 240.000 Kongolesen Zuflucht in Uganda gefunden. Die Hälfte der Bevölkerung im Ostkongo ist nicht ausreichend ernährt, und nur die Hälfte der Kinder konnte im April 2014 eine Grundschule abschließen. 

Die Kriegsökonomie der kämpfenden Gruppen basiert weitgehend auf dem Handel mit seltenen Mineralien aus den kongolesischen Bergbaugebieten. Weil es nur schwache staatliche und kommunale Strukturen in der Provinz Süd-Kivu und im Ostkongo gibt, sind die Rohstoffvorkommen und Minen ständiger Brennpunkt der Kämpfe. Demokratische Entwicklungen werden immer wieder von den jeweiligen Machthabern sabotiert. In der Region Kivu und im Ostkongo an der Grenze zu Ruanda und Uganda ist der grausame Milizenkrieg noch nicht ausgestanden, der die Gesellschaft zerreißt. 

Frau mit Kindern kochtDelphine ist mit ihren vier Kindern im Mai 2012 geflohen -
und fand in der Schule von Mugunga Unterkunft.  
Caritas Goma

Die Zivilbevölkerung auf der Flucht

Aufgrund der Gewalteskalation waren im April 2012 erstmals wieder zwei Millionen Flüchtlinge und Vertriebene im Kongo auf Schutz und Versorgung angewiesen - inzwischen sind es über 2,6 Millionen. Caritas international verteilt immer wieder Decken, Kleidern, Kochutensilien und Seife an über 21.000 Menschen in den schwer zugänglichen Regionen des Hinterlandes vor - gemeinsam mit dem lokalen Partner Caritas Goma.

Seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe im Sommer 2013 werden wieder gezielt Kinder gezwungen, als Soldaten zu kämpfen. Das Büro für humanitäre Angelegenheiten der UN (Ocha) in Katanga hat bekannt gemacht, dass von Januar bis August 2013 in der Provinz 557 Kindersoldaten aus den Reihen verschiedener bewaffneter Gruppen demobilisiert wurden. Die Zentren in Lubumbashi, Kalemie und Manono haben 444 Kinder in ihre Obhut genommen, 113 weitere sind in ihre Familien zurückgekehrt.Die Zahl der Kindersoldaten in Ostkongo ist

Von Juni 2012 bis Juli 2013 wurden in vier Kindersoldatenzentren der Caritas 1033 Kinder neu aufgenommen. Die Jungen und Mädchen berichten, dass sie von Milizen auf dem Weg zur Schule gefangen genommen worden seien. Die Kinder sind zwischen 10 und 17 Jahre alt. Caritas bietet den ehemaligen Kindersoldaten in Zentren Schutz und psychologische Begleitung, ehe sie zu ihren Familien zurückgebracht werden. Im kommenden Jahr rechnen die Betreuer mit 1.800 weiteren Kindern, die Schutz suchen.

Flüchtlinge bei der Registrierung in einem FlüchtlingscampRegistrierung in einem Flüchtlingscamp in OstkongoSébastien Dechamps / SECATHO / Caritas international

Das Leben dazwischen

Die Zeit seit den Kongokriegen 1996 ist von Entbehrung und für viele Menschen von einem Leben dazwischen bestimmt: zwischen Kriegen, zwischen Zelten, zwischen den Fronten, unterwegs von Dorf zu Dorf und in den Wäldern, immer wieder in Flüchtlingslagern - von denen es derzeit allein im Ostkongo offiziell 61 gibt. Die Mehrzahl der Jugendlichen ist mit dem Krieg aufgewachsen, Zeiten des Friedens, Geborgenheit oder eine Perspektive mit Arbeit und eigener Familie kennen sie kaum. Unzählige haben nie eine Schule besucht. 

Auf der Suche nach einem Platz, an dem man ohne Angst und Schrecken leben kann, wandern viele Menschen bis heute ständig von einem Ort zum nächsten. Infolge der anhaltenden Kriegswirren kam es in der Region der Großen Seen bereits 2010 erneut zu Flüchtlingsbewegungen von mehreren Hunderttausend. Anfang 2010 gab es über zwei Millionen Binnenflüchtlinge, und über 400.000 Kongolesen leben im benachbarten Ausland.

Von nichts kommt nichts

Die Infrastruktur ist in den Provinzen Süd- und Nord-Kivu fast völlig zerstört, nur 20 Prozent der Straßen sind asphaltiert. Die Inflationsrate in der Demokratischen Republik Kongo gehört zu den höchsten der Welt, und wer heute ein paar Shilling als Tagelöhner verdient, kann sich oft morgen oft schon keine Mahlzeit mehr davon leisten.

Schulen und ein öffentliches Gesundheitssystem sind kaum vorhanden. Viele der ohnehin sehr spärlich ausgestatteten Krankenstationen wurden infolge des Krieges zerstört. Es gibt durchschnittlich einen Arzt für 10.000 Menschen. Da sanitäre Einrichtungen, sauberes Wasser und Gesundheitsdienste Mangelware sind, sterben viele an leicht vermeidbaren Krankheiten wie Durchfall. Laut einer UN-Studie von 2011 haben rund 51 von 68 Millionen Menschen im Kongo keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Müttersterblichkeit ist ebenso wie die Säuglingssterblichkeit eine der höchsten weltweit. Denn es gibt oft keine Mahlzeit, keine gesundheitliche Vorsorge, keine Geburtshilfe. Zudem sind viele Frauen Opfer sexualisierter Gewalt. Die Verletzung des Rechtes auf körperliche Unversehrtheit hört oft mit dem Verbrechen nicht auf: Da sie stigmatisiert werden, leben sie in großer sozialer Unsicherheit.

Die Versorgung der Vertriebenen ist schwierig, denn die Hilfsgüter und die medizinische Versorgung reichen bei weitem nicht aus. Und viele Orte liegen mitten im Kampfgebiet. Neben der akuten Nothilfe ist der Wiederaufbau von Versorgungsstrukturen unverzichtbar, um das Recht der Menschen auf Nahrung, Wohnung, Bildung und Gesundheit zu verwirklichen. Und um eine Perspektive zu schaffen, die ein wenig Hoffnung auf mehr Sicherheit verspricht.

Juni 2014

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