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Afrika

Krisen und Konflikte

Kongo: Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten

Ohne Waffen in die Zukunft

Jugendliche präsentieren das GefehrDie erste große Hürde ist die Entwaffnung: Das Gewehr ist für sie Zeichen der MachtCaritas international

Die Caritas Goma wirbt Kindersoldaten aus den verschiedenen Armeen und Milizen in der Konfliktregion ab, versorgt sie medizinisch und psychologisch, gibt ihnen zu essen und unterrichtet sie, um ihnen neue Lebensperspektiven zu bieten. Ziel ist, diese Kinder wieder ins zivile Leben zu ihren Familien zurück zu führen.

In mehr als der Hälfte von rund 1.600 Fällen ist es gelungen, die Kinder dauerhaft wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Eine stolze Bilanz, berücksichtigt man die Schwierigkeiten, mit denen diese Arbeit verbunden ist. Mühsam müssen die Eltern erst einmal aufgefunden werden und sie müssen überzeugt werden, dass es überhaupt möglich ist, dass die Kinder "aus dem Busch" wieder ein normales Leben führen können. Begleitend klären die Caritasmitarbeiter/innen die Bevölkerung über Kinderrechte auf. So soll der Druck auf die Milizenführer erhöht werden, die Kindersoldaten frei zu geben.

Die Vorbehalte gegen die Rückkehr von Kindersoldaten in die Familien und Dorfgemeinschaften sind groß - ebenso, wie die Angst vor ihnen. "Du kriegst ein Gewehr und regelmäßig etwas zu Essen", erzählen die Kinder von ihrer Zeit als Soldaten. Häufig war das eine Motivation für sie, sich freiwillig für die Armee rekrutieren zu lassen, allzu oft allerdings geschah dies unter Zwang und mittels Entführungen.

Stehen sie erstmal in Lohn und Brot der Milizen, beherrschen Angst und Gewalt den Alltag. "Ich bekomme zwar Alpträume davon, aber Töten ist für mich normal geworden, wie Händeschütteln bei einer Begrüßung", erklärt ein Junge.

Demobilisierung von Kindersoldaten ist ein langer Prozess

Um an die Kindersoldaten heranzukommen, bedarf es vieler Gespräche. Zunächst müssen die Behörden von dem Vorhaben überzeugt werden und die Abgabe der Waffen unterstützen. Wurde die Identität der Kinder festgestellt, erhalten sie ihre Dokumente. Erst mit den offiziellen Papieren über ihre Entwaffnung können sie ihre zivile Identität zurückbekommen. Die Caritas nimmt Kontakt zu den verschiedenen traditionellen Chefs und Milizenführern auf und versucht, diese davon zu überzeugen, die Kindersoldaten freizugeben. Bedauerlicherweise konnten im Jahr 2013 nur wenige Mädchen von ihren Rebellenführern entrinnen.

Demobilisierung von KindersoldatenDemobilisierung von KindersoldatenCaritas international

Damit die Wiedereingliederung in Gesellschaft und Familie gelingt, ist es in einem zweiten Schritt nötig, die Kinder wieder an das Lernen und die Regelmäßigkeit des Schulbesuchs zu gewöhnen. Krankheiten müssen behandelt und die Kinder zu ihren Familien gebracht werden. Oft bedarf es einer intensiven Suche, um die Familien überhaupt zu finden, da die Kinder zum Teil aus ganz anderen Regionen rekrutiert worden sind.

Mit der schwierigste aber auch der wichtigste Part ist die psychologische Betreuung der Kinder. In den Demobilisierungszentren wird ein Grundstein dafür gelegt, dass die Kinder lernen, in einem zivilen Leben angemessen zurecht zu kommen. Angeboten werden Freizeitaktivitäten, Aufklärungskurse und Lernangebote in Landwirtschaft und Viehzucht.

Junge macht einen Salto über einen alten AutoreifenFähigkeiten von Kindersoldaten fördern - für ihre Anerkennung!Sebastian Sunderhaus

Die Kurse der Caritas Goma richten sich nicht allein an Kindersoldaten. Auch die Bevölkerung, die Familien oder Nachbarn müssen lernen, mit der problematischen Situation umzugehen. Dazu führt Caritas öffentliche Fortbildungen durch und strahlt Radiosendungen aus. Juristen und Sozialarbeiter/innen informieren über die international anerkannten Rechte von Kindern und die lebenslangen Folgen schwerer Traumata.

Die Partnerorganisation für dieses Projekt ist die Caritas der Diözese Goma, mit der Caritas international bereits seit 1994 zusammenarbeitet. Die Hoffnung über die Jahre hinweg war, dass sich der Bedarf für dieses Programm verflüchtigen würde, jedoch ist dies seit Jahren nicht der Fall.

Schon früh war absehbar, dass der Bedarf die geplanten Zahlen auch in 2012 überstieg und auch in 2013 übersteigen wird. Geplant war, insgesamt 800 Kinder und Jugendliche im Jahr 2012 zu demobilisieren, jedoch wurden schon allein von Juli bis Oktober 462 Kinder demobilisiert. Von Juli 2012 bis Juni 2013 waren es insgesamt 1033 Kinder, für das kommende Jahr rechnen die Betreuer mit 1.800 Kindern, denn alle vier Transitzentren erhielten monatlich neue "Zugänge". Weitere 262 Kinder leben nun wieder in ihren Herkunftsdörfern oder Familien. Sie werden über ein weiteres Jahr bis 2014 betreut, um die Wiedereingliederung in die Schule zu gewährleisten.

Ein große Herausforderung bleibt die Demobilisierung von Mädchen. Sie werden oft von der Gesellschaft als "schmutzige Mädchen" angesehen, sobald sie in den Rebellengruppen gelebt haben. Derzeit wird mit den Betreuerinnen eine Strategie erarbeitet, um die Chance auf eine erfolgreiche Wiedereingliederung von Mädchen in den Alltag zu verbessern.

August 2013

Videoclip Nice Game von Tilman Egel /Gewinner des Audience Award Viral Video 2010
Social Spot: Videoanimation zum Thema Kindersoldaten. Vordiplomarbeit Filmhochschule Potsdam / Babelsberg. Inhaltliche Beratung: Caritas international

MakingOfNiceGame from Til Gold on Vimeo.