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Afrika

Flucht und Migration

Marokko: Im Transit

Dächer einer ärmlichen WohngegendAm Rande von Rabat in den teils provisorischen Häusern leben viele Migranten aus Subsahara-AfrikaHannes Stegemann

Seit Jahren gilt Marokko als Durchreiseland für Migranten aus der Subsahara auf ihrem Weg nach Europa. Doch die Zahl derjenigen, die sich für längere Zeit in Marokko niederlassen, ist in den letzten Jahren gewachsen. Nicht zuletzt infolge der restriktiven Einwanderungspolitik der Europäischen Union und der strengen Grenzüberwachung.

Geschätzt wird, dass jährlich mindestens 4.500 Migranten aus den Ländern südlich der Sahara in Marokko ankommen. Inzwischen leben Zehntausende von ihnen langfristig in dem Maghrebland.  Vier von fünf der in Marokko Verbleibenden haben bislang keinen Aufenthaltsstatus und damit kein Aufenthaltsrecht. Das ist zugleich der Grund, warum es kaum verlässliche Angaben dazu gibt, wie viele Menschen in Marokko als Migranten und Migrantinnen leben.

Sicher ist hingegen, dass sich die überwiegende Mehrzahl der Menschen in einer sehr prekären ökonomischen Lage befindet. Ein durch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) zugeteilter Flüchtlingsstatus wird von der marokkanischen Regierung nicht immer anerkannt. Das hat Konsequenzen: Wer keine oder keine marokkanischen Papiere hat, hat auch keinen Zugang zum regulären Arbeitsmarkt. Aus Angst, abgeschoben zu werden, wagen viele es nicht, sich in öffentlichen Gesundheitszentren behandeln zu lassen. Die Kinder werden nicht eingeschult. Um eine Bleibe zu finden, sind die Betroffenen auf Hilfe angewiesen. Unsicherheit, Willkür und Perspektivlosigkeit schwächen die Menschen in ihrer Suche nach einer Lebensperspektive.

Im September 2013 leitete die marokkanische Regierung eine Neuorientierung ihrer Migrationspolitik ein. Sie führte zur Einrichtung eines eigenen Migrationsministeriums und zu einer gewissen Öffnung: Im Jahr 2014 konnten alle Migranten und Migrantinnen, die länger als fünf Jahre in Marokko lebten, das Aufenthaltsrecht beantragen. Mehr als 30.000 machten davon Gebrauch. Zwei Drittel von ihnen waren erfolgreich. Die Abschottung der Grenzen nach Europa sowie die neue marokkanische Einwanderungspolitik führen dazu, dass sich das Land vom Transit- zum Zielland für Migranten aus Subsahara-Afrika entwickelt.

Gehen oder Bleiben?

Dennoch: die meisten Migranten in Marokko führen ein Leben in der Warteschleife: Sie warten auf eine Aufenthaltsgenehmigung oder auf den richtigen Moment, nach Europa zu gelangen. Die Zeit des Wartens ist jedoch verlorene Zeit für sie. Denn die schulischen und beruflichen Qualifikationen, die sie in ihrer Heimat erworben haben, liegen immer länger zurück und verlieren an Wert. "Wenn wir es vielleicht tatsächlich irgendwann nach Europa schaffen, sind wir wahrscheinlich schon zu alt, um uns dort ein besseres Leben aufzubauen", resümiert Blaise Mayemba, Präsident des Vereins APIMA zur Förderung und Integration von Migranten in Marokko (Association pour la Promotion et l’Integration des Migrants au Maroc). 

"Es gibt einige Tausend Flüchtlinge aus dem Nahen Osten in Marokko, die sofort eine Aufenthaltsgenehmigung in Marokko bekommen, ohne einen Asylantrag stellen zu müssen", so Hannes Stegemann von Caritas international. Bettelnde Flüchtlinge aus Syrien an den Straßenkreuzungen verdrängen zunehmend die subsaharischen Migranten, weil die Solidarität der marokkanischen Gesellschaft eher den Syrern gilt. Das ist nur ein Grund, warum viele Migranten weiterreisen wollen, nach Libyen zum Beispiel. Von hier aus erhoffen sie sich zudem eine Überfahrt nach Europa, die in Marokko derzeit wegen der Patrouillen durch Grenzbehörden fast völlig unmöglich ist.

Auch in den nordafrikanischen Nachbarstaaten Mauretanien und Algerien sind viele Migranten "unterwegs", unter ihnen viele Frauen und Kinder. Auf der Suche nach einer menschenwürdigen Zukunftsperspektive wissen viele nicht mehr weiter. Daher ist eine enge Zusammenarbeit mit anderen nordafrikanischen Caritas Organisationen im Bereich der Betreuung von Migranten für alle ein Gewinn.

Von 2013 bis 2016 hat die Caritas in ihren drei Migrations-Zentren in Rabat, Casablanca und Tanger rund 12.000 Migranten begleitet.

August 2016