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Afrika

Gesundheit, Pflege, Sucht

Mosambik: Gesundheit auf Rädern

„Wissen weitergeben und die Gemeinde unterstützen“

PortraitReferentin Jutta Herzenstiel mit einer freiwilligen GesundheitsaktivistinCaritas international

Woher stammen die Freiwilligen die sich zu Gemeindehelfern ausbilden lassen?

Die Freiwilligen ("Activistas") kommen aus den umliegenden ländlichen Gemeinden  der Missionsstation Estaquinha. Für ihre Arbeit in den Gemeinden und den zweiwöchentlichen Treffen in der Mission müssen manche mit dem Fahhrad bis zu 30 Kilometer fahren.

Was ist die Motivation für ihr Engagement?

Die größte Motivation für ihr Engagement besteht darin, ihre ländliche Gemeinde zu unterstützen, etwas zu lernen und dieses  Wissen weiterzugeben, sowie Anerkennung für ihren Einsatz zu bekommen. Die meisten Freiwilligen arbeiten als Kleinbauern in der Subsistenzlandwirtschaft. Ihre Familien leben von dem was sie anbauen. Die Freiwilligen kommen jedoch, im Vergleich zu den meisten Familien, aus Verhältnissen, die es ihnen erlaubt haben die Schule zu besuchen. Sie können lesen und schreiben. Ganz wenige haben zudem eine Berufsausbildung absolviert. Selbstverständlich erhalten die Freiwilligen für ihre Tätigkeit auch ein kleines Gehalt. Damit unterstützen sie ihre Familien finanziell. 

Wie werden sie auf die Krankenbesuche vorbereitet?

Neben Trainingseinheiten von Ärzten der katholischen Universität sowie von staatlichen Gesundheitsbehörden, schulen die Schwestern, Pfleger und Koordinatoren des Gesundheitszentrums in Estaquinha die Helfer in mehreren Kursen. So lernen sie die Entstehung und den Verlauf der gängigsten Krankheiten wie z.B. Malaria, Tuberkulose und Cholera zu erkennen und darüber hinaus möglichst eine  Behandlung einzuleiten. Die Aufklärung über die HIV-Infektion und Präventionsmaßnahmen sowie Behandlungsmöglichkeiten stehen hierbei im Fokus der Schulungen. Ein Thema ist etwa die Schwangerschaft und Vermeiden von vertikaler Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das Neugeborene. Weiteren Schulungsthemen sind: Kenntnisse der häuslichen Pflege, Naturmedizin, Hygiene und die gesunde Ernährung.

Was erreichen die "Acitivistas"?

Die "Activistas" klären auf, sensibilisieren und motivieren die Gemeinde sich mit Gesundheitsthemen und Ernährung auseinander zu setzen. Die "Activistas" leisten hier wichtige Überzeugungsarbeit. Sie bewegen die Gemeindemitglieder u.a. dazu im Gesundheitszentrum einen Aids-Test zu machen. Falls er positiv ist, werden sie davon überzeugt eine antiretrovirale Behandlung in Anspruch zu nehmen. Die Freiwilligen bilden mit ihrer Aufklärungsarbeit eine Verbindung zwischen dem Gesundheitszentrum und der Gemeinde. Leichte Symptome und Verletzungen können von den Freiwilligen behandelt werden, dafür bekommen sie als Basisausrüstung einen Rucksack mit Verbandsmaterial, Handschuhe, Desinfektionsmittel, Antibiotika, Aspirin, etc

Wo geraten sie an ihre Grenzen?

Grenzen werden ihnen bei der Behandlung von Schwerkranken aufgezeigt, die mitunter auch operiert werden müssen. Da muss dann der Arzt, Pfleger oder Krankenwagen kommen. Viele Erkrankte vertrauen jedoch eher dem traditionellen Heiler und müssen erst dazu bewegt werden sich ans Gesundheitszentrum zu wenden.

Wie wichtig sind neben den medizinische Kenntnisse der Helfer ihre sozialen und psychologischen Kompetenzen?

Wir haben viel Erfahrung mit diesem Thema. In anderen Projektgebieten haben wir bereits Kurse zur psychologischen und sozialen Schulung der "Activistas" angeboten. Besonders beim Umgang mit dem Thema HIV/Aids sind Kompetenzen in diesem Bereichen gefragt. In Mangunde zum Beispiel sprechen die Menschen, auch die Infizierten,  jetzt öffentlich über HIV. Dies ist sicherlich auch ein Erfolg der Freiwilligen. In vielen Teilen Mosambiks ist das Thema jedoch noch ein Tabu oder mit vielen Stigmata verbunden.  Daher möchten wir auch in Estaquinha Kurse anbieten, in denen unseren Helfern ein pädagogischer Umgang mit dem Thema bei ihren Krankenbesuchen aufgezeigt wird.

Januar 2017