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Afrika

Krisen und Konflike

Nigeria: Zuversicht säen

Für eine Chance auf Rückkehr

GruppenportraitGeflüchtete finden in einem Rohbau in Maiduguri vorübergehend eine UnterkunftGernot Ritthaler

In den Bezirken Hawul und Asikra Uba leben 1,43 Millionen Vertriebene, beide Bezirke liegen im Distrikt Borno im Norden Nigerias. Die Sicherheitslage bleibt in diesem Gebiet prekär: Straßensperren sind Alltag und Überfälle keineswegs auszuschließen, wenngleich die Rate der bewaffneten Raubzüge der Terrororganisation Boko Haram in 2015 und 2016 deutlich höher war als derzeit. Doch das Leben in der Region hat sich seit dem tödlichen Treiben des islamistischen Terrors verändert. (siehe Situation)

Trotz der zahlreichen Vertriebenen sind in Hawul und Asikra Uba nur wenige humanitäre Akteure tätig, Nothilfe gibt es kaum. Auch die gastgebenden Gemeinden, bei denen neun von zehn Vertriebenen unterkommen, sind mit ihren Kräften vielfach am Ende. Die Landwirtschaft wirft kaum noch etwas ab, da den Menschen die Mittel fehlen, um das Land zu bewirtschaften. Die Ernten des letzten Jahres wurden vielfach geplündert oder sind aufgebraucht. Vom Regen allein kann auch der Bauer nicht leben, wenn Saatgut und Dünger fehlen, wenn die Felder nicht zugänglich sind.

Begünstigter und 2 Caritas Mitarbeiter im PortraitDieser Mann hat von dem Angebot profitiert, auf einem Markt mit einer elektronischen Karte genau das kaufen zu können, was er für seine Familie am Nötigsten braucht.Gernot Ritthaler

So individuell wie möglich

Daher zielt der erste Schritt der Hilfe durch Caritas international und dessen Partner (Caritas Nigeria und Catholic Relief Service Nigeria) darauf, die Ernärhungslage zu stabilisieren. Über die Hälfte der Vertriebenen sind Frauen und Kinder. Derzeit erhalten Kinder im Alter zwischen 6 Monaten und 5 Jahren, die an leichter oder akuter Mangelernährung leiden, eine Diagnose und individuelle Behandlung. Sie werden von Zentren betreut, die eine Ernährung anbieten, die speziell und individuell auf sie abgestimmt ist.

Wer Saatgut hat, wird säen

Bedürftige Haushalte erhalten ein Startpaket für Einkommen schaffende Aktivitäten wie den Anbau von Gemüse oder den Verkauf von selbstgekochten kleinen Zwischenmahlzeiten. Saatgut und kleinere Geräte für die Landwirtschaft gehören zu den beliebtesten Hilfsgütern - damit können die Haushalte selber wieder Hand anlegen und im Rahmen ihrer Kräfte die Existenzgrundlage verbessern. Eine Messe für den Bedarf an landwirtschaftlichen Artikeln, auch Agricultural Input Fair genannt, erweist sich hier als effiziente Unterstützung. Hier können die Bedürftigen mit elektronischen Karten aus einer Liste auswählen, was sie brauchen, und somit selbst die Zusammensetzung der Hilfe bestimmen.Das bargeldlose Verfahren hat sich bewährt: auf dem Display eines Smartphones wählen die Bedürftigen aus einer Liste bis zu einem maximalen Betrag die Artikel aus, die sie benötigen. Die Registrierung und Abrechnung mit dem Projekt erfolgt bargeldlos.

Wasser und sanitäre Anlagen

Sowohl Rückkehrwillige als auch Gastfamilien in den  Dörfern, aus denen die Menschen geflohen waren, erhalten einen verbesserten Zugang zu Wasser und Sanitäreinrichtungen. Es werden belüftete Latrinen gebaut, Handpumpen installiert und die Hygiene gefördert. Denn das Risiko von Infektionskrankheiten ist aufgrund der weithin zerstörten Dorfstruktur groß, viele Häuser wurden zerstört und der sorgfältige Umgang mit Wasser und Abwasser sowie Fäkalien ist in dieser Situation entscheidend.

Perspektivisch lotet die Caritas Möglichkeiten der Versöhnungsarbeit aus, denn in der Atmosphäre von Angst und Misstrauen kann eine Rückkehr in die Dörfer nur gelingen, wenn wieder Vertrauen zwischen den Vertriebenen, den Zurückgebliebenen und den zwangsrekrutierten Jugendlichen wächst. Dafür braucht es Zeit, aber auch professionelle Mediation und Begleitung. Hier wird sich die Caritas, die mit ihren Mitarbeitenden in den Dörfern bereits jetzt Ansprechpersonen vor Ort hat und Vertrauen genießt,  künftig vermehrt engagieren.

September 2017