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Afrika

Katastrophenvorsorge

Vorsorge gegen Dürre und Wassermangel

2 Männer tragen Wasser in einem gorßen Bottich zu einer Herde von SchafenDas Leben der Viehhirten hängt davon ab, ob ihre Tiere genug Wasser bekommen. Hier werden die Kleintierherden am Brunnen in Kondorer getränkt.Bente Stachowske

Die Region Marsabit im Norden Kenias grenzt an Äthiopien. Das wüstenähnliche Klima mit extrem begrenzten Niederschlägen und Temperaturen bis zu 42 Grad Celsius ist für die hier lebenden Viehhirten an sich schon eine Herausforderung. Immer wieder fällt der Regen ganz aus und es kommt zu anhaltenden Dürren. Schon bei der großen ostafrikanischen Dürre 2010/2011 zählte Marsabit zu den besonders hart betroffenen Gebieten. In diesem Jahr fiel die erste Regenzeit wieder aus, und auch die zweite lässt auf sich warten. In Marsabit entziehen die Dürrephasen den Menschen zunehmend die Lebensgrundlagen. Und auch die Lebesmittelpreise haben sich in den letzten Monaten fast verdoppelt, worunter besonders die Ärmsten leiden.

Die harschen klimatischen Bedingungen in der Region Moyale und North Horr lassen keinen Ackerbau zu. So leben im trockenen Norden des Landes 85 Prozent der Menschen mit und von ihren Viehherden, die meisten als Nomaden. Die Wege von den kargen Weiden bis zu den Wasserstellen sind für Mensch und Tier ein erheblicher Stressfaktor. Für ihre Herden, von denen die Viehhierten Milch und Fleisch für die eigene Ernährung erhalten, ist Weideland und Wasser lebensnotwendig. Wenn der Regen ausfällt, müssen die Kinder oft über Monate mit den Herden auf der Suche nach Weideland umherziehen. Ein regelmäßiger Schulbesuch ist insbesondere für die Kinder armer Hirtenfamilien dann kaum mehr möglich.

Aufgrund der Übernutzung der verbliebenen Weideflächen sind diese zunehmend der Erosion ausgesetzt und bieten nicht mehr genügend Nahrung für die Viehbestände. Die Viehhalter im Süden Äthiopiens und im Norden Kenias "wandern" zwischen den Ländern hin und her. Ab und an kommt es zu Konflikten um Landrechte und Vieh zwischen den hier lebenden Gabra und Burji auf der einen und den Borana auf der andern Seite. Hinter diesen Konflikten werden politische Interessen im Grenzbereich Kenia/Äthiopien vermutet - die Dürren und fehlenden Weiden verschärfen die Auseinandersetzungen.

Wenn die Vorräte verbraucht sind...

Auch In der Diözese Nyeri nehmen langanhaltende Dürreperioden sowie heftige Regenfälle außerhalb der Regenzeit zu. Die damit verbundene Ernteausfälle im Laikipia Central Distrikt und in Teilen der Provinz Rift Valley wirken bis in die Städte und urbanen Zentren: Grundnahrungsmittel wie Bohnen und Mais werden teuer, viele städtische Arme können sich die tägliche Mahlzeit nicht mehr leisten.

Mitarbeiter der Caritas Kenia auf einem neu gepflanzten FeldHarte Bedingungen in der Dürreregion. Doch auch hier kann die Saat aufgehen.Wolfgang Fritz / Caritas international

Den Bewohner/innen vor allem im nördlichen Bereich der Diözese Nakuru ergeht es ähnlich wie in Nyeri oder Marsabit. Im Bezirk Baringo County ist die Landschaft karg, der Boden steinig. Auch hier sind die meisten Bewohner/innen Viehhirten - sie leben mit und von ihren Tieren. Sie wandern in der Trockenzeit mit ihren Herden - und oftmals mit der ganzen Familie - auf der Suche nach Wasser und nach geeigneten Weidegründen umher.

Die letzte große Dürreperiode im Jahr 2011/2012 in Baringo hatte katastrophale Konsequenzen: Wegen der knapper werdenden Wasserreserven kam es 2014 verstärkt zu teilweise massiven Konflikten innerhalb der Gemeinden.

Frauen verbringen bis zu zwölf Stunden pro Tag mit der Suche nach Wasser für die Familien. Vor allem gegen Ende der Trockenzeit steigt regelmäßig die Anzahl der unterernährten Kinder, denn ohne Wasser kann kein Brei gekocht werden, und Früchte sind hier kaum verfügbar. Schwierig wird zudem die Ernährungssituation von Schwangeren und Müttern mit kleinen Kindern. Der Wassermangel verursacht zudem eine hohe Rate an Schulabbrüchen an den Grundschulen, weil die Kinder mit den Herden auf der Suche nach Wasser umherziehen.

Anpassung braucht Vorsorge

Kurzfristige Nothilfeprogramme der Caritas Nyeri und Caritas Nakuru sind für die Betroffenen eine wichtige Überlebenshilfe. Dennoch wurde klar, wie notwendig es wird, die landwirtschaftliche Situation langfristig zu verbessern. Im Rahmen eines Programms zur Reduzierung der Risiken versuchen die Mitarbeiter/innen der Partnerorganisationen von Caritas international nun, die Folgen zukünftiger Dürreperioden im Vorfeld zu mindern und die Bevölkerung auf dürrebedingte Stresssituationen besser vorzubereiten.

November 2016