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Afrika

Situation

Somalia: Nothilfe und Wasser für Vertriebene

Hunger ist eine Folge der politischen Wirren

Seit dem Sturz von Siad Barre 1991 wird Somalia von Bürgerkriegen und Kämpfen lokaler Clans, Warlords sowie djihadistischer Gruppen zerrieben. Seit rund fünf Jahren gewinnt die islamistische Terrormiliz Al-Shabaab im Süden des Landes an Rückhalt. Im Nordwesten kämpfen seit 1988 VertreterInnen der heutigen "Republik Somaliland" um die Anerkennung als eigenständiger Staat. Die Rebellenbewegung Somali National Movement (SNM), die sich gegen das Regime von Siad Barre konstituiert hatte, erklärte Somaliland 1991 einseitig als unabhängig.

Staatszerfall und Autonomiebestrebungen

Während große Teile von Somalia in Bürgerkrieg und Anarchie versanken, hat es Somaliland einigermaßen geschafft, den inneren Frieden zu wahren und eine halbwegs stabile Demokratie einzurichten. Federführend bei der Unabhängigkeitserklärung und treibende Kraft bei der Abspaltung des ehemals größtenteils britisch-kolonisierten Nordens vom größtenteils italienisch-kolonisierten Süden Somalias war die SNM. Inzwischen wird das Gebiet weitgehend auf der Grundlage einer somaliländischen Regierung regiert, die den völkerrechtlichen Kriterien für Staatlichkeit halbwegs genügt: Es gibt Kommunal-, Parlaments- und Präsidialwahlen, die im Vergleich zu jenen in Somalia vorbildlich sind.

Weder die internationale Gemeinschaft noch die Afrikanische Union (AU) haben Somaliland als Staat anerkannt. Aus gutem Grund: Sie befürchten u.a. weitere sezessionistische Bestrebungen in Somalia, die auf eine offizielle Anerkennung folgen könnten. Innerhalb Somalias existieren einige Autonomiebestrebungen, etwa in Puntland, Galmudug und Azania. Die Northern Somali Unionist Movement NSUM kritisiert die angestrebte Abspaltung der somaliländischen Fraktion so: Gegenüber dem in der Republik Somaliland dominierenden Clan der Isaaq fühlten sich andere Clans benachteiligt. Diese bevorzugen eine somalische Schirmherrschaft und ein föderales System.

Die Zeitschrift Foreign Policy nennt Südsudan und Somalia 2015 als die zerbrechlichsten Staaten weltweit (laut Fragile States Index der Organisation The Fund For Peace). Nach den Erfahrungen im Südsudan, das 2011 offiziell unabhängig wurde und dessen Bevölkerung seither in Kriegswirren zerrieben wird, ist die Hoffnung auf Frieden auch in Somalia gesunken. Dass eine Abspaltung und oder Aufteilung in neue Staaten Frieden und Gerechtigkeit für die Bevölkerung mit sich bringen könnte, scheint unwahrscheinlich.

Hilfe nicht ohne Gefahr

Somalia gehört - neben Syrien - zu dem Land, in dem die Gefahren für die Nothilfe-Experten und Hilfskräfte der einheimischen Organisationen auf der Hand liegen: Allein 2008 wurden 37 humanitäre Helfer und Helferinnen getötet, 2014 gab es laut Aid Worker Security Database (AWSD) erneut acht registrierte Übergriffe. Zudem wurden in der letzten Dekade 30 Direktoren von humanitären Hilfsorganisationen entführt. Im Dezember 2013 wurden drei syrische Ärzte und ein somalischer Arzt auf dem Weg zu einer Gesundheitsstation außerhalb von Mogadischu von Unbekannten erschossen.

Vor Ort in Mogadischu gehen lokale Hilfsorganisationen davon aus, dass die Mörder und Entführer oder auch jene, die Büros in Brand stecken oder Hilfsgüterlieferungen abfangen, zum terroristischen Untergrund gehören. Beweise gibt es ebenso wenig wie eine Alternative: Ohne die humanitäre Hilfe wären viele Vertriebene völlig auf sich gestellt.

Überlebenshilfe

Die Organisation ECHO schreibt, eine große Herausforderung der Humanitären Hilfe in Somalia bleibt der Zugang zu den Hilfsbedürftigen. Über sechs Millionen von 12,3 Millionen Menschen sind dringend auf überlebenswichtige Hilfe angewiesen. Aufgrund vielfacher Menschenrechtsverletzungen und einer extrem eingeschränkten Pressefreiheit ist es umso wichtiger, dieser teils vergessenen und in den Medien kaum mehr präsenten Krise nicht den Rücken zu kehren.

Juni 2016