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Afrika

Situation

Somalia: Nothilfe und Wasser für Vertriebene

Flüchtlingsfamilie in MogadischuSo wie diese Familie sind viele Somalis bereits mehrfach geflohen.

Rund 16 Millionen Menschen sind am Horn von Afrika von Hunger und Dürre betroffen, viele sind zudem Opfer von Kriegswirren und Vertreibung. Somalia ist das Land mit den meisten Betroffenen: Rund 6,2 Millionen Menschen sind derzeit nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft zu ernähren. Das ist die Häfte der Bevölkerung des Landes. Bereits im März hatte der Präsident den Notstand ausgerufen. Nun sollte längst der ersehnte Regen fallen. Doch die Lage bleibt ernst.

Die Regenfälle im April fielen gering aus, und wenngleich der Niederschlag im Mai leicht über der Menge des Vormonats lag, so liegen - je nach Region -  die Regenmengen bis zu 60 Prozent unter dem Durchschnitt. Tatsächlich entspannte sich stellenweise die akute Not an sauberem Trinkwasser und im Süden des Landes wachsen gar erste grüne Weiden. Dennoch ist die Hälfte der somalischen Bevölkerung nach wie vor von einer Hungersnot akut bedroht: Selbst wenn die Ziegen nun spärliches Futter finden, werden sie nicht vor Oktober Milch geben. Viele Menschen sind von der Dürre geschwächt und haben keine Kraft und keine Mittel, Sorghum oder Mais zu säen, und damit wird die Erntezeit extrem mager ausfallen. Diejenigen, die vor der Dürre und den Kriegswirren in die informellen Siedlungen in Stadtnähe geflüchtet sind, haben in der Regel keine Felder, die sie bestellen könnten. Eine gute Pflanzzeit ist mit dem spärlichen Regen ohnehin nicht gewährleistet. Die Preise für ein Kilogramm Sorghum, eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel, stieg allein von März bis Mai von 8.400 Somalia-Schilling auf über 10.700 Somalia-Schilling an. Die Vertriebenen können sich diese Priese kaum merh leisten.

Politische Instabilität hat viele Gesichter

Vor allem in der Mitte und im Süden des Landes hat die Bevölkerung unter bewaffneten Konflikten zwischen der Regierung und der radikalislamistischen Terrorgruppe al-Schabaab sowie unter Kämpfen rivalisierender Clans zu leiden. Der somalische Staat ist faktisch seit Jahrzehnten nicht mehr existent, das hat Konsequenzen [zum geschichtlichen Hintergrund]. So ist die Ernährungslage der Bevölkerung prekär. Laut Schätzungen der Welternärhungsorganisation sind über sechs Millionen Menschen auf Hilfe für Nahrungsmittel angewiesen. Bereits 2016 war jedes fünfte Kind mangelernährt. Es fehlt an allem: an sauberem Trinkwasser, Medikamenten, Moskitonetzen, sanitären Anlagen. Selbst Kochgeschirr und Wasserkanister sind nicht überall vorhanden.

Somalia gehört laut Index der Organisation The Fund For Peace zu den vom Staatszerfall am meisten gefährdeten Ländern. Ein Blick auf das ostafrikanische Land zeigt, dass es in einigen Regionen dennoch friedensfördernde Entwicklungen gegeben hat. So zeichnet sich seit 2012 eine politische Stabilisierung ab, die zumindest für einige Regionen das Potential einer Befriedung birgt - in dem Jahr wurde eine vorläufige Verfassung angenommen. Auf ihrer Grundlage trat am 16. September 2012 eine neue Regierung unter Führung von Präsident Hassan Sheikh Mahmud ihr Amt an. Dieser erste Schritt in Richtung Wiederaufbau staatlicher Strukturen kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die aktuelle humanitäre Lage weiterhin prekär und die Sicherheitssituation instabil bleiben.

Der Alltag der Menschen vor allem im Süden und in der Mitte Somalias ist auch in diesem Jahr von bewaffneten Auseinandersetzungen geprägt. Längst geht es dabei nicht mehr nur um die mit Waffengewalt ausgetragenen Streitigkeiten zwischen rivalisieren Clans oder Sub-Clans. Insbesondere der bewaffnete Kampf zwischen der Regierung und der islamistischen Terrorgruppe al-Schabaab haben zu Vertreibungen beigetragen. Die Regierung wird von internationalen Kräften der Mission AMISOM der Afrikanischen Union unterstützt, die Al-Schabaab gelten als Al-Kaida-nahe djihadistische Terrorgruppe.

Vertreibung verursacht Hunger

Eine Million Menschen sind in den letzten Jahren aus Somalia geflohen. Aktuell leben in Somalia zudem über eine Million Binnenvertriebene. Davon haben 350.000 bis 400.000 Personen in der Banadir-Region rund um die Hauptstadt Mogadischu Zuflucht gesucht.

Ständige Gängelung und Terrorisierung der Bevölkerung im Süden sind derzeit der Hauptgrund für Flucht und Vertreibung. Aufgrund der politischen Krise im Jemen sind fast 30.000 Somalier/innen in ihr Land zurückgekehrt und stehen nun vor dem Nichts. Hinzu kommt die unsichere Ernährungslage infolge der politischen Krise. Sie wird durch klimabedingte Dürren und Fluten und durch sich wiederholende Ernteausfälle verschärft.

Die humanitäre Lage in Banadir ist besorgniserregend: Laut Food Security and Nutrition Analysis Unit (FSNAU) stehen rund einem Viertel aller Vertriebenen weniger als 20 Dollar im Monat zur Verfügung. Das reicht bei weitem nicht aus, eine angemessene Ernährung zu gewährleisten. Die Kinder essen nur zweimal am Tag, Erwachsene können sich nur noch eineinhalb Mahlzeiten täglich leisten. Hunger und Mangelernährung treffen wie so oft die Schwächsten: kleine Kinder und alte Menschen, die nicht mobil sind, alleinerziehende Mütter und unbegleitete Kinder, die ihre Eltern oder Familien verloren haben. Eines von elf somalischen Kindern erreicht den ersten Geburtstag nicht, die Kindersterblichkeit ist eine der höchsten weltweit.

Um diese prekären Zustände zu verbessern, leisten die Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas international zusammen mit der lokalen Partnerorganisation überlebenssichernde Hilfe für Bedürftige. Verteilt werden Warengutscheine, mit denen die Betroffenen in dieser akuten Notsituation ihren Bedarf an Nahrung decken können.

Juni 2016