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Afrika

Konflikte und Krisen

Sudan: Versorgung in den Nuba-Bergen

Nahrungsmittel, Impfstoffe, Prothesen - Gesundheitsversorgung in Gidel

Das Mother of Mercy Hospital in Gidel ist das einzige Krankenhaus in den Nuba-Bergen. Es war ursprünglich für 80 Betten ausgelegt, de facto werden seit Ausbruch des Krieges in Südkordofan permanent rund 430 Patienten und Patientinnen stationär behandelt. Und wenn die lang ersehnten Impfstoffe geliefert werden, warten Dutzende von Frauen in der Wartehalle, um ihre Kinder impfen zu lassen. Die Menschen laufen tagelang, manche gar über Wochen, um in Gidel eine Behandlung zu bekommen.

Schwester Angelina, Matron vom Mother of Mercy Hospital, organisiert den Arbeitsablauf in dem Krankenhaus mit rund 200 Angestellten. Durch einen Korridor voller Betten gelangt man zu den Operationssälen - einen kleinen Saal für einfache Operationen und einen größeren für alle schwereren Fälle. Operationstage sind zwei Mal wöchentlich, dazu kommen Notfälle. Die häufigsten Diagnosen sind Malaria, Tuberkulose, zunehmend HIV/Aids, sowie Verletzungen durch Bomben und Bombensplitter. Bei aller Professionalität, die der hier operierende Arzt und Schwester Angelina an den Tag legen: Es fehlen Medikamente, Betten, Latrinen, Impfstoffe, Verbandsmaterial.

Nahrungsmittel, Impfstoffe, Prothesen

Gemeinsam mit dem Projektpartner, der Bishop Gassis Relief and Rescue Foundation, unterstützt Caritas international daher das Krankenhaus bei der medizinischen Grundversorgung der vom Konflikt betroffenen Bevölkerung und ermöglicht Notfalloperationen sowie überlebenswichtige Impfungen für Kinder unter fünf Jahren. An das Krankenhaus angeschlossen ist eine Apotheke. Hier werden Medikamente kostenfrei an die Patienten ausgegeben. Geliefert werden die Medikamente zwei Mal im Jahr, im Frühjahr und gegen Ende des Jahres. Denn während der Regenzeit von Juni bis Oktober ist der einzige befahrbare Korridor von Yida in die Nuba-Berge gesperrt.

Damit das einzige Krankenhaus in der Region die dringend benötigten Kapazitäten für die Versorgung der Kranken verbessern kann, stellt Caritas international drei Großzelte zur Verfügung und beschafft Zement für den Bau von Latrinen. Finanziert werden zudem Prothesen für jährlich 220 versehrte Menschen sowie eine Nachbehandlung in 150 Krankheitsfällen. Insbesondere die Reparatur und die Anpassung von Prothesen wachsender Jugendlicher kann so gewährleistet werden. Auch wird Material für Augenoperationen und für die Nachbetreuung von 1.700 operierten Patienten und Patientinnen bereitgestellt.

Die Bedürfnisse der Fauen im Blick

Je nachdem, wie weit entfernt sie wohnen und wie lange ihre Behandlung dauert, campieren die Patienten auf dem Krankenhausgelände. Jeden Freitag findet eine Nahrungsmittelverteilung statt, so dass sie sich ihr Essen selber kochen können.

In der Umgebung von Gidel unterstützt Caritas international den Projektpartner zudem bei einem Frauenprogramm, das jeden Donnerstag- und Freitagnachmittag ein Training anbietet. Gesprochen wird über Hygiene und gesunde Ernährung, für die Kinder, für Schangere und stillende Mütter. Zudem nehmen Frauen an Kursen in Nähen, Häkeln und Töpfern teil oder an einem Alphabetisierungskurs in Arabisch. Auch erhalten bedürftige Frauen Seife, Unterwäsche, Eimer, Kanister, Küchensets, Moskitonetze und Hygienepäckchen.

Eine Weiterbildung von Geburtshelferinen, Freiwilligen und Laborpersonal in den Bereichen Hygiene, Basisgesundheitsvorsorge und Ernährung sind langfristig angelegt. So werden 200 freiwilige Helfer und Helferinnen in die Aufklärungsarbeit und das aufwändige Impfprogramm eingebunden.

Stimmen des Friedens

Die Radiostation Voices of Peace wird von der mexikanischen Sister Maria Carmen geleitet. Das ambitionierte Programm machen rund fünfzehn Leute, darunter Journalisten, die permanent unterwegs sind und Geschichten aufnehmen. Das Radioprogramm sensibilisiert in einem Empfangsradius von rund 70 Kilometern die Zuhörerschaft für wichtige Themen wie Ernährung, Frauenrechte und Kinderrechte. Die Sendungen werden in verschiedenen Sprachen übersetzt. Mit 500 solar- oder kurbelbetriebenen Radios erhalten Familien einen Zugang zu diesen wichtigen Informationen.

August 2016