zurück

Afrika

Konflikte und Krisen

Sudan: Versorgung in den Nuba-Bergen

Zwei Jungen in einem CampFlüchtlingscamp in Agok: Eine Million Menschen leiden unter dem Krieg im Sudan, zehntausende sind aus der Region Abyei in den Südsudan geflohen. Paul Jeffrey / Baobab Caritas Internationalis

Der Sudan ist ein von Krieg gezeichnetes Land. Auch nach der Teilung und Abspaltung des Südsudan 2011 kommen einige Regionen im Sudan nicht zur Ruhe. Seit nunmehr fünf Jahren leiden die Menschen in den Nuba-Bergen und in West- und Südkordofan unter erbitterten Bodenkämpfen und Luftangriffen.

Zehntausende sind geflohen, und die Familien, die geblieben sind, kämpfen um ihr Überleben. Wasser holen, Feldarbeit und das Hüten der Herden sind lebensgefährlich. Die Menschen sind buchstäblich zwischen die Fronten der Milizen und der Regierungsarmee geraten, viele ziehen sich vermehrt in die Nuba-Berge zurück, doch auch hier ist die Versorgungslage schwierig. Die UN fordert seit langem einen Hilfskorridor aus dem Norden in die Nuba-Berge, aber Omar al-Bashir, der amtierende Präsident des Sudan, weigert sich immer wieder, einen humanitären Korridor vom Sudan aus zu öffnen.

Überleben in den Nuba-Bergen

Zwar schlossen 2005 die Konfliktparteien ein Friedensabkommen. Die Rebellengruppe SPLA (Sudan People´s Liberation Army), die seit 1983 in einem zweiten Sezessionskrieg gegen die nordsudanesische Regierungsarmee um Machthaber Omar al-Bashir gekämpft hatte, wollte die Autonomie und einen souveränen Staat. Und tatsächlich: Das im Friedensabkommen vereinbarte Referendum führte 2011 zur Unabhängigkeit des Südsudan. Doch damit kam kein Frieden für die Menschen in Südkordofan und den hier liegenden Nuba-Bergen.

Bei den Friedensverhandlungen 2005 hielt Omar al-Bashir an der Region Abyei und den Nuba-Bergen fest. Der Grund: Eine Ölpipeline, die Öl von Abyei in den Hafen Port Sudan transportiert, durchläuft diese Region. Der ölreiche sudanesische Bundesstaat Südkordofan bleibt bis heute hart umkämpft. Die Nuba-Berge gehören geografisch und politisch zum Sudan, ethnisch und kulturell fühlen sich große Teile der Bevölkerung eher dem Südsudan verbunden. Im Bundesstaat Südkordofan gelegen sind die Nuba-Berge Teil der Diözese El Obeid. Das Gebiet schließt sich direkt an die nördliche Grenze zum Südsudan (Unity State, Upper Nile) und das umstrittene Gebiet Abyei an.

Zwar erklärte Präsident Omar al-Bashir im Dezember 2015 unilateral einen einmonatigen Waffenstillstand, doch die beiden Kriegsparteien, die Sudan People’s Liberation Movement/Army-North (SPLA-N) und die sudanesischen Regierung, lassen nach wie vor die Waffen sprechen. Zwischen April 2012 und Juni 2016 sollen mehr als 3.740 zivile Ziele bombardiert worden sein.

Wenn der Krieg Schulen und Märkte zerstört

Durch den zum Teil wahllosen Abwurf von Streubomben wurden Felder und Ernten vernichtet. Die Kämpfe fanden vornehmlich während der Trockenzeit zwischen Dezember und Mai statt und forderten in den vergangen Jahren viele Todesopfer. Die Folgen des nicht endenden gewaltsamen Konfliktes für die Nahrungsmittelversorgung und die medizinische Versorgung der Bevölkerung sind verheerend: Häuser, Krankenstationen, Schulen und Märkte wurden zerstört oder stark beschädigt. Für die Zivilbevölkerung sind die nunmehr fünf Jahre dauernden Kriegshandlungen eine humanitäre Katastrophe, insbesondere auch, weil die sudanesische Regierung immer wieder den humanitären Zugang zu den SPLA-N kontrollierten Gebieten verweigert hat.

Von den 1,2 Millionen Menschen, die in den von der SPLA-N kontrollierten Gebieten leben, sind 70.000 Menschen über die Grenze in den Südsudan geflohen und befinden sich in dem Lager in Yida nahe der Grenze. Rund ein Drittel der Bevölkerung ist intern vertrieben. Wegen der anhaltenden Kämpfe können sie keine Nahrungspflanzen anbauen, und die Trockenheit im vergangenen Jahr sowie zerstörte Straßen und Märkte haben zu einem Mangel an Nahrungsmitteln geführt.

Es gibt nur noch zwei funktionierende Krankenhäuser in der Region: Eines davon ist das von der Diözese El Obeid betriebene Krankenhaus in Gidel, eine Krankenstation wird in der Nähe von Kauda von den German Emergency Doctors betrieben. Derzeit besucht in der Region gerade einmal die Hälfte aller Kinder eine Schule. Über ein Drittel der Eltern gaben an, die Schulgebühren derzeit nicht zahlen zu können. Viele Schulen wurden zerstört, für andere sind die Wege zu gefährlich.

Die schwierige Sicherheitslage mit Ausbruch des Krieges in 2011 hat dazu geführt, dass nahezu alle internationalen Organisationen die Konfliktregion verlassen haben. Hinzu kommt, dass zwar viele Menschen inzwischen in den Nuba-Bergen verweilen, jedoch in Yida registriert sind. Sie nehmen tagelange Fußmärsche in Kauf, um Grundnahrungsmittel zu erhalten. Zudem hat der Krieg im Südsudan die geringe Unterstützung, die derzeit in den Nuba-Bergen stattfindet, noch erschwert, da LKWs die Verbindungsstraße durch den Südsudan nicht mehr durchqueren können. So sind die Menschen weitgehend auf sich alleine gestellt, über eine Millionen Menschen sind von dringend benötigten Hilfsgüterlieferungen weitgehend abgeschnitten.

Caritas international wird über zwei Jahre das Krankenhaus in Gidel unterstützen, um die Gesundheitsversorgung der zivilen Bevölkerung in der Konfliktregion zu verbessern.

August 2016