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Afrika

Gesundheit, Pflege, Sucht

Südafrika: Kranken helfen - Waisenkinder stärken

Seit der formalen Überwindung der Apartheid vor 23 Jahren hat die Wirtschaft Südafrikas einen erfolgreichen Weg eingeschlagen: Das Land hat innerhalb des afrikanischen Kontinents besonders im Bereich Forschung und Entwicklung eine Spitzenstellung inne. Nichtdestotrotz wirken viele Altlasten der Apartheid fort. Nach wie vor lebt die Mehrheit der schwarzen Bevölkerung unter wirtschaftlich deutlich schlechteren Bedingungen als Weiße und Inder. Über 16 Prozent der Einwohner/innen leben in extremer Armut, häufig in den ehemaligen Townships am Rande der Großstädte. Das südafrikanische Bildungssystem ist insbesondere in diesen Regionen marode. Eine weitere große Herausforderung stellt die hohe Arbeitslosenquote von offiziell rund 25 Prozent dar.

Jugendliche vor einem Banner für ein HIV-freies AfrikaAufklärungskampagne in einem der Caritas-ProjekteCaritas international

Die Folgen einer verspäteten Aids-Kampagne

In keinem anderen Land der Welt gibt es mehr Menschen, die mit dem HI-Virus leben, als in Südafrika. Und doch hat die Regierung das Problem jahrelang verharmlost oder gar ignoriert. Inzwischen jedoch sagt Südafrika mit einem ehrgeizigen Programm Aids den Kampf an. Die Zahlen sprechen für sich: Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sind etwa 5,6 Millionen Menschen in Südafrika HIV-positiv (von 35 Millionen Betroffenen weltweit). 19  Prozent aller erwachsenen Südafrikaner/innen unter 50 Jahre leben mit dem Virus, das ist bald jede fünfte Person. In erster Linie betoffen ist die schwarze Armutsbevölkerung. 

Gegenwärtig leben in Südafrika mehr als zwei Million Kinder, die ohne Eltern aufwachsen. Für 2015 prognostiziert das südafrikanische Gesundheitsministerium, dass jedes dritte Kind Waise sein wird. In Südafrika gibt es immer mehr Familien, in denen ältere Geschwister für die jüngeren sorgen müssen - häufig übernehmen sie zusätzlich die Pflege für die gebrechlichen Großeltern, bei denen sie nach dem Tod der Eltern untergekommen sind.

Die Folgen der extrem hohen HIV-Rate zeigen sich in allen sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen, ältere Menschen und Kinder sind oft auf sich gestellt, wenn die Eltern krankheitsbedingt ausfallen. Doch auch andere Krankheiten wie Tuberkulose und Atemwegsinfektionen sind gerade bei Menschen mit Zeichen von Mangelernährung zunehmend anzutreffen. Für die Kinder ist eine Mangelernährung immer mit der Gefahr bleibender Schäden verbunden, da sich sich noch im Wachstum befinden. Sinnvoll ist, das Thema Gesundheit mehr und mehr an die Schule zu koppeln: Ein zeitiger und regelmäßiger Gesundheitscheck, den alle in der Schule durchlaufen, kann helfen: Wenn Krankheiten früh erkannt und richtig behandelt werden, sind langfristige Folgen vermeidbar.

Kehrtwende in der Aids-Politik

Mit verantwortlich für die hohe Rate an Infektionen ist das Versagen der Gesundheitspolitik im vergangenen Jahrzehnt. Während der Amtsperiode des Präsidenten Thabo Mbeki wurden seitens der umstrittenen Gesundheitsministerin Tshabala-Msimang wissenschaftliche Erkenntnisse über die Pandemie schlichtweg ignoriert oder gar geleugnet. Erst die Neubesetzung des Ministeriums machte den Weg frei für eine Umorientierung.

Inzwischen hat die Regierung unter Jacob Zuma eine neue Ära im Kampf gegen Aids eingeläutet. Zuma selbst hatte sich zwar vor wenigen Jahren noch mit bizarren Vorstellungen über Präventionsmaßnahmen zum Gespött der Medien gemacht. Doch das neue, ambitionierte Regierungsprogramm gegen die Immunschwäche räumt mit den Fehlern der Vergangenheit weitgehend auf.

Mit landesweiten Aufklärungs- und Präventionskampagnen, dem ausgeweiteten, kostenlosen Zugang zu HIV-Tests und medikamentöser Therapie auch im Frühstadium der Krankheit hofft man, die Pandemie einzudämmen. Auch wird besonderes Augenmerk auf die Infektionsrisiken von Kleinkindern gelegt. Schwangere können sich routinemäßig testen lassen und werden im Fall einer Infektion medizinisch betreut, um das Risiko der Mutter-Kind-Übertragung zu minimieren. Der Etat für die Anti-Aids-Kampagne wurde 2009 um das Doppelte auf rund zwei Millionen Euro erhöht - erste Erfolge sind sichtbar. Der rapide Anstieg von HIV-Prävalenz in den 1990er Jahren ist heute durch entsprechende Vorsorgemaßnahmen quasi zum Stillstand gekommen. Und Aufgrund der anti-retroviralen Behandlung ist die Sterblichkeit stark gesunken.

Mit dem ehrgeizigen Aufklärungsprogramm fallen zunehmend auch die Tabus, das Stigma und die Diskriminierungen, mit denen HIV-Positive und Aidskranke lange belegt waren.

Und dennoch: Das Umdenken in der Aidspolitik war lange überfällig. Für viele Aidstote und sehr schwer Erkrankte kam die Kampagne gegen AIDS zu spät. In der Provinz KwaZulu-Natal leben rund eine Million Kinder, die ihre Eltern durch HIV/AIDS verloren haben. Insbesondere in den armen Gemeinden, den ehemaligen Townships, bleibt die HIV/AIDS Problematik eine enorme Last für Pflegende und Hinterbliebene. Südafrika wird noch viele Jahre unter den Folgen der Versäumnisse leiden.

September 2017