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Afrika

Situation

Südsudan: Dürre und Vertreibung

Menschen auf der Flucht in sehr trockener RegionTäglich machen sich Vertriebene auf den Weg in das Camp Abroch / Upper Nile. Sie flüchten vor Hunger und Gewalt.Ilvy Njiokiktjien

In einem Bericht der Vereinten Nationen (UN) heißt es im Februar 2017, dass 5,5 Millionen Menschen - und damit die Hälfte der Bevölkerung - unter Hunger zu leiden haben, und sollte sich die Situation nicht bald verbessern, drohe vielen dieser Menschen der Hungertod. Leider behielten die UN Recht. Derzeit sind knapp 5 Millionen Menschen im Südsudan von einer aktuen Nahrungskrise betroffen - im Januar waren es 3,8 Millionen. Die gegenwärtige Dürre in Ostafrika verschärft die Lage im Südsudan erheblich, doch der Krieg hat das Land und seine Bevölkerung schon zuvor in große Not gebracht. Besonders betroffen sind die Provinzen Unity und Upper Nile, wo die meisten Menschen durch die Kämpfe vertrieben wurden oder aus Angst vor drohenden Übergriffen ihre Dörfer verlassen haben. Im April und Mai 2017 sind erneut Tausende geflüchtet.Wenngleich in weiten Gebieten des Südsudan der erste Regen wieder fiel, ist an Aussaat aufgrund der Kriegswirren und Vertreibung kaum zu denken.

Machtkämpfe nach der Staatsgründung

Rückblick: Bereits kurze Zeit nach der Staatsgründung 2011 begann im Südsudan ein Machtkampf zwischen Staatspräsidenten Salvar Kiir, der sich als ein Dinka bezeichnet, und dem damaligen Vizepräsident Riek Machar, Angehöriger der Nuer. Als Kiir Vizepräsident Machar absetzte, kam es zwischen den beiden Lagern zu ersten Kämpfen, die schließlich in einen offenen Bürgerkrieg mündeten. Aus dem Ringen um Macht und Einfluss war ein ethnischer Konflikt geworden, der seither auf brutale Weise und auf Kosten der Zivilbevölkerung ausgetragen wird. Machar, der die oppositionelle Rebellenarmee anführt, flüchtete nach Ausbruch des Bürgerkriegs ins Exil. Die ersten Friedensgespräche in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba waren zum Stillstand gekommen, doch auf internationalen Druck unterzeichneten beide Seiten im August 2015 ein Friedensabkommen. Leider brachte das Abkommen nicht den von der Bevölkerung ersehnten Frieden, die Kämpfe gingen nahezu unvermindert weiter.

Frau in einem ausgebrannten HausIn Lobonok zwei Fahrtstunden von Juba entfernt: Diese Frau hat ihre Hütte bei einem Brandüberfall verloren. "Das ist das Schlimmste, was ich je gesehen habe", so eine Caritas-Mitarbeiterin, die seit 27 Jahren in der Hilfe aktiv ist.Patrick Nicholson/Caritas internationalis, 2017

Hoffnung auf Frieden keimte zuletzt auf, als Machar nach zwei Jahren im Exil im April 2016 in die Hauptstadt Juba zurückkehrte und erneut zum zweiten Mann im Staat vereidigt wurde. Doch kurz vor dem Unabhängigkeitstag am 9. Juli 2016 flammten die bewaffneten Kämpfe zwischen Streitkräften und Rebellen in der südsudanesischen Hauptstadt Juba wieder auf. Ex-Vizepräsident Riek Machar wurde von seinem Widersacher und Präsident Salvar Kiir nach dem erneuten Ausbruch der Kämpfe abgesetzt. Die politische Krise und die unüberschaubaren Kampfhandlungen haben zu einer neuen Fluchtbewegung geführt.

Drei Millionen Vertriebene seit 2011

Viele suchen Zuflucht in sichereren Landesteilen oder in einem der sechs im Land verteilten UN-Camps, den so genannten "Protection of Civilians". Allein im Camp in Bentiu (Unity) leben über 50.000 Vertriebene, in den UN-Camps in Juba leben knapp 35.000 auf engstem Raum in einer Zeltstadt. Die hygienischen Zustände sowie die medizinische Versorgung in den überfüllten Lagern sind sehr schlecht, das Wasser streng rationiert und immer knapp. Zwei Mal am Tag können die Menschen an wenigen Wasserstellen ihre Kanister füllen. Die hygienischen Bedingungen verschlechtern sich und stellen insbesondere für Kleinkinder und ältere Menschen eine zusätzliches Risiko dar.

Kinder in einem behelfsmäßigen LagerIn der Gemeinde Rimenze (Yambio) lagern tausende Vertriebene in behelfsmäßigen Hüttten, darunter viele Kinder. Fr. John Ngbapia

Ausfallende Ernten

Die eskalierende Gewalt und Angst vor Übergriffen sorgen seit Jahren dafür, dass Felder in vielen Teilen des Landes nicht bestellt wurden und Ernten ausblieben: mit fatalen Folgen für die ohnehin seit jeher von Lebensmitteleinfuhren stark abhängige Bevölkerung. Gerade diejenigen, die sich nicht in die Nachbarstaaten flüchten oder eines der UN-Camps erreichen konnten, leben in großer Unsicherheit. Sie wissen oft nicht einmal, ob sie am kommenden Tag etwas zu essen haben. Durch die aktuelle Dürre in der Region, die seit Monaten in großen Landesteilen vorherrscht und auch weiterhin prognostiziert wird, verschärft sich die Situation immer weiter.

Mai 2017