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Südsudan: Dürre und Vertreibung

Neue Kämpfe im Südsudan

Wie kam es dazu, dass der Konflikt im Südsudan über das Wochenende vom 8. bis 10 Juli erneut eskalierte

Simon Tremmel, Südsudan-Referent bei Caritas internationalSimon Tremmel, Südsudan-Referent bei Caritas international

Simon Tremmel, seit Juni 2016 Länderreferent für den Südsudan: Im August 2015 unterschrieben Präsident Salva Kiir und der Oppositionsführer Riek Machar ein Friedensabkommen, um den 2013 begonnenen Krieg zu beenden. Nach der Rückkehr Machars aus dem zweijährigen Exil im April 2016 war einerseits die Hoffnung groß, dass das Abkommen endlich umgesetzt wird und dauerhaft Frieden bringt, andererseits bestanden auch Bedenken hinsichtlich des unmittelbaren Aufeinandertreffens der beiden Kontrahenten. Im Zuge seiner Heimkehr brachte Riek Machar auch seine 1300 Mann starke Armee zurück ins Land. Diese sollte mit den Truppen des Präsidenten Salva Kiir gemeinsame Patrouillen durchführen, die jedoch aufgrund fehlenden Vertrauens auf beiden Seiten bisher nicht umgesetzt wurden. Am Abend des 07. Juli kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Soldaten an einem Checkpoint in der Nähe des Regierungsgebäudes, in dem Kiir und Machar zu diesem Zeitpunkt eine Pressekonferenz gaben. Der Vorfall führte schnell zu einer Eskalierung der Gewalt, die sich in rasender Geschwindigkeit in der Hauptstadt Juba ausbreitete, zahlreiche Tote forderte und zehntausende Menschen innerhalb kürzester Zeit zu Vertriebenen machte.

Welche Auswirkungen haben die gewalttätigen Kämpfe auf die ohnehin instabile Situation im Land?

Nach UN-Angaben wurden rund 36.000 Menschen durch die Ausschreitungen vom Wochenende vertrieben. Mehr als 30.000 von ihnen suchten in Kirchen, Schulen, öffentlichen Gebäuden und UN-Einrichtungen in Juba Schutz. Am Montag den 11. Juli riefen Präsident Salva Kiir und Vizepräsident Riek Machar eine Waffenruhe aus. Im weiteren Verlauf hat sich die Situation bis heute etwas beruhigt, bleibt jedoch angespannt, wie unsere Partner vor Ort berichten. Fakt ist, dass innerhalb weniger Tage zahlreiche Menschen vertrieben, getötet, verletzt und beraubt wurden und in Folge dessen auf Unterstützung angewiesen sind. Der Südsudan gehört zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Schon vor den Kämpfen waren nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) etwa 4,8 Millionen Menschen vom Hunger bedroht. Die jüngsten gewaltsamen Ausschreitungen haben die Lage weiter verschärft und stehen stellvertretend für die landesweit extremen Auseinandersetzungen. Caritas international appelliert an die internationale Gemeinschaft, die Konfliktparteien zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts zu drängen. Die Menschen, denen es schon vor der Gewalt im Juli 2016 an nahezu allem fehlte, dürfen nicht weiter in ihrer Existenz bedroht werden. Die humanitären Folgen einer weiteren Eskalierung wären fatal.

Was macht die Caritas vor Ort, um den Menschen zu helfen?

Unsere Partner in Juba sind selbst in einer schwierigen Sicherheitslage und mussten während der Auseinandersetzungen in unmittelbarer Nähe ihrer Unterkunft Gefechte miterleben. Eine unserer Partnerorganisationen hatte zwischenzeitlich rund 60 Familien Unterschlupf gewährt. Trotz der angespannten Situation hat dieser Partner noch vorhandene Nahrungsmittelbestände an Hilfsbedürftige verteilt und innerhalb kürzester Zeit einen Nothilfe-Plan erarbeitet. Besonders dringend gebraucht werden Nahrungsmittel wie Brot, Bohnen und Mehl, sauberes Wasser, Milchpulver und Windeln für Kleinkinder sowie Kleidung, Schlafmatten und Kochutensilien. Diese Hilfsgüter organisiert unser Partner vor Ort schnellstmöglich. Caritas international stellt zwischen 100.000 und 200.000 Euro zur Soforthilfe für die Versorgung der Bevölkerung bereit. Dadurch sollen zwischen 1500 und 3000 vertriebene Familien in den kommenden Wochen mit den entsprechenden Hilfsgütern versorgt werden. Sobald es die Sicherheitslage erlaubt, werden unsere Partner eine detaillierte Einschätzung der humanitären Lage vornehmen. Dadurch soll eine zielgerichtete Hilfe gewährleistet werden, so dass den durch die jüngsten Ausschreitungen Vertriebenen angemessen geholfen werden kann. Die genaue Ausarbeitung der akuten Nothilfe-Projekte findet zurzeit statt und ist auch davon abhängig, inwiefern sie mit bereits bestehenden Projekten im Raum Juba zusammengeführt werden kann. Zudem kann sich die Lage vor Ort mit jedem Tag ändern, was eine gewisse Flexibilität aller humanitären Akteure erfordert. Caritas international ist seit Jahren gemeinsam mit lokalen Partnern erfolgreich im Südsudan aktiv. Vertriebene und die bedürftige lokale Bevölkerung werden hauptsächlich durch Nahrungsmittelhilfe, psycho-soziale Betreuung, schulische und informelle Bildung oder auch Sensibilisierungsmaßnahmen zur Friedensförderung unterstützt.

Juli 2016

Das Gespräch führte Stephanie Binder, Caritas international