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Afrika

Situation

Südsudan: Dürre und Vertreibung

Der jüngste Staat Afrikas

Jahrzehnte lang herrschte im Sudan ein Bürgerkrieg zwischen der Regierung im Norden und den für die Unabhängigkeit des Landes kämpfenden Gruppen des Südens. Mit einer überwältigenden Mehrheit von nahezu 99 Prozent der Stimmen haben sich die Südsudanesen schließlich in einem Referendum im Januar 2011 für die Loslösung von der Zentralregierung in Khartum entschieden. Das Referendum war 2005 nach einem 22 Jahre andauernden brutalen Bürgerkrieg zwischen der Regierung in Khartum und verschiedenen Befreiungsbewegungen, unter anderem der "Sudan People's Liberation Army" (SPLA), vereinbart worden. In dem Krieg starben bis dahin zwei Millionen Menschen, vier Millionen Menschen wurden vertrieben.

Die offiziellen Unabhängigkeitsfeiern fanden am 9. Juli 2011 statt. Zu den großen  Herausforderungen des jungen Landes gehörte nicht nur der Aufbau der südsudanesischen Regierung, sondern auch die Neuausrichtung der Politik im Norden des Landes.

Auch nach der Unabhängigkeit blieb das Konfliktpotenzial in der Region hoch: Die politisch Verantwortlichen, meist ehemalige Kämpfer, haben keine oder wenig administrative oder politische Erfahrung. Der Kampf gegen den Norden und das Streben nach Abspaltung war das wesentliche verbindende Element innerhalb der SPLM.  Die ertragreichen Erdölfelder, die Milliarden in die Staatskasse der nordsudanesischen Regierung spülten, liegen im Südsudan. Ein Eklat und Kämpfe um die Ölfelder waren nahezu vorprogrammiert.

Die südsudanesische Regierung wird bis heute dafür kritisiert, dass sie die Öl-Einnahmen in den Jahren nach dem Friedensschluss nicht - wie vereinbart - in Infrastruktur und Entwicklung investierte. Weiterhin fehlen in weiten Gebieten des Südsudans, das ungefähr doppelt so groß ist wie Deutschland, Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser, saubere Wasserquellen und Straßen. Qualifizierte Fachkräfte wandern nach Kenia und Uganda aus.

Englischsprachiges Video zur Unabhängigkeit Südsudans. Michel Roy 

Bischof Kussala von Tombura Yambio im Südwesten des Südsudan kennt als Einheimischer die große Herausforderung in einem Gebiet zu arbeiten, in dem neun von zehn Menschen unter der Armutsgrenze leben, die Analphabetenrate 80 Prozent beträgt und die Kindersterblichkeitsrate zwischen 30 und 40 Prozent liegt. "Da es keine funktionierende Regierung gibt", sagt Bischof Kussala, "stellt die Kirche viele soziale Dienste bereit, wie beispielsweise Krankenversorgung und Schulbildung und kümmert sich um die Menschen, die vor der Gewalt fliehen".

Das Erbe des Krieges

Im Zuge des Referendums hatten sich schätzungsweise zwei Millionen im Bürgerkrieg Vertriebene aus dem Norden auf den Weg zurück in den Süden gemacht. Im Norden des Sudan fürchten sie Marginalisierung und Verfolgung. Im Süden jedoch herrscht extreme Armut. Ohne die Möglichkeit, dort Felder zu bestellen, haben sie kaum eine existenzielle Basis. Hinzu kommen miserable Unterkünfte ohne ausreichenden Schutz vor Kälte und Regen. Viele erinnern sich lebhaft an das Jahr 2009 / 2010, als eine lang anhaltende Dürre die gesamte Ernte der Region vernichtete und zu einer Hungersnot führte.

Hinzu kommt die eskalierende Gewalt und Angst vor Übergriffen aufgrund des südsudanesischen Bürgerkrieges, der im Dezember 2013 weite Landesteile erfasste. Sie sorgten über 20 Monate dafür, dass Felder nicht bestellt wurden und Ernten ausblieben. So flohen erneut rund zwei Millionen Menschen vom Land in Richtung Juba, eine Stadt, die binnen vier Jahren von wenigen Tausend Einwohnern auf rund 400.000 Menschen angewachsen ist. Auch nach dem Friedensabkommen von August 2015 und der Rückkehr des Oppositionsführers Riek Machar nach zwei Jahren im Exil im April 2016 denken die wenigsten an Vertriebenen an Heimkehr.

Frau am Feuer machenSüdsudan: Ein täglicher Kampf ums Überlebenagenda / Karin Desmarowitz

Eine lange Vorgeschichte

Der Konflikt zwischen den Streitkräften des Staatspräsidenten Salvar Kiir sowie den Rebellen von Vizepräsident Machar kam wenig überraschend. Er prägte bereits die Lagerbildung innerhalb der Bürgerkriegsbewegung, als sich die Südsudanesen gegen die Zentralregierung in Karthum auflehnten.

Die Situation hatte sich nach dem Auftauchen der Lord's Resistance Army (LRA) verschlimmert. Diese Miliz war vorher im nördlichen Uganda aktiv, wo sie einen 20-jährigen Feldzug gegen die Armee führte, der von Menschenrechtsverletzungen, Entführung, Folter, Mord und Vergewaltigung gekennzeichnet war. Schließlich verlagerte die LRA, die unter Druck geriet, ihre Aktivitäten in die dichten, äquatorialen Trockenwälder zwischen Sudan, der Demokratischen Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik.

Überlebende aus kleinen Dörfern in Südsudans westlichem Bundesstaat Äquatoria wurden von Rebellen mit Macheten, Äxten und Schusswaffen angegriffen. Sie morden, vergewaltigen und entführen Männer, Frauen und Kinder. Um gegen diese Rebellen Schutz zu gewährleisten, bildeten sich lokale Milizen. Sie kämpften zunächst mit Pfeil und Bogen, Speeren und Netzen gegen die Kalaschnikows der LRA. "Die Menschen fliehen aus den ländlichen Gegenden in die Städte, um Schutz zu suchen", sagt Bischof Kussala aus Tombura-Yambio. Die Schülerzahlen pro Klasse in kirchlichen Schulen sind von 45 auf 300 Kinder gestiegen.

Die katholische Kirche und Caritas arbeiten in Flüchtlingslagern und in Gemeinden, um den dringendsten Bedürfnissen gerecht zu werden. Sie hilft den Menschen im Südsudan mit Nahrungsmittelhilfen und durch die Verteilung von Saatgut, Werkzeug und Düngemittel. Diese Hilfsgüter sollen den Familien ermöglichen, sich wieder selber versorgen zu können.

Das Hilfsprogramm für Kriegsopfer und rückkehrende Kriegsflüchtlinge im Südsudan wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt.

Juli 2016