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Afrika

Teilhabe bei Behinderung

Tansania: Förderung von Kindern mit Behinderung

Die Situation von körperbehinderten Menschen ist in Tansania - wie auch in vielen anderen Ländern Afrikas - äußerst schwierig. Verbreitet und tief verwurzelt ist der Glaube, eine Behinderung sei mit dem Bösen verbunden. Daher haben Schwerbehinderte in Tansania kaum eine Chance auf ein menschenwürdiges Leben. Behinderte Neugeborene werden nicht selten getötet, überlebende Kinder versteckt und vernachlässigt - weil die Eltern sich ihrer schämen. Sie denken, die Behinderung ihres Kindes sei eine Strafe Gottes für eine böse Tat der Eltern.

Es leben rund vier Millionen Menschen in Tansania mit einer Behinderung, die sie in ihrem Leben einschränkt. Die Hälfte davon sind Kinder. Von ihnen gehen vier von zehn Kindern in die Grundschule, und nur jedes zwanzigste Kind mit einer Behinderung besucht eine weiterführende Schule.

Die Möglichkeiten der medizinischen Versorgung und Behandlung von körperlich behinderten Menschen sind unzureichend oder nicht vorhanden. Eine Bezahlung von anfallenden Behandlungskosten oder Hilfsmitteln ist aufgrund der wirtschaftlichen Situation nur in Ausnahmefällen möglich.

Behindertes Kind mit Geh-HilfeKinder mit Behinderung haben in Tansania
kaum eine Chance auf Schulbildung
Caritas international

Dabei ist die Anzahl behinderter Menschen auffallend groß. Die Ursachen für diese hohe Zahl sind vielfältig: Durch fehlende Impfungen erkranken viele Menschen an Kinderlähmung. Im Prinzip kleine und leicht korrigierbare anatomische Unregelmäßigkeiten (wie zum Beispiel Klumpfüße oder Spreizbecken) werden nicht behandelt und entwickeln sich dadurch zu schweren Behinderungen. Daneben gibt es viele Unfälle und damit zusammenhängende schlecht verheilte Brüche und Wunden. Kleinkinder fallen nicht selten in die offenen Feuerstellen. Die schweren Verbrennungen hinterlassen Narben, die entstellen und behindern.  

Im Gebiet der Erzdiözese Arusha gibt es zusätzlich viele Fälle von Osteo-Fluorosis. Diese Krankheit ist bedingt durch den in einigen Gebieten vorzufindenden extrem hohen Anteil an Fluorid im Trinkwasser und führt zu einer massiven Verweichlichung der Knochen und zu einer daraus resultierenden Deformierung des Knochengerüstes.

Die ländliche Bevölkerung Nordtansanias ist in ihren Traditionen noch sehr stark verhaftet. Für die Caritas-Mitarbeiter ist es nicht leicht, Verständnis für die Anliegen und Probleme der behinderten Menschen zu schaffen. Dabei ist häufig mit wenig Aufwand eine große Verbesserung der Lebensumstände behinderter Menschen zu erreichen.

Für Tansanias Regierung sind Behinderte, weil sie ohne nennenswerte Lobby sind, kein Thema. Es existieren weder eine Bestandsaufnahme der Behindertensituation noch Ansätze einer Behindertenpolitik. Auch mit dem seit 15 Jahren bekannten Problem des Fluorids im Trinkwasser haben sich die Behörden noch nicht ernsthaft beschäftigt.

Juli 2011